Die Frankenallee mit ihren Bäumen ist auf beiden Bildern deutlich zu erkennen. Ansonsten unterscheiden sich die Aufnahmen von 1946 und heute doch sehr. FOTO: U.S.-Army / Institut für Stadtgeschichte
+
Die Frankenallee mit ihren Bäumen ist auf beiden Bildern deutlich zu erkennen. Ansonsten unterscheiden sich die Aufnahmen von 1946 und heute doch sehr.

Stadtteilgeschichte

Frankfurter Europaviertel: Als hier noch Güter rangiert wurden

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
    schließen

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem in Frankfurt verändert. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute blicken wir ins Europaviertel im Stadtteil Gallus.

Frankfurt - Bewohner des Europaviertels in Frankfurt werden sich wahrscheinlich nicht erinnern oder es gar nicht wissen: Ende des vergangenen Jahrtausends stand auf dem Gelände zwischen Frankenallee und Festhalle noch die Abfertigungshalle des Güterbahnhofs. Dieser ist aber ebenso wie die imposante Abfertigungshalle längst Geschichte. An den regen Güterverkehr vergangener Tage erinnert heute nur noch der Name Güterplatz.

Errichtet worden war der "Central-Güter-Bahnhof" zeitgleich mit dem Frankfurter Hauptbahnhof. Sie ersetzten die zu klein gewordenen West-Bahnhöfe und gingen im August 1888 in Betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges war auch der Hauptgüterbahnhof Ziel von Bombenangriffen und wurde, wie auf dem von der US-Army aufgenommenen Luftbild aus dem Jahr 1946 oder 1947 zu sehen ist, auch stark beschädigt. Nach Kriegsende wurde er ebenso wieder aufgebaut.

Frankfurt: Entwicklung des Güterbahnhofs

Weil Mitte der 90er Jahre dann aber Zug um Zug immer noch mehr Güter mit Lastwagen auf der Straße transportiert wurden, war der Hauptgüterbahnhof 110 Jahre nach seiner Eröffnung überflüssig geworden. 1998 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb schließlich ganz ein, Waren werden seitdem nur noch im Ostbahnhof umgeschlagen. Ein Jahr später präsentierte das Büro Albert Speer und Partner einen städtebaulichen Rahmenplan für das Gelände, die Erschließungsarbeiten für das neue Stadtquartier begannen im Jahr 2005. Und die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, die Inbetriebnahme der U 5 in Frankfurt ist erst für 2025 geplant.

Gleisanlagen und Abfertigungsgebäude sind verschwunden. Heute stehen dort Wohnhäuser und die Europa-Allee durchzieht das ab 2005 neu entstandene Europaviertel.

Frankfurt-Gallus: Wassertum als letzte Erinnerung des Güterbahnhofs im neuen Stadtquartier

Im neuen Stadtquartier zwischen dem Rebstockgelände und der Kuhwaldsiedlung im Nordwesten entlang des Messegeländes bis zum Güterplatz im Südosten und der Hellerhofsiedlung im Süden sollen einmal rund 30 000 Menschen arbeiten und rund 10 000 Menschen wohnen. Ob die Corona-Pandemie und die Wohnungsknappheit in Frankfurt diese Parameter noch beeinflussen werden, bleibt abzuwarten.

Als letztes verbleibendes Zeugnis aus Güterbahnhofstagen ist der Wasserturm westlich der Emser Brücke übrig geblieben. Hier füllten die Lokführer einst die Wasservorräte ihrer "Dampfrösser" auf. Wie das unter Denkmalschutz stehende Gebäude künftig genutzt werden könnte, ist noch unklar. Der Vorschlag, darin Zaubershows zu zeigen, ist allein schon aus Brandschutzgründen und mangels Barrierefreiheit wohl eher unwahrscheinlich. In die Schlagzeilen war der Wasserturm in Frankfurt im Februar 2019 geraten, als ihn ein Künstler besetzt und Teile davon als öffentliches Atelier genutzt hatte. (Matthias Bittner)

Die Serie

Auch im Frankfurter Westhafen hat sich einiges geändert. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf: www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare