Die Unterzeichnung des Friedensvertrags im "Hotel zum Schwan". Die deutsche Delegation mit (v. l.) Graf Harry von Arnim, Graf Guido Henckel von Donnersmarck, Fürst Otto von Bismarck und Graf Paul von Hatzfeld und die französische Delegation mit Außenminister Jules Favre, Finanzminister Augustin Pouyer-Quertier und Marc-Eugène de Goulard. Der Druck aus dem Jahr 1886 wurde nach einem Gemälde des Frankfurter Künstlers Otto Donner von Richter gefertigt. foto: Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung,
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Die Unterzeichnung des Friedensvertrags im "Hotel zum Schwan". Die deutsche Delegation mit (v. l.) Graf Harry von Arnim, Graf Guido Henckel von Donnersmarck, Fürst Otto von Bismarck und Graf Paul von Hatzfeld und die französische Delegation mit Außenminister Jules Favre, Finanzminister Augustin Pouyer-Quertier und Marc-Eugène de Goulard. Der Druck aus dem Jahr 1886 wurde nach einem Gemälde des Frankfurter Künstlers Otto Donner von Richter gefertigt.

Frankfurter Friede

Als in Frankfurt Frieden geschlossen wurde

  • vonJürgen Walburg
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Vor 150 Jahren - am 10. Mai 1871 - wurde in Frankfurt europäische Geschichte geschrieben: Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck und der französische Außenminister Jules Favre unterzeichneten als Bevollmächtigte im "Hotel zum Schwan" den Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Französischen Republik, mit dem der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 offiziell beendet wurde.

Frankfurt -Carl Victor Fellner, letzter Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt, sah keinen Ausweg aus dem Gewissenskonflikt zwischen seinen Pflichten als Repräsentant der Stadt einerseits und seinem Eid als preußischer Regierungsbevollmächtigter andererseits. Am 24. Juli 1866 - es war sein 59. Geburtstag - erhängte Fellner sich im Garten seines Hauses in der Seilerstraße.

Eine Woche zuvor war mit dem Einmarsch preußischer Truppen die jahrhundertelange Geschichte Frankfurts als souveräne und unabhängige Freie Stadt zu Ende gegangen. Entsprechend angespannt war das Verhältnis zwischen Frankfurt und Preußen. Viele Frankfurter Bürger warfen dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck vor, für die Annexion ebenso verantwortlich zu sein wie für diverse Sanktionen und Strafzahlungen. Noch Jahre später lehnte Frankfurt alles Preußische ab. Daher entschied sich Bismarck zu Beginn des Jahres 1871 als Reichskanzler des soeben gegründeten Deutschen Reiches für Frankfurt als Ort der Friedensverhandlungen. Mit der Einbindung der Stadt in eine wichtige politische Entscheidung für Europa sollte das Verhältnis zwischen Frankfurt und dem Reich verbessert werden. Das war allerdings ein schwieriges Vorhaben, hatte Bismarck die Stadt doch einmal als "liberales Nest" beschimpft.

Die Gespräche im prunkvollen Frankfurter "Hotel zum Schwan" im Steinweg 12 begannen am 6. Mai 1871, einem Samstag. Tags darauf lernten Oberbürgermeister Daniel Heinrich Mumm und seine Frau Clara den Reichskanzler kennen. Der erste Eindruck von Clara Mumm war wenig schmeichelhaft, wie in ihrem Tagebuch nachzulesen ist: "Der Fürst ist eine große, stattliche Erscheinung, etwas aufgedunsenes Gesicht, stechendes, durchdringendes Auge. Er macht nicht den Eindruck eines edlen Charakters." (siehe Extratext zu Clara Mumm).

Am 8. Mai besuchte Bismarck die Familie Mumm in deren Haus im Oeder Weg 56. Bei dieser Gelegenheit lud der Oberbürgermeister den Reichskanzler zum privaten Dinner ein und Bismarck sagte zu.

