"Die Texas" wurde wegen ihrer an einen Wildwest-Saloon erinnernden Veranda so genannt. FOTOS: Archiv,
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"Die Texas" wurde wegen ihrer an einen Wildwest-Saloon erinnernden Veranda so genannt.

Stadtteilgeschichte

Als der Wilde Westen noch in Goldstein lag

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Goldstein.

Am Rande des Goldsteinparks - den niemand anderes als der Palmengarten-Gründer Heinrich Siesmayer (1817-1900) gestaltete, steht das Haus Goldstein, heute ein Bürgerhaus der Frankfurter Saalbau und Anlaufstelle der Vereine. Goldstein gilt als die letzte "Stadtrandsiedlung" des Architekten, Städteplaners und Frankfurter Siedlungsdezernenten Ernst May (1886-1970). Aber was Herr May bei den Planungen nicht berücksichtigt hatte, war ein Bürgerhaus. Ersatz bot die alte Gaststätte am Goldsteinpark, die wegen ihrer an einen Saloon erinnernden Veranda nur "die Texas" genannt wurde. In ihr wurde nach dem Krieg nicht nur gesportelt, sondern es wurden auch rauschende Feste gefeiert - ein bisschen soll es wirklich zugegangen sein wie im Wilden Westen. Als dieses Gebäude schließlich wegen Baufälligkeit 1958 abgerissen wurde, fehlte Goldstein das Herz - aber die Goldsteiner beließen es natürlich nicht dabei. Unter Federführung des 1957 gegründeten Vereins für Sport, Kultur und Jugendpflege mit seinen Vorsitzenden Fritz Funk und Karl Greiner gingen die Goldsteiner daran, ein vereinseigenes Bürgerhaus, auch "Volkshaus" genannt, an der Schwarzbachmühle zu errichten - mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Stadt. Es konnte am 30. April 1960 endlich eingeweiht werden. Doch der Raum reichte nicht. Inzwischen war eine neue Parkgaststätte anstelle des "Texas" errichtet worden, doch sie bot für die Goldsteiner Vereine keinen Platz. Stattdessen gab es Beschwerden über Ruhestörungen, die von dieser Gaststätte ausgingen. Und so wuchs eine Idee: Tausche das Bürgerhaus gegen die neue Parkgaststätte. Ein Bürgerhausverein hatte inzwischen das Gebäude an der Schwarzbachmühle übernommen. Um die Interessen der Vereine zu bündeln, folgte im August 1966 die Gründung des Vereinsrings Goldstein. 13 Vereine waren anfangs mit von der Partie; Vorsitzender war Alfred Kiefer von den "Goldsteiner Schlippcher", 2. Vorsitzender Georg Steinhauer vom VfL Goldstein. Am 16. September 1967 konnte endlich das neue Bürgerhaus eröffnet werden. 1981 feierte der Vereinsring den 50. Jahrestag des Bezugs der ersten Siedlerstelle in Goldstein ganz groß. Damals wurde auch die erste Goldsteiner Rosenkönigin gekürt - Gerti I. Die Tradition hat bis heute Bestand. An "die Texas" erinnern sich aber nur noch die Älteren. Und so ein bisschen Wildwest soll auch ganz schön gewesen sein . . .

Die Serie

Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Heute richtet der Saalbau Goldstein seine Terrasse zum Goldsteinpark.

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