ffo_Seckbach_1875_8719_0911
+
Brigitte Bratschke (links) und Renate Sämann haben im Archiv zur Geschichte des TSC Seckbach gestöbert. Foto: Hamerski

Seckbach: Historie

Als die Damen das Sportdress überstreiften

  • vonAlexandra Flieth
    schließen

Sportverein startete vor 100 Jahren die ersten Angebote für Frauen.

Gymnastik zu machen oder zu turnen, um den Körper fit zu halten, das war für Frauen nicht immer so selbstverständlich wie heute. Der 1875 gegründete Turn- und Sportverein (TSV) Seckbach startete vor 100 Jahren seine Angebote im Damenturnen mit Leibesertüchtigungen. Das war kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Ausrufung der Weimarer Republik.

Die 1920er Jahre, in die die Anfänge des Damensports beim TSV fallen, waren ein Jahrzehnt des Aufbruchs und der Stärkung von Frauenrechten. Gemeinschaftlich in einem Verein Sport zu machen, gehörte in dieser Zeit zum neuen Selbstverständnis der Frauen. Die Gründung der Damenturnabteilung, innerhalb deren sich 1932 auch ein eigenes Faustballteam etablierte, stellte damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung dar.

Frauen und Sport waren mit Beginn der 1910er Jahre schon einmal ein Thema des Vereins. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 kam der Turnbetrieb jedoch zum Erliegen, und der TSV konnte erst 1919 zu seinem Vereinsleben zurückkehren. 1920 erwarb der TSV den Tanzsaal des Gastwirts und Turnbruders Ludwig Emmel und funktionierte diesen in eine Turnhalle um - damit war auch der Grundstein für die Abteilung "Damenturnen" gelegt, die bei ihrer Gründung bereits 44 Turnerinnen zählte.

Ertüchtigung an Barren und Reck

Die erste Abteilungsleiterin hieß Mini Zscherneck und der erste Turnlehrer Wilhelm Adomeit. Zu den Übungsstunden, die zweimal wöchentlich angeboten wurden, trafen sich Frauen und Mädchen, um sich ausschließlich dem Geräteturnen zu widmen, erzählt Brigitte Bratschke. Seit 1988 leitet sie, mit einer Unterbrechung von vier Jahren, die Abteilung Frauengymnastik des TSV. Die Ertüchtigungen seien unter anderem am Barren, den Ringen und dem Reck erfolgt.

Diese Entwicklungen der 1920er Jahre wurden erneut durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Der Neubeginn danach ging auch mit neuen Perspektiven auf den Damensport im Verein einher, der Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Jahrzehnte weg vom Geräteturnen hin zur Frauengymnastik. Mit dazu beigetragen habe ab den 1970er Jahren die Übungsleiterin Greta Seitz, beschreibt es Bratschke weiter.

Bewegungen, die speziell auf den weiblichen Organismus abgestellt waren, dominierten von nun an die Übungsstunden und die Turnabteilung wandelte allmählich zu einer reinen Gymnastik-Abteilung. Aus dieser Gesamtentwicklung heraus, habe sich der heutige Abteilungsname "Frauen-Gymnastik" entwickelt.

Mittlerweile sind dort auch einige Männer aktiv, die in gemischten Gruppen die Gymnastikangebote wahrnehmen. Der Verein selbst hat mehr als 1000 Mitglieder, die Abteilung circa 150 Aktive. Angeboten würden unterschiedliche Gymnastikformen wie Wirbelsäulengymnastik, Bauch-Beine-Po oder Stuhlgymnastik - immer auch angepasst an das Alter der Teilnehmer. "Jede einzelne dieser Gruppen hat zwischen zwölf und 20 Teilnehmern. Es sind homogene Gruppen und alle sind dem Verein sehr verbunden", betont Bratschke.

"Es ist schön, ein Mitglied der Frauenabteilung im TSV zu sein. Der Verein ist für mich und viele andere, deren Kinder schon wieder Mitglieder sind, etwas wie ein Familienverein", sagt die Abteilungsleiterin weiter. Bratschke ist seit 1976 Mitglied beim TSV und startete dort mit Handball und Volleyball, wechselte später zur Gymnastik. Die meisten Kurse sind in der Vereinsturnhalle Am Schießrein 2 oder in der Turnhalle der Zentgrafenschule.

Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Über die sportlichen Aktivitäten hinaus, werden auch gemeinschaftliche Reisen organisiert. So gab es in diesem Jahr zum Beispiel einen Ausflug zur Mohnblüte nach Germerode im hessischen Werra-Meißner-Kreis. Aktivitäten wie diese wurden in der Vergangenheit regelmäßig auf die Beine gestellt. Bereits seit 1956 begeben sich die Frauen der Abteilung jährlich auf Ausflüge, machen Wanderungen oder Tagesfahrten. Seit der 1100-Jahr-Feier sind die Mitglieder der Abteilung auch regelmäßig mit einem Stand auf Straßenfesten im Stadtteils dabei.

Für die Zukunft wünscht sich Bratschke Zuwachs aus den Reihen der jüngeren Generation, damit die Abteilung und mit ihr das sportliche Leben und die Geselligkeit im TSV weiter garantiert sind. Alexandra Flieth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare