Wo heute die Info-Kästen der Harheimer Vereine stehen, stand spätestens seit dem 17. Jahrhundert das Rathaus. 1960 wurde das Haus abgerissen. FOTO: Aus der Festschrift des Festkomitees zur 1200 Jahrfeier
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Wo heute die Info-Kästen der Harheimer Vereine stehen, stand spätestens seit dem 17. Jahrhundert das Rathaus. 1960 wurde das Haus abgerissen.

Stadtteilgeschichte

Als Jauche vors Rathaus gekippt werden sollte

  • Friedrich Reinhardt
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Harheim.

Harheim -Das "ganz alte Rathaus" an der Ecke Alt-Harheim und Winkelgasse, dort wo heute die Schautafeln der Harheimer Vereine stehen, war 1949 bereits ein Überbleibsel aus einer vergessenen Zeit. Eine Zeit, als Harheim nur westlich des Eschbachs lag und etwa dort, wo heute die Straße Zur Untermühle verläuft, der Mühlgraben floss. Das "ganz alte Rathaus" ist nicht zu verwechseln mit dem Alten Rathaus am Alten Kirchplatz. Wann es gebaut wurde, wusste 1949 niemand mehr, das weiß man bis heute nicht.

1654 wird das ganz alte Rathaus das erste Mal erwähnt. Stadtteilhistorikerin Dagmar Wendler ist sich aber sicher, dass dieses ehemalige Rathaus deutlich älter ist. Vielleicht reicht seine Geschichte weiter als bis ins Jahr 1371 zurück. Aus diesem Jahr stammt eine Verkaufsurkunde, in der von einer "spilstad", also einer Spielstätte, die Rede ist. "Da, wo sich ein Teil des öffentlichen Lebens abspielt", erklärt Wendler den Begriff. In diesem Fall die Gemeindeverwaltung.

Der Standort des für heutige Verhältnisse sehr kleinen Fachwerkhauses wurde bewusst gewählt. Es lag am Rande Harheims und direkt am Mühlgraben. Hätte das Gebäude mit dem angebunden Backhaus gebrannt, hätten es die Bewohner schnell löschen können und danke der Randlage hätten die Flammen nicht so schnell auf Nachbargebäude übergreifen können. Das Rathaus lag außerdem an der Unterpforte, also dem unteren Ortseingang.

An der Randlage des Rathauses änderte sich lange nichts. Erst 1923 bauten die ersten Harheimer auf der anderen Seite des Eschbachs. In dieser Zeit wurde aus dem Bauerndorf Harheim nach und nach ein Dorf mit Angestellten und Arbeitern.

Bis 1960 stand das Gebäude des "ganz alten Rathauses". Es wurde abgerissen, um Platz zu machen für eine größere Brücke über den Eschbach. Rathaus war es damals längst nicht mehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb die noch eigenständige Gemeinde 1956 das alte Pfarrhaus. Dies wurde fortan als Rathaus genutzt.

Nach Frankfurt eingemeindet wurde Harheim 1972 - gegen den ausdrücklichen Willen der Harheimer. Als die Gemeindevertreter über die Fusion mit Frankfurt abstimmten, drohten einige Harheimer Bauern damit, vollbeladene Mist- und Jauchewagen vor dem Rathaus zu entleeren, was Vilbeler Polizisten verhinderten, wie Wendler berichtet. Es nutzte nichts. Die hessische Gemeindereform und der Beschluss des Landtags erzwangen die Fusion. Ab 1. August 1972 war die Eigenständigkeit Geschichte, so wie das ganz alte Rathaus. Friedrich Reinhardt

Die Serie

Am Montag sehen Sie auf der Nordwest-Seite Heddernheim. Alle bisher erschienenen Folgen gibt's im Internet: www.fnp.de/stadtteilgeschichte.

Wo heute die Info-Kästen der Harheimer Vereine stehen, stand spätestens seit dem 17. Jahrhundert das Rathaus. 1960 wurde das Haus abgerissen.

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