An eine Burganlage sollte die Mauer mit dem auffälligen Eingangstor zur Kaserne erinnern. Dies gibt es bis heute, es ist die Einfahrt zum Industriehof. FOTO: privat
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An eine Burganlage sollte die Mauer mit dem auffälligen Eingangstor zur Kaserne erinnern. Dies gibt es bis heute, es ist die Einfahrt zum Industriehof.

Stadtteilgeschichte

Als der Industriehof noch eine Kaserne war

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute: der Industriehof.

Industriehof -Der Industriehof ist ein besonderer Stadtteil. Nicht nur weil er streng genommen gar kein Stadtteil ist, weil er auf der Gemarkung von Bockenheim liegt und trotzdem dem Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) angehört. Sondern weil es nur so gut wie keine Fotos aus seiner Anfangszeit gibt. Deswegen stammt das von uns abgedruckte Bild auch aus dem Jahr 1938, dem Jahr, in dem die Wehrmacht auf dem Areal nördlich der Rödelheimer Landstraße Deutschlands größte Flak-Kaserne eröffnete, den Sitz des Flak-Regiments 29. "Flak" steht dabei für "Flugabwehrkanone".

Die Torbögen an der Tilsiter Straße bildeten dabei die repräsentative Einfahrt zu dem 30 000 Quadratmeter großen Gelände. Zusammen mit Sandsteinmauern entlang der damaligen Wilhelm-von-Steuben-Straße, heute "Am Industriehof", sollte so der Eindruck einer mächtigen Burganlage entstehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne stark beschädigt und nicht mehr in Betrieb genommen. Auch das Eingangstor überstand die Luftangriffe nicht unbeschadet. Das Spitzdach von damals gibt es nicht mehr, und auch das kleine Türmchen darauf ist verschwunden.

Als Wohnsitz für vertriebene Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten wurden das Gelände und die noch nutzbaren Gebäude der Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt. Der Name "Industriehof" kam allerdings erst viel später auf, wahrscheinlich um die 1950er Jahre. Denn zu dem Zeitpunkt wurde der einstige Luftwaffenstützpunkt größtenteils gewerblich genutzt. Es gab damals sogar den "Autohof West" samt Hotel, dort, wo heute die Aral-Tankstelle ist.

Der Name "Industriehof" blieb, auch als 1955 die Kaserne nach Wiederbewaffnung der Bundeswehr wieder militärisch genutzt wurde - auf einer deutlich kleineren Fläche. Lange war in den Gebäuden das Kreiswehrersatzamt untergebracht, heute sind sie der Hauptsitz des Amts für Flugsicherung der Bundeswehr.

Zudem waren es die US-Streitkräfte, die Teile des Areals nutzten. Nach deren Abzug und Rückgabe stellte die Stadt Frankfurt einen Bebauungsplan auf - es war der Startschuss für den 300 Millionen Mark teuren Bau für die Deutsche Börsen, den Lateral Towers. Dort ist die Geschichte bekannt, genutzt wurde das Gebäude nur von 2000 bis 2010, seit Ende 2013 sitzt dort die Commerzbank. jdi

Die Serie

Morgen sehen Sie auf der Ost-Seite Berkersheim. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

An eine Burganlage sollte die Mauer mit dem auffälligen Eingangstor zur Kaserne erinnern. Dies gibt es bis heute, es ist die Einfahrt zum Industriehof.

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