Am Mittwoch, 10. Mai 1871, um 14.15 Uhr, war's nach fünftägigen, zähen Verhandlungen ge-schafft: Der Vertrag war unterschrieben, der "Frankfurter Friede" geschlossen. Bismarck sagte danach: "Es ist mir ein schöner Gedanke, daß der erste große politische Akt des wiedererstandenen deutschen Reiches gerade in Frankfurt, der alten Kaiser- und Krönungsstadt, sich hat vollziehen können." Vor dem Hotel versammelten sich Bürger und jubelten Bismarck zu - sein Schachzug war aufgegangen. (siehe Extratext zum "Hotel zum Schwan")

Die französische Delegation reiste noch am Nachmittag ab. Bismarck wollte ursprünglich ebenfalls am selben Tag zurück nach Berlin fahren, um dem Kaiser sogleich Bericht zu erstatten. Wilhelm I. musste sich aber noch einen Tag gedulden, denn Bismarck hatte dem Oberbürgermeister versprochen, an eben diesem Abend im Hause Mumm zu Gast zum privaten Dinner zu sein. Der preußische König hatte Daniel Heinrich Mumm drei Jahre zuvor auf Vorschlag der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung zum ersten Oberbürgermeister Frankfurts ernannt.

Nach seiner Ankunft im Haus Oeder Weg 56 "eröffnete der Fürst die frohe Botschaft des Friedensschlusses" (Notiz im Tagebuch von Clara Mumm). Die Gastgeberin war wie ausgewechselt, keine Spur mehr von ihrem überaus kritischen Blick auf Bismarck wie beim ersten Treffen: "Der Fürst unterhielt sich sehr liebenswürdig mit mir." Besonders stolz war sie aber auf ihren Mann, denn er bewältigte "diese ernste Aufgabe mit seiner gewöhnlichen Ruhe und Klarheit". In ihrem Tagebuch hielt sie auch jenen Satz Bismarcks fest, den er während des Dinners zu Oberbürgermeister Mumm sagte und der berühmt geworden ist: "Ich hoffe, daß der Friede von Frankfurt zugleich ein Friede für Frankfurt und mit Frankfurt sein wird." In der Tat waren mittlerweile in der Stadt Jubel und Stolz über den grandiosen Sieg gegen den "Erbfeind" Frankreich stärker als die ohnmächtige Wut über die preußische Annexion von 1866.

Der "Frankfurter Friede" bestätigte und ergänzte den am 26. Februar 1871 geschlossenen Vorfrieden von Versailles. Der Vertrag bestand aus 18 Artikeln und drei Zusatzartikeln, seine Ratifikation fand am 16. und am 18. Mai statt. Am 20. Mai kamen Bismarck und Favre mit ihren Delegationen noch einmal nach Frankfurt, um die Dokumente auszutauschen.

Auslöser des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 war ein Streit zwischen Frankreich und Preußen wegen der von Bismarck vorgeschlagenen Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern um den vakanten spanischen Königsthron. Die Auseinandersetzung eskalierte, schließlich erklärte Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg. In der legendären Schlacht bei Sedan am 2. September 1870 erlitt die französische Armee die kriegsentscheidende Niederlage. Im Deutschen Reich wurde in Erinnerung an die Kapitulation der französischen Armee jedes Jahr der "Sedantag" gefeiert. In dem Krieg kamen etwa 140 000 französische und knapp 50 000 deutsche Soldaten ums Leben, mehr als 230 000 wurden verwundet.

Der "Friede von Frankfurt" hatte für Kriegsverlierer Frankreich schmerzhafte Folgen und belastete das Verhältnis der beiden Länder für lange Zeit schwer. Laut Vertrag gingen die überwiegend deutschsprachigen Teile von Elsass und Lothringen mit etwa zwei Millionen Einwohnern an das Deutsche Reich, Frankreich verpflichtete sich zudem zu Reparationszahlungen in Höhe von fünf Milliarden Goldfranken (1450 Tonnen Feingold).

Im Februar dieses Jahres hat der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Gedenken an den letzten Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt im Römer eine Büste von Carl Victor Fellner enthüllt. Dieser habe die Stadt "mit zu dem gemacht, was sie heute ist", sagte Feldmann. Fellners damals 15-jähriger Sohn Johann musste den Anblick des toten Vaters im Garten verkraften. In seinen Lebenserinnerungen klagte er an, sein Vater sei "in den Tod gehetzt" worden "durch preußische Hunde".

Jürgen Walburg

Der Goetheplatz mit dem Hotel "Zum Schwan" am Sedantag 1895. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der gleichnamigen Schlacht. foto gemeinfrei
Der Frankfurter Frieden und die goldene Feder, mit der er unterzeichnet wurde.

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