So richtig viel los war in Alt-Sachsenhausen noch nicht, was womöglich auch am wechselhaften Wetter gelegen haben mag. foto: enrico sauda
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So richtig viel los war in Alt-Sachsenhausen noch nicht, was womöglich auch am wechselhaften Wetter gelegen haben mag.

Öffnungen in Alt-Sachsenhausen

Frankfurt erwacht aus Lockdown: „Fast wie früher, nur anders“

  • vonSabine Schramek
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Ein Streifzug durch Frankfurts Kneipenviertel zeigt: Zwar sind die Partygänger wieder da. Doch noch ist nicht alles wie vorher.

Frankfurt – Zum ersten Mal seit sieben Monaten Corona-Zwangspause ist Brezelbub Wölfi mit seinem Korb voller Brezeln, Käsestangen und Haddekuchen unterwegs. Er strahlt. Die Wartenden in der Schlange vor dem Corona-Testzentrum am Affentorplatz in Sachsenhausen freuen sich über das Gebäck. Die Außenplätze der Apfelweinlokale sind brechend voll.

"Es ist fast wie früher. Nur anders", sagt Wölfi, der seit 40 Jahren als Brezelbub unterwegs ist. Im Innenhof vom "Klaane Sachsehäuser" fließt der Äppler, jede Menge Grüne Soße legt die Grundlage. "Wenn's regnet, haben wir kein Problem", sagt Betreiber Martin Rosenberger. Neue Markisen, riesige Schirme und ein halbes Zelt schützen vor allem, was vom Himmel prasseln könnte. "Es läuft richtig gut. Noch nie haben wir so viel Grüne Soße verkauft wie jetzt. An einem einzigen Tag sind zehn Kilo Kräuter weggegangen."

Restaurants in Frankfurt verkauft so viel Grüne Soße wie nie

Ohne Test kommt keiner rein. "Auch nicht, wenn er ab Montag keine Pflicht mehr für die Außengastronomie ist", so Rosenberger. "Am letzten Montag wurde jemand positiv getestet. Mir sind Eigenschutz und Schutz einfach wichtig. Wem es nicht passt, der muss dann woanders hingehen." Schon am Donnerstag war die Polizei unterwegs und hat die Wirte daran erinnert, dass ab 23 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. "Für uns passt das", sagt Lorna O'Sullivan vom Dauth Schneider, während sie Mispelchen und Frankfurter Schnitzel serviert. "Wer vor der Zeit noch einen Bembel bestellt, kann den Abend gemütlich ausklingen lassen."

Die Kleine Rittergasse ist am Freitagabend noch längst nicht so wie früher, denn einige Lokale und Bars sind noch geschlossen. Vor anderen wird gut gelaunt getrunken und gelacht, Salsa-Rhythmen klingen durch die Gassen, bunte Lichter scheinen durch Scheiben. Die Stimmung ist entspannt und aufgelockert. Vor Shisha-Bars qualmt süßlicher Duft. Die Clubs in der Klappergasse sind noch zu. Doch die Enttäuschung von Partygängern ist nur kurz. Sie trösten sich mit Bier und Burgern vor dem O'Dwyers Pub oder mit kolumbianischen Gerichten im Sapo Rey.

Gemächlich geht die Polizei durch Frankfurts Kneipenviertel

In Dreiergruppen gehen Polizisten gemächlich durchs Vergnügungsviertel. "Sie kommen bestimmt, um uns zu sagen, dass ab 23 Uhr kein Alkohol ausgeschenkt werden darf", rufen ihnen Bar- und Restaurantbetreiber oder Kellner von weitem zu. Die Antwort ist lächelndes Nicken. "Wir wissen Bescheid", verkürzen die Mitarbeiter die Aufklärung. Gäste diskutieren über Sinn und Unsinn der Verordnungen. "Immerhin wird's ab Montag besser", beschwichtigt eine junge Frau mit Blick zum Himmel, der sich verdunkelt. "Dann können wir bei Regen auch rein und bis Mitternacht trinken. Lust auf Säfte oder Wasser hat wohl kaum jemand hier", meint sie kichernd und bestellt sich noch einen Mojito. "Im Prinzip können die Besucher bis 5 Uhr hierbleiben", erklärt einer der Beamten. "Dann ist normale Sperrstunde." Er geht nicht davon aus, dass die Wirte für Softdrinks so lange offen lassen. "Auf keinen Fall", bestätigt ein Kellner vor der Loco Bar. "Das lohnt sich nicht. Unsere Besucher wollen Shots und Tanzen."

Frankfurter Brezel-Wölfi: "Schön, wieder Menschen lachen zu sehen"

Um Punkt 23 Uhr fängt es an zu blitzen, zu donnern und zu schütten. Unter Markisen und Schirmen werden in Ruhe die letzten Gläser geleert. Vor dem Harmonie Pub wird im Regen getanzt, während sich die Partygassen leeren. In der Klappergasse wartet der Betreiber vom Tam Tam noch auf junge Leute mit Hunger. "Es läuft noch nicht so gut. Aber Hauptsache, wir bleiben gesund. Dann geht das richtige Leben auch in Alt-Sachsenhausen wieder los", sagt er und zuckt mit den Schultern. Brezel-Wölfi schwingt sich lächelnd auf sein Fahrrad. "Nach so langer Zwangspause war es heute richtig gut. Es ist schön, wieder Menschen lachen zu sehen." Für den Samstagabend winkt er schon am Freitag ab. "Da soll es noch mehr regnen. Das wird nichts." Er behält Recht. Am Samstag bleiben die meisten Läden wegen der Unwetter zu. Die Wirte bereiten sich auf diese Woche vor, wenn sie ihre Gäste auch drinnen bewirten können. (Sabine Schramek)

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