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Alte Brücke: Der Kaiser kehrt zurück

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Der Brickegickel und Karl der Große kehren bis zum Herbst auf die Alte Brücke zurück. Der Zeit- und Finanzierungsplan steht, die genauen Positionen werden derzeit nochmals überprüft.

In der Simulation wacht der mächtige Frankenkaiser bereits auf der Alten Brücke, umgeben von stattlichen Laubbäumen und mit der Commerzbank und dem Main-Tower im Rücken – als sei es nie anders gewesen. „Auch wenn die Skyline einen reizvollen Kontrast bildet, sollte die Figur Karls des Großen wie bei der Einweihung 1843 so stehen, dass er nach Westen Richtung Altstadt und Frankreich schaut“, findet der Direktor des Historischen Museums Jan Gerchow.

Die SPD im Römer und der Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) hatten den genauen Standort der Kaiser-Skulptur offen gelassen, da sie, wie schon vor 15 Jahren die CDU im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Sachsenhausen, Oberrad), in ihren jüngsten Anträgen zunächst erreichen wollten, dass die Karlsstatue überhaupt auf die Alte Brücke zurückkehren kann. Eben dort stellte die Stadt die lebensgroße, vom Bildhauer Karl Eduard Wendelstädt geschaffene Figur als Geschenk des Städelschen Kunstinstituts 1843 zum 1000-jährigen Gedenktag des Vertrags von Verdun auf: 843 wurde Karls Frankenreich in die Vorgängerstaaten des heutigen Deutschlands und Frankreichs geteilt, woraus sich auch die Blickrichtung zum damaligen „Erbfeind“ Deutschlands erklärte.

Der Sandsteinsockel und das Brückenkreuz für den Brickegickel sind bereits saniert, die Kosten von 12 000 Euro hat der 2006 gegründete Neue Brückenbauverein übernommen. Karl der Große hingegen wird als Kopie maschinell gescannt, aus rotem Sandstein ausgefräst und von einem Steinmetz nachbearbeitet. „Für diese Arbeitsschritte durch die Würzburger Firma Hofmann Naturstein entstehen Kosten in Höhe von 100 000 Euro, die durch Spenden aus der Bürgerschaft finanziert werden sollen“, erklärt der beauftragte Architekt Christoph Mäckler, zugleich Vorsitzender des Neuen Brückenbauvereins. Davon seien bereits 50 000 Euro durch Banken und private Spender abgedeckt, den Rest könne der Brückenbauverein auch aus eigenen Rücklagen vorlegen.

Für die Kopie erfasst zunächst ein 3D-Scanner die Originalstatue in Form mehrerer Datensätze, die ein Spezialist am Bildschirm zusammenfügt und nachbearbeitet. Mit Hilfe von Geologen wird für das Objekt ein passender Naturstein ausgesucht, in diesem Fall roter Mainsandstein aus dem Spessart. Aus diesem fräsen computergesteuerte Maschinen die Konturen des Standbildes heraus, bevor Steinmetze und Bildhauer die Details per Hand herausarbeiten.

Die Karls-Kopie wird – mit Krone, Schwert und Reichsapfel als typische Insignien des Heiligen Römischen Reiches – kaum mehr vom Original zu unterscheiden sein, jedoch durch einen erhöhten Sockel besser vor Vandalismus geschützt. „Die Position mit Blick nach Osten hat sich zunächst durch die Platzierung gegenüber vom Brickegickel ergeben, der auf seinen angestammten Standort seit den 70er Jahren an der innenstadtnahen Ostseite der Brücke zurückkehren soll“, erklärt Mäckler. Dort stand seit 1843 eigentlich die Karlsstatue, während der Brickegickel ursprünglich als Markierung der tiefsten Fahrrinne des Mains über der Mitte der Alten Brücke thronte – wobei das Kruzifix mit vergoldetem Hahn als christliches Symbol zugleich an die Wachsamkeit der Schiffer mahnen sollte.

„Grundsätzlich sind wir bei der Platzierung der beiden Wahrzeichen noch völlig offen“, sagt Mäckler. So könne er sich durchaus vorstellen, dass der Brickegickel wieder auf die Brückenmitte zurückkehren wird, was ohne größeren technischen Aufwand machbar sei. „Andererseits kann ich mir Karl aber auch gut an der innenstadtnahen Westseite der Brücke mit Blick Richtung Osten und somit zur neuen EZB-Bank vorstellen.“ Denn durch diese Neuinterpretation würde der oft als „Vater Europas“ bezeichnete Frankenkaiser tatsächlich für die EU-Osterweiterung mit der neuen Gemeinschaftswährung stehen.

„Karl sollte historisch passend Richtung Altstadt und Frankreich blicken, zumal Frankreich und Deutschland heute in der EU ein Tandem sind“, findet der SPD-Fraktionsvorsitzende des Ortsbeirats 1, Oliver Strank. „Diese Fragen werden wohl abschließend durch eine Kommission des Straßenbau- und Denkmalamtes sowie des Instituts für Stadtgeschichte entschieden“, erklärt der Sprecher des Verkehrsdezernats, Kim Bartelt.

Der Brückenbauverein will sich demnächst der Rekonstruktion der beiden mit Notdächern versehenen Rathaustürme widmen: „Der Lange Franz und der Kleine Cohn wurden in Erinnerung an die früheren Brückentürme der Alten Brücke gebaut, die somit im Gedächtnis der Frankfurter sehr präsent waren“, erklärt Mäckler.

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