Die Niddawiesen am Fuße des Helgersbergs mit Nidda- und Höhenblick sind ein echtes Naturparadies, auch ohne Bachlauf. Daran hat sich in 75 Jahren nichts geändert. FOTO: privat
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Die Niddawiesen am Fuße des Helgersbergs mit Nidda- und Höhenblick sind ein echtes Naturparadies, auch ohne Bachlauf. Daran hat sich in 75 Jahren nichts geändert.

Stadtteilgeschichte

Als durch die Wiesen noch ein Bach plätscherte

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute Ginnheim.

Die Wiesen am Fuße des Helgersbergs sind ein wahres Naturparadies. Damals wie heute. Auch wenn sie heute deutlich kleiner und viel zugewachsener sind. Zudem ist der Bach, der 1946 noch über die sogenannte Bleichwiese plätscherte, mittlerweile verschwunden. 2021 kann man seinen einstigen Verlauf nur noch erahnen. Wenn man nicht aus Ginnheim kommt. Denn wer dort aufwuchs, der findet den Weg den das kleine Rinnsal einst nahm, sofort. "Hier habe ich als kleiner Junge schon die eine oder andere Kaulquappe aus dem Wasser gefischt", sagt ein Spaziergänger. Ob er sich aber auch an den Erlenhain erinnert, den es einst neben der Wiese gab? Damals, bevor dort die Kleingartenanlage "Am Mühlgarten" gebaut und 1971 die ersten Tomaten geerntet wurden? Nein, sagt der ältere Herr, davon habe er noch nie etwas gehört. Was vielleicht auch besser ist, rankt sich doch eine düstere Legende um das kleine Wäldchen. So wurde den Kindern einst erzählt, dort würde die Erlengeiß leben. Dort, wo am Tage Frösche quakten, Vögel zwitscherten und Grillen zirpten, bildeten sich am Abend gespenstische Nebelschwaden, die von der Nidda heranzogen. Lautlos soll die Erlengeiß zwischen den Bäumen und Baumstümpfen dahin gehuscht sein und so manch später Heimkehrer soll ihre Hörner zu spüren bekommen haben. Aber auch ohne Erlenhain ist der Blick vom Helgersberg, der höchsten Erhebung Ginnheims, ein ganz besonderer. Bis in den Taunus kann man von der Straße "Niddablick" sehen. Das hatten die Menschen bereits vor 75 Jahren erkannt, damals wie heute ist er eine beliebte Wohngegend im Stadtteil. Die mittlerweile freilich etwas dichter bebaut ist als nach dem Zweiten Weltkrieg, wie die beiden Fotos zeigen. Der übrigens Ginnheim fast verschonte, die Bomben fielen in das Ginnheimer Wäldchen sowie die Wiesen und Felder rings um den Stadtteil. Lediglich in der Fuchshohl wurden vier Häuser zerstört, sieben Menschen kamen ums Leben.

In unmittelbarer Nähe des Niddablicks, quasi links angrenzend an das Foto, beginnt die denkmalgeschützte Siedlung Höhenblick, die Ernst May 1926 und 1927 am Ginnheimer Hang bauen ließ. Um noch mehr Menschen diesen Blick gen Taunus zu ermöglichen. Hinweg über eine Wiese, auf der sich bis heute Nebelschwaden bilden. Und wer weiß, vielleicht gibt es sie ja wirklich, die Erlengeiß. jdi

Die Serie

Am Montag sehen Sie auf der Nordwest-Seite die Nordweststadt. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Die Niddawiesen am Fuße des Helgersbergs mit Nidda- und Höhenblick sind ein echtes Naturparadies, auch ohne Bachlauf. Daran hat sich in 75 Jahren nichts geändert.

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