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Als die Reformation begann

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Von: Sören Rabe

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Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz steht in der Katharinenkirche. In dem Vorgängerbau an der Hauptwache wurde vor 500 Jahren die ersten evangelische Predigt in Frankfurt gehalten.
Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz steht in der Katharinenkirche. In dem Vorgängerbau an der Hauptwache wurde vor 500 Jahren die ersten evangelische Predigt in Frankfurt gehalten. © Enrico Sauda

Erste evangelische Predigt wurde vor 500 Jahren in der Katharinenkirche gehalten.

Frankfurt -Es war der 9. März 1522, als Hartmann Ibach die erste evangelische Predigt in Frankfurt hielt. Und zwar dort, wo heute die Katharinenkirche steht. Weitere Predigten folgten am 11. und 13. März, eine vierte Predigt fand nach Protesten des Erzbischofs von Mainz - damals gehörte Frankfurt zum Bistum Mainz - nicht mehr statt. Der Theologe und Prediger verließ die Stadt, weil er Angst hatte, an den Bischof ausgeliefert zu werden. Damit begann die Zeit der Reformation in der damaligen Freien Reichsstadt. "Das Ganze war ein langer Prozess", sagt der heutige Pfarrer der Katharinenkirche, Olaf Lewerenz.

Im Mittelpunkt der drei Predigten Ibachs in der ersten Fastenwoche standen nicht die zentralen Punkte lutherischer Theologie wie das Abendmahl, sondern populäre Themen wie das Zölibat, das auch heute nach 500 Jahren immer noch aktuell ist, die Heiligenverehrung oder Zinsabgaben an den Klerus, mit denen Ibach große Aufmerksamkeit fand.

Luthers verbotene Reden auf der Messe

Die Stimmung in der Stadt war gespalten. Vor allem der Rat wollte es sich nicht mit Kaiser und Erzbischof verscherzen. Denn das Messeprivileg des Kaisers und die Festlegung Frankfurts als Wahl- und Krönungsort für die deutschen Kaiser wog für die Stadt der Kaufleute schwer. Dennoch zeigten die Ratsherren Sympathien für die Reformatoren. "Die Strategie der Ratsherren war, relativ neutral zu bleiben", verdeutlich Lewerenz. So entstand in Frankfurt eine im 16. Jahrhundert einmalige Situation. "Hier existierten Lutheraner, Reformierte, Katholiken und nicht zu vergessen eine große Jüdische Gemeinde nebeneinander. Das gab's", sagt Lewerenz, "in keiner anderen Stadt im damaligen Deutschen Reich." Ob es aus Überzeugung war oder aus wirtschaftlichen Überlegungen, darüber vermag der Pfarrer Lewerenz nicht urteilen.

Treibend bei der Reformation waren die bedeutenden Familien der Stadt, die Patrizier von Holzhausen, Glauburg, Fürstenberg oder Stalburg, noch heute erinnern Straßennamen im Nordend an sie. Auf Betreiben von Hermann von Holzhausen wurde die erste nicht-geistliche Schule in Frankfurt eingerichtet: die Latein-Schule, Vorläufer des heutigen Lessing- und Goethe-Gymnasiums. Dort wiederum war Wilhelm Nesen der erste Rektor, der Hartmann Ibach als Prädikant nach Frankfurt einlud und ihm auch Unterkunft gab. All dies geschah, nachdem im Jahr zuvor Martin Luther jeweils für eine Nacht in Frankfurt weilte, auf dem Weg zum Reichstag nach Worms, wo über ihn Gericht gehalten wurde, sowie auf dem Rückweg nach Wittenberg.

Dass der Rat der Stadt sich auf keine Seite schlug, verdeutlicht auch eine Anekdote zur Buchmesse 1522. Luthers Schriften waren offiziell verboten, doch in Frankfurt wurden sie auf der Messe im Herbst des Jahres verkauft, weiß Olaf Lewerenz. Nur wenige Monate später, im Jahr 1523, wurde wieder auf Betreiben derer von Holzhausens mit Dietrich Sartorius ein weiterer Prädikant nach Frankfurt geholt, der dann, so Lewerenz, "auch wirklich reformatorisch predigte".

Über die Jahre war es ein stetes Ringen der Christen, bis 1531 der Rat der Stadt die evangelische Abendmahlfeier beschloss. Der Dom wurde evangelisch, die Barfüßer verließen die Stadt oder schlossen sich den Reformierten an. Die Barfüßer-Kirche wurde zur evangelischen Hauptkirche. Erst 1548 wurde der Dom der katholischen Kirche zurückgegeben, so dass es zu der Koexistenz in Frankfurt kam.

Ein Festgottesdienst zum Gedenken an die erste evangelische Predigt vor einem halben Jahrtausend sei nicht geplant. "Ich werde aber sicherlich in meiner Predigt am 13. März in der Katharinenkirche darauf eingehen", sagt Olaf Lewerenz. Sören Rabe

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