Der Unterliederbacher Marktplatz mit der Gemeindewaage und den Hofreiten vor 75 Jahren. FOTO: Heimat- und Geschichtsverein /
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Der Unterliederbacher Marktplatz mit der Gemeindewaage und den Hofreiten vor 75 Jahren.

Stadtteilgeschichte

Als Unterliederbach noch ein Dorf war

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 aus und wie an selber Stelle 2021? Heute geht's nach Unterliederbach.

Unterliederbach -In Unterliederbach gibt es auch heute noch funktionierende landwirtschaftliche Betriebe und - neben Bergen-Enkheim - den einzigen Landfrauenverein in Frankfurt. Wie sehr das 1917 erst nach Höchst und dann 1928 nach Frankfurt eingemeindete Dörfchen von seiner bäuerlichen Struktur geprägt war, sieht man etwa an der Fuhrwerkswaage am Rande des Unterliederbacher Marktplatzes an der Liederbacher Straße. Die früher von der Gemeinde betriebene Waage ist zwar längst nicht mehr - wie anno 1946 - in Betrieb, war es aber bis in die 80er Jahre. Unterliederbach ist einer der am schnellsten wachsenden und gleichzeitig auch meist unterschätzten Stadtteile. Die Höchster Nachbarn haben ihre selbst per Autobahn-Schild beworbene Altstadt, Teil der Deutschen Fachwerkstraße, aber auch das alte Unterliederbach lohnt einen Bummel. Um die historische Dorfkirche, eine kleine barocke Saalkirche, die von einem Verein erhalten wird und für Hochzeiten gefragt ist, gruppieren sich an der Heugasse, der Weizengasse, der Wagengasse und der Liederbacher Straße schöne Hofreiten aus dem 18. Jahrhundert, ein ehemaliger Dompropsteihof, ein Marstall und die Graubner'sche Villa, ein barockes Herrenhaus mit Park.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erschien Unterliederbach auch bald wieder auf der Landkarte der Autofahrer: Wilhelm Engel, der schon in den 1920er Jahren seine erste Tankstelle gegründet und an der Elisabethenstraße, der heutigen A 66, zum weithin bekannten "Auto-Engel" ausgebaut hatte, bekam 1946 von den US-Streitkräften wieder die Lizenz zum Betrieb einer Tankstelle. Er kaufte Äcker von Unterliederbacher und Sulzbacher Bauern und schuf eine Raststätte mit Parkplätzen für Lastzüge, Werkstatt, Duschen und - eigenem Schlachthaus. Per Urkunde wurde der Anlage nach einigen Jahren schon der Titel "Größte Tankstelle im Bundesgebiet" verliehen. Als die Elisabethenstraße - die noch einer alten Römerstraße folgt - zur Autobahn ausgebaut werden sollte, war "Auto-Engel" im Weg. Es folgte ein langer Rechtsstreit mit der Stadt, und 1959 / 60 folgten Zwangsenteignung und Abriss.

Viele ältere Unterliederbacher erinnern sich noch an die Zeit, als sie die heutige A 66 noch gefahrlos zu Fuß überqueren konnten, um in die Felder zu gelangen. Heute rauscht der Verkehr ohne Unterlass zwischen Stadtteil und MTZ hindurch. hv

Die Serie

Morgen sehen Sie auf der Nordwesten-Seite Westhausen. Alle bisherigen Folgen finden Sie auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Der Unterliederbacher Marktplatz heute - es gibt mehr Grün, und altes Fachwerk liegt frei

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