Mit einer Harke bearbeitet ein Mann 1946 ein Beet am Hühnermarkt. FOTO: Institut für Stadtgeschichte
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Mit einer Harke bearbeitet ein Mann 1946 ein Beet am Hühnermarkt.

Stadtteilgeschichte

Als in der Altstadt noch das Gemüse wuchs

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert: in dieser Zeitung, in der Stadt und in den Stadtteilen, von denen es einige damals noch gar nicht gab. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute ist die Altstadt dran.

1946 war die Not groß im zerstörten Nachkriegs-Frankfurt. Es fehlte den Menschen eigentlich an allem, knapp waren vor allem Lebensmittel. Und so wurde aus der Not eine Tugend gemacht und eben auch mitten in der zerbombten Altstadt am Hühnermarkt Gemüse und Salat angebaut. Auf dem Foto oben links bearbeitet ein älterer Herr mit einer Harke die Beete, im Hintergrund sind der Friedrich-Stoltze-Brunnen und die beschädigten Häuser der Altstadt zu sehen.

Beeindruckend. So beschreibt Michael F. Guntersdorf das 75 Jahre alte Zeitdokument. In seiner Funktion als Geschäftsführer der DomRömer GmbH verantwortete er die Rekonstruktion der Neuen Altstadt. Viele Ansichten der engen Gassen und schmucken Häuser hat er gesehen und verglichen. Das mit dem älteren Herren kannte er nicht. Warum auch, schließlich war darauf nur Zerstörung zu sehen.

Der dem Mundartdichter Friedrich Stoltze gewidmete Brunnen stand einst am Hühnermarkt nahe seinem Geburtshaus, von 1981 an dann auf dem Stoltze-Platz unweit der Sankt Katharinenkirche. 2017 kehrte er an seinen ursprünglichen Platz in der Neuen Frankfurter Altstadt zurück.

Offiziell eröffnet wurde die Neue Altstadt am 30. September 2018 nach sechs Jahren Bauzeit. Insgesamt 35 Neubauten, darunter 15 originalgetreue Rekonstruktionen historischer Altstadthäuser, entstanden auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände - Prunkstück ist die Goldene Waage. Neben 80 Wohnungen gibt es in dem Quartier auch 30 kleine Läden und Restaurants. Mehr als 200 Millionen Euro hat das ehrgeizige und zugleich umstrittene Projekt gekostet.

Ziel war es, die einst größte mittelalterliche Altstadt Deutschlands, in der Dichter, Denker und Komponisten wie Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer oder Georg Philipp Telemann lebten, wieder lebendig werden zu lassen und Touristen anzuziehen. Zumindest in Vor-Corona-Zeiten war das aufgegangen: Zwischen 2,5 und 3,2 Millionen Besucher waren 2019 schätzungsweise gekommen. Und die Neue Altstadt hat auch Preise gewonnen. Matthias Bittner

Die Serie

Morgen sehen Sie auf der Süden-Seite den Buchrainplatz.

Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

75 Jahre später steht Michael Gunthersdorf ebendort in der Neuen Altstadt, deren Rekonstruktion er als Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH begleitete.

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