Im Oktober 1946 lag der Oeder Weg noch in Trümmern, heute ist die Straße im Nordend eine quirlige Einkaufsstraße mit viel Verkehr. Der soll bald ausgesperrt werden und der Oeder Weg zur fahrradfreundlichen Nebenstraße ausgebaut werden.
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Im Oktober 1946 lag der Oeder Weg noch in Trümmern, heute ist die Straße im Nordend eine quirlige Einkaufsstraße mit viel Verkehr. Der soll bald ausgesperrt werden und der Oeder Weg zur fahrradfreundlichen Nebenstraße ausgebaut werden.

Raus aufs Land

Vom Sperrgebiet zur hippen Einkaufsstraße: Das war der Oeder Weg vor 75 Jahren

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Vom Industriestandort hat sich der Oeder Weg in Frankfurt zur hippen Einkaufsstraße entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er jedoch zunächst Sperrgebiet.

Frankfurt – 1,2 Kilometer misst der Oeder Weg vom Anlagenring am Metropolis Kino bis zu der Stelle, wo er in die Eckenheimer Landstraße mündet. Von April 1945 bis Juni 1948 war die linke Straßenseite auf dem Abschnitt zwischen Wolfsgangstraße und Adickesallee die Grenze eines Sperrgebiets. Dieses hatten die Amerikaner um ihr Hauptquartier im I.G.-Farben-Haus gezogen. Wer innerhalb der Zone wohnte, musste seine Wohnungen samt Inventar räumen und durfte erst zurückkehren, als die Absperrung abgebaut wurde.

Viele Häuser im Oeder Weg lagen nach den Bombenangriffen auf Frankfurt in Trümmern und waren teils unbewohnbar - auf dem im Oktober 1946 entstandenen Foto von Fred Kochmann ist das eindrucksvoll zu sehen. Die Häuser um den Oeder Weg/Ecke Jahnstraße sind beschädigt. Der Wiederaufbau sollte dauern.

Oeder Weg in Frankfurt wird bald fahrradfreundlich

Früher wie heute gab es in der Einkaufsstraße zahlreiche Geschäfte. Während einst allerdings nur vereinzelt die Automobile durch die Straße fuhren, rollt die Blechlawine mittlerweile beständig. Und das soll sich ändern, der Oeder Weg wird demnächst zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut. Ziel ist es, das Fahrradfahren sicherer zu machen und den Durchgangsverkehr auszusperren. Dazu wird es jeweils Zufahrtsperren am Metropolis und in Höhe der Holzhausenstraße geben. Das Vorhaben ist umstritten im Stadtteil.

Der Oeder Weg in Frankfurt wird demnächst zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut.

Der Name Oeder Weg geht übrigens zurück auf Einödhöfe, die anno dazumal außerhalb der historischen Stadtbefestigung lagen. Die Straße führte vom Eschenheimer Tor zu Ländereien wie Holzhausen-Oede - im 18. Jahrhundert wurde dort das heute noch existierende Holzhausenschlösschen errichtet - Stalburger Oede, Glauburger Hof oder Schwarzburger Hof. Holzhausenstraße, Stalburgstraße, Glauburgstraße und Schwarzburgstraße, die Nebenstraßen des Oeder Weges sind, erinnern an die Ländereien.

Früher fuhr eine Pferdebahn durch den Oeder Weg in Frankfurt

Auf ganz frühen Fotografien ist dokumentiert, dass die Frankfurter Trambahn-Gesellschaft 1891 eine Pferdebahn im Oeder Weg in Betrieb nahm, die vom Hauptbahnhof bis zum Hauptfriedhof führte. Ab dem Jahr 1900 fuhren Elektrozüge. Die Strecke wurde 1964 mit Beginn des U-Bahn-Baus stillgelegt.

Dass der Oeder Weg in früheren Jahren mal ein Industriestandort war, ist heute kaum noch bekannt. 1825 hatte im unteren Teil der Straße die Farbmüllerei Wippermann den Betrieb aufgenommen, 1836 ging hier die erste Dampfmaschine der Freien Stadt Frankfurt in Betrieb. 1858 verkaufte Wippermann sein Unternehmen an den Chemiker Eugen Lucius und den Techniker Johann Friedrich Saul. Lucius war 1863 einer der Mitbegründern der Farbwerke Meister Lucius und Brüning in Höchst, behielt aber weiterhin seine Frankfurter Fabrik. (Matthias Bittner)

75 Jahre FNP

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte.

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