Das Bild aus dem Jahr 1946 zeigt die Peterskirche an der Wilhelmshöher Straße, wie sie bis 1966 ausgesehen hat. Dann wurde sie abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhaus. FOTO: Kultur- und Geschichtsverein Seckbach
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Das Bild aus dem Jahr 1946 zeigt die Peterskirche an der Wilhelmshöher Straße, wie sie bis 1966 ausgesehen hat. Dann wurde sie abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhaus.

Stadtteilgeschichte

Als die Kirchenoch stand

  • Friedrich Reinhardt
    VonFriedrich Reinhardt
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Seckbach. -

Seckbach -Nichts deutet an dem orangefarbenen Wohnhaus an Wilhelmshöher Straße, Hausnummer 172, darauf hin, dass an selber Stelle einmal eine Kirche stand. Die Peterskirche. Und welcher archäologische Schatz mit der Kirche womöglich verschwunden ist, wird wohl für immer ungewiss bleiben. Denn die Geschichte der Peterskirche reicht weiter zurück als bis zum 9. September 1764, den Tag ihrer Einweihung. Denn beim Bau der Kirche wurden Steine von Seckbachs ältester Kirche, der Bergkirche, verwendet. Das sei sicher, berichtet Stadtteilhistoriker Folker Rochelmeyer.

Die Bergkirche war die älteste Seckbacher Kirche. 1178 wird sie erstmals erwähnt. Mutmaßlich entstand sie auf einem ehemaligen römischen Heiligtum. Das ließ Heinrich Bingemer, den einstigen Leiter des Historischen Museums, vermuten, dass in der Bergkirche auch Steine dieses antiken Heiligtums verbaut wurden. Wenn das stimmt, dann könnten es auch einige Steine des Heiligtums bis an die Wilhelmshöher geschafft haben. Steine, die erst in der Bergkirche und dann in der Peterskirche verbaut wurden.

Rochelmeyer überliefert auch eine Anekdote aus Bingemers Zeit als Lehrer in den Klassenräumen in der Peterskirche: Nach dem Ersten Weltkrieg bröckelte der Putz in den Räumen. Bingemer, der nur zu gern die Steine der Peterskirche untersucht hätte, rückte seinen Stuhl so dicht an die Wand, dass Rücken und Stuhllehne den Putz abrieben und die Steine dahinter freilegten. Um sie gründlich zu erforschen, hat das aber nicht gereicht. "Sollten dort jemals Bauarbeiten durchgeführt werden", soll Bingemer gesagt haben, "so müssen sie achtgeben, ob dabei Steine der Bergkirche oder gar des römischen Heiligtums zutage kommen".

1955 starb der Historiker. Als elf Jahre später, im Jahr 1966, die Peterskirche abgerissen wurde, hatte niemand an seine Mahnung gedacht. Die Steine wurden nie untersucht. Friedrich Reinhardt

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Morgen sehen Sie auf der Nordwest-Seite die Nordweststadt. Alle erschienen Folgen finden Sie auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Das Bild aus dem Jahr 1946 zeigt die Peterskirche an der Wilhelmshöher Straße, wie sie bis 1966 ausgesehen hat. Dann wurde sie abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhaus.

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