Breit war der Gehweg 1946 vor den Häusern in der Eschersheimer Landstraße 346 und 348. So breit, dass sich problemlos Fußgänger aus dem Weg gehen konnten und es keine Konflikte mit Fahrradfahrern gab. FOTO: Institut für Stadtgeschichte
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Breit war der Gehweg 1946 vor den Häusern in der Eschersheimer Landstraße 346 und 348. So breit, dass sich problemlos Fußgänger aus dem Weg gehen konnten und es keine Konflikte mit Fahrradfahrern gab.

Frankfurter Stadtteilgeschichte

Als die Eschersheimer Landstraße noch den Fußgängern gehörte

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Im letzten Teil unserer Serie werfen wir einen Blick auf den Dornbusch.

Frankfurt – Es war ein entspannter Spaziergang entlang der Eschersheimer von der Hügelstraße gen Dornbusch im Jahr 1946 in Frankfurt. Breit waren die Gehwege, gesäumt von hoch gewachsenen Bäumen. Ab und an rollte ein Auto vorbei, auch Pferdewagen waren noch unterwegs. Heute bietet sich ein anderes Bild. Für einen Spaziergang nutzt man, wenn überhaupt, lieber eine der ruhigeren Nebenstraßen. So stark ist der Verkehr auf der Eschersheimer, einer der wichtigsten Verbindungen in den Frankfurter Norden. Hinzu kommt die U-Bahn, die den Stadtteil seit Oktober 1968 trennt. Kurz vor der Station "Dornbusch" kommt sie an die Erdoberfläche. Aus der einst angedachten Untertunnelung des Stadtteils wurde bis heute nichts.

Heute ist er schmal, Fahrspuren und U-Bahn-Trasse dominieren das Bild.

Eines Stadtteils, der noch recht jung ist. Gibt es ihn doch erst seit 1946, aus Teilen von Eckenheim und Ginnheim wurde er damals gegründet. Sein Name rührt von der Tatsache her, dass ein Teil seiner Fläche einst fast nur aus Dornenbüschen bestand. Wohl ein Teil der Frankfurter Landwehr, einer schon im Mittelalter angelegten Befestigungsanlage, um die alte Frankfurter Gemarkung vor Überfällen zu schützen.

Frankfurt Dornbusch: Geschichte mit namenhaften Bewohnern wie Anne Frank und Miele Braach

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es immer noch große Flächen östlich der Eschersheimer Landstraße, die von Großgärtnereien wie der Sinai-Gärtnerei besetzt waren. Dazu zählte auch Deutschlands wohl größte Fliederzucht. Die zum Teil bereits vor dem Ersten Weltkrieg vorhandene Bebauung des Dornbuschs reicht derweil bis in die Gründerzeit zurück. Damals vergrößerten sich nicht nur die Nachbarstadtteile Westend und Nordend. Es wurde vor allem entlang der Ausfallstraßen, wie der Eschersheimer als Teil eines mittelalterlichen Verbindungsweges, sowie außerhalb des Alleenringes gebaut.

Das Dichterviertel westlich der Eschersheimer und das Bertramsviertel südlich des Marbachweges gehörten schon damals zu den bevorzugten neuen Wohngebieten in Frankfurt. Zahlreiche namhafte Bewohner lebten im Dichterviertel, wie die Schriftstellerin Miele Braach, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki oder der Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann. Und nicht zuletzt Anne Frank, die mit ihrer Familie in die Ganghoferstraße zog, als sie zwei Jahre alt war. Geboren wurde sie 1929 auf der anderen Seite der Eschersheimer, im Marbachweg. Damals noch ein Katzensprung, heute durch die U-Bahn ein weiter Weg durch den geteilten Stadtteil. (Judith Dietermann)

Mit dieser Folge endet die Serie. Alle Folgen finden Sie gebündelt im Internet unter www.fnp.de/stadtteilgeschichte

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