Früher warteten die Menschen am Fuße der Bockenheimer Warte auf die Straßenbahn, die hier hielt. Heute ist dort ein Platz, die Eisdiele im Anbau des einstigen Wehrturms lädt zum entspannten Sitzen ein. FOTO: Institut für Stadtgeschichte
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Früher warteten die Menschen am Fuße der Bockenheimer Warte auf die Straßenbahn, die hier hielt.

Frankfurt vor 75 Jahren

Als Schutz vor Raubrittern aus dem Taunus errichtet

  • Matthias Bittner
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Die Frankfurt-Serie zum JubiläumSeit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert: in dieser Zeitung, in der Stadt und in den Stadtteilen, von denen es einige damals noch gar nicht gab. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021?

Heute: die Bockenheimer Warte.

Der Name Bockenheimer Warte ist verwirrend: Denn streng genommen steht der 36 Meter hohe Wehrturm nicht auf Bockenheimer Gemarkung, ihr Standort zählt noch zum Westend - doch Bockenheim wirbt damit als sein Wahrzeichen. Derartige "Erbsenzählerei" wäre dem 586 Jahre alten Gebäude - es wurde 1435 nach zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt - egal. Dafür hat es im Laufe der Jahrhunderte zu viel erlebt. Und könnte sie erzählen, dann sicher nicht, in welchem Stadtteil sie steht.

Der spätgotische Turm war ursprünglich der westliche Befestigungspunkt der Frankfurter Landwehr, die mit ihren ehemals fünf Warten die Stadt auch vor den Raubrittern aus dem Taunus schützen sollten. An dieser Stelle empfingen die Frankfurter Geschäftsleute auch von der Messe kommende Kaufleute, um sie auf ihrem weiteren Weg zu schützen.

Schutzlos ausgeliefert war die Bockenheimer Warte allerdings den Bombenangriffen der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs und wurde - wie auf dem Foto oben links zu sehen - beschädigt. In neuem Glanz erstrahlte sie allerdings erst Jahre später und musste seitdem mehrmals saniert werden. Öffentlich zugänglich ist die Bockenheimer Warte nicht. Den letzten Vorstoß, das zu ändern, machten im Jahr 2002 die Freunde Bockenheims. Sie wollten das Turmzimmer als Ausstellungsraum nutzen und Postkarten und Ansichten von Bockenheim zeigen. Der Magistrat erteilte eine Absagen: Heizungen und Sanitäranlagen seien nicht vorhanden, mit 15 Quadratmetern sei das Turmzimmer für kulturelle Aktivitäten zu klein. Und Geld für den Umbau gebe es auch nicht. Besuchern blieb damit eine übel riechende Erfahrung erspart, denn im Turmzimmer endet ein Lüftungsschacht der Kanalisation. Den Raum, der über eine Wendeltreppe zu erreichen ist, hatten zuvor Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung genutzt. Sie hatten dort eine Camera obscura mit einem Abbild des Fernsehturms installiert.

Gemütlich sitzen lässt es sich in der Eisdiele, die in einem der beiden Anbauten betrieben wird. Das war früher unvorstellbar, weil dort noch Straßenbahn und Autos fuhren. Matthias Bittner

Die nächste Folge der Serie

Morgen sehen Sie auf der West-Seite Bilder der Kerb in Griesheim. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Heute ist dort ein Platz, die Eisdiele im Anbau des einstigen Wehrturms lädt zum entspannten Sitzen ein.

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