Für die erste Kerb nach dem Krieg wurde 1946 ein Kerbebaum vor dem kaputten Straßenbahn-Depot auf dem Buchrainplatz aufgestellt. FOTO: heimatmuseum/guido neumann
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Für die erste Kerb nach dem Krieg wurde 1946 ein Kerbebaum vor dem kaputten Straßenbahn-Depot auf dem Buchrainplatz aufgestellt.

Stadtteilgeschichte

Als in Oberrad wieder Kerb gefeiert wurde

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Oberrad.

Oberrad -Der Buchrainplatz hat eine bewegte Geschichte - und nicht erst in jüngster Zeit, seit 2015 der Platz umgebaut wurde und der Markt auf einer größeren Fläche als zuvor samstags zum Stelldichein einlädt. Das weiß jeder Oberräder. Genauso wie jeder im Gärtnerdorf weiß, dass der Stadtteil am Ende des Zweiten Weltkriegs schlimm verwüstet war, weil die Bomber der Briten die Gewächshäuser sahen und darin strategische Ziele erkannten - es hätten ja Fabriken sein können. Deshalb wurde Oberrad von so vielen Bomben getroffen, dass kaum noch ein Haus stand. Ganz genau belegt ist die Theorie aber nicht.

Für die erste Kerb nach dem Krieg wurde ein Kerbebaum vor dem Straßenbahn-Depot aufgestellt. In welchem Jahr das genau war, kann auch Guido Neumann, Vorsitzender des Heimatvereins, nicht genau sagen. Die Bilder von der Kerb sind die ersten aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die er im Archiv finden konnte. Vermutlich war es aber 1946.

Auf jeden Fall war es ein besonderes Fest, wofür sich die Oberräder auf dem Dalles versammelten. Es kam ein Ehrengast und sprach zu den Feiernden: Georg Treser, Oberräder Stadtverordneter, Magistratsmitglied und Dezernent der Stadtwerke von 1946 bis 1964. Was er den Oberrädern sagte, ist nicht überliefert. Doch vermutlich waren es mutmachende Worte für den Wiederaufbau des Stadtteils.

Wo damals das Straßenbahndepot stand, das im Hintergrund auf dem Foto zu sehen ist, befindet sich heute der Saalbau - übrig geblieben ist nur der Name. Davor wurde ein Wohnhaus gebaut, das heute das Restaurant "Grüne Soße und mehr" beherbergt.

"Früher war der Buchrainplatz mehr bebaut", weiß Heimatforscher Guido Neumann. Das Depot diente der Unterbringung der Trambahnen. Die fuhr damals nicht schräg über den Platz, sondern von der unteren Offenbacher Landstraße ein Stück geradeaus und machte dann eine schärfere Rechtskurve, um dann wieder nach links Richtung Offenbach abzudrehen. Die Trambahn fuhr zwischen Sachsenhausen und Offenbacher Marktplatz. Im Bild rechts ist ein zerstörtes Gebäude mit Giebel zu sehen. Das steht heute noch dort, wie das aktuelle Foto zeigt. Alles ist also nicht verlorengegangen am Oberräder Dalles. Stefanie Wehr

Die Serie

Morgen sehen Sie auf der Nordwesten-Seite den Niddablick in Ginnheim und auf der Osten-Seite die Wilhelmshöher Straße in Seckbach. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Wo damals das Tramdepot stand, das im Hintergrund auf dem Foto zu sehen ist, befindet sich heute der Saalbau - übrig geblieben ist nur der Name.

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