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Öko-Gutachten zu Radwegen überrascht: Wie reagiert Frankfurt?

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Wassergebundene Decke auf dem Weg an der Wörthspitze in Nied: Ökologisch ist sie nicht besser als eine Asphaltdecke, dennoch will die Stadt nicht überall asphaltieren.
Wassergebundene Decke auf dem Weg an der Wörthspitze in Nied: Ökologisch ist sie nicht besser als eine Asphaltdecke, dennoch will die Stadt nicht überall asphaltieren. © peter-juelich.com

Frankfurt favorisiert unbefestigte Radwege - zum Wohle der Böden. Obwohl ein Gutachten das gegenteilige Ergebnis liefert, bleibt die Stadt bei ihrem Kurs.

Frankfurt - Besonders außerhalb des Stadtkerns sollen in Frankfurt weiterhin auch unbefestigte Radwege gebaut werden. Das kündigt der Magistrat an - obwohl ein Gutachten mit einem Vorurteil aufräumt: Radwege mit ungebundener Decke sind ökologisch nicht besser als asphaltierte.

Auf diese Erkenntnis weist Uwe Schulz hin, der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Römer. Er wiederum greift auf Informationen des Fahrradclubs ADFC zurück. Demnach habe eine Untersuchung im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern zum Ergebnis geführt, dass die wassergebundene Decke von Wegen kein positives Beispiel für ökologisches Bauen sei. Bei ihr sei die Fähigkeit zum Versickernlassen von Oberflächenwasser sogar ungünstiger als bei Radwegen aus Pflaster, Asphalt oder Beton.

Asphaltdecken veränderten die Bodenverdichtung und damit den Wassergehalt des Bodens nicht negativ, die ungebundene Decke hingegen schon, da unter dieser der Boden durch die Nutzung mit der Zeit verdichtet werde. Welche Konsequenzen die Stadt Frankfurt aus dem Gutachten ziehe, fragt FDP-Politiker Schulz daher nach. Ergebnis: Trotz der Erkenntnisse mag die Verwaltung nicht allein auf Asphaltwege setzen. "Der Magistrat ist bestrebt, die Versiegelung durch Asphaltflächen im Außenbereich so gering wie möglich zu halten", heißt es in der Antwort.

Radwege-Planung in Frankfurt: Kritik an vorgebrachtem Öko-Gutachten

Die Regierung räumt ein, dass laut Gutachten "kein gravierender Unterschied bei langfristiger Betrachtung der Versickerung von Niederschlagswasser und damit auf den Wasserhaushalt gegeben" sei bei den Ausführungsarten der Wege. Diese Erkenntnisse wolle man "bei der Planung von Geh- und Radwegen berücksichtigen". Doch macht der Frankfurt Magistrat zwei große Einschränkungen.

Man würde "darüber hinaus" auch "die klimatischen Auswirkungen von Asphaltvarianten" berücksichtigen, schreibt die Regierung, ohne das allerdings zu erläutern. Und: "In jedem Fall relevant" sei auch die Prüfung, ob ein Radweg in bestimmten Gebieten, etwa Schutzgebieten, zulässig sei. "Aspekte wie Bodenökologie, Querungsmöglichkeiten für bodengebundene Tierarten, Auswirkungen auf Kleinstlebewesen für sensible Bereiche" seien ebenfalls relevant, und die Studie habe diese nicht berücksichtigt.

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Auf einen wichtigen Vorteil der Asphaltwege weist hingegen Uwe Schulz hin: "Gebundene Decken sind wesentlich leistungsfähiger und attraktiver für Radfahrer als wassergebundene Deckschichten", bei denen oft schon nach kurzer Zeit Schäden an der Oberfläche entstehen. "Dies ist auch die Auffassung des ADFC", betont der FDP-Politiker.

Dem stimmt auch der Frankfurter Magistrat durchaus zu: "Es ist bekannt, dass sich Fugen beziehungsweise Hohlräume von ungebundenen Decken mit der Zeit zusetzen", so dass auch bei ungebundener Bauweise langfristig ein vollständiger seitlicher Abfluss von Niederschlagswasser zu beobachten sei. Asphaltierte Wege böten dagegen mehr Komfort für Radfahrer, Fußgänger und Mobilitätseingeschränkte, gesteht die Regierung ebenfalls zu. Sie schränkt allerdings ein: Es sei stets "eine Prüfung des Einzelfalles" erforderlich. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Ein innerstädtischer Radweg erhitzt in Frankfurt bereits seit Wochen die Gemüter: Es geht um den Ausbau der Drahtesel-Magistrale – und einen Behindertenparkplatz, der darauf plötzlich erschienen ist.

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