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Katharina Schulenburg, Vorstandsmitglied im Verein ?Shout out Loud?, hält ältere Brot-Laibe und Daniel Anthes Vorstandsvorsitzender des Vereins, zwei Flaschen ?Knärzje?-Bier in der Hand.

Nachhaltigkeit

Was man aus altem Brot machen kann? Bier natürlich!

Der Frankfurter Verein „Shout out Loud“ setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung und für Nachhaltigkeit ein. Auf den moralischen Zeigefinger wollen die jungen Leute dabei verzichten. Stattdessen setzen sie auf Kreativität.

Inmitten des Markttreibens steht ein unscheinbarer Imbisswagen, ein Foodtruck. Das Besondere: Es handelt sich nicht um die gewohnte Bratwurstbude. „Die Resteküche – Beste Küche“ steht auf dem Wagen. An diesem Truck bekommen Gourmets leckere Gerichte, komplett aus „geretteten“ Lebensmitteln zubereitet – also solchen, die eigentlich schon weggeworfen werden sollten.

Hinter dem Truck steht der Frankfurter Verein „Shout out Loud“; der Wagen ist nur eines von vielen Projekte. Seit 2013 setzen sich die „Shoutler“, zumeist junge Erwachsene, gegen Lebensmittelverschwendung und für Nachhaltigkeit ein. „Am Anfang haben die Gründer gedacht, wir bauen jetzt Brunnen in Afrika und machen die Welt so zu einem besseren Ort“, sagt Vorstandsvorsitzender Daniel Anthes, genannt Dan. „Dann haben sie aber schnell gemerkt, dass es auch vor ihrer eigenen Haustür ein großes Problem gibt: die Verschwendungskultur.“

Dan ist dem Verein im Jahr 2014 beigetreten. Damals habe sich herauskristallisiert, dass das der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung das Kerngeschäft der „Shoutler“ wird. „Inzwischen machen wir dazu ganz unterschiedliche Projekte – wir versuchen, nicht stehenzubleiben, sondern uns immer wieder neu zu erfinden“. Am Anfang waren das „Waste-Watcher-Partys“, das gemeinsame Kochen mit „geretteten“ Lebensmitteln. Während der Flüchtlingsbewegungen 2015 kam das Projekt „Integration durch den Magen“ dazu. Hier kochen die „Shoutler“ mit Geflüchteten. „Der Rest ist so ein bisschen Pop-up“, sagt Dan – soll heißen, punktuell. Die Ehrenamtlichen fahren mit ihrem Resteküchen-Foodtruck auf Events, die sie teilweise selbst veranstalten. Finanziert haben sie das Gefährt per Crowdfunding (Schwarmfinanzierung).

Die Lebensmittel bekommen sie von einem Bio-Großhändler aus der Region. „Denen tut es auch im Herzen weh, wenn sie so viel wegschmeißen müssen. Sie sind froh, wenn es wegkommt und noch benutzt wird“, sagt Katharina Schulenburg – Spitzname Kath. Kath ist die Kassenwartin des Vereins und leitet unter dem Namen „Kein Essen für die Tonne“ die Programme zur Lebensmittelrettung.

Der Vorteil sei, dass die Schwelle zur Teilnahme sehr niedrig sei, sagt Dan. So kommen viele Interessierte zum Beispiel immer wieder zu dem monatlich angesetzten Stammtisch. Die Beweggründe sind ähnlich: Die Suche vieler Menschen nach Nachhaltigkeit, nach sinnvollem Umgang mit Ressourcen. „Ich denke, das ist auch ein Generationen-Ding“, erklärt Dan. „Bei unseren Großmüttern war die

Wertschätzung

für Lebensmittel noch gang und gäbe. Unsere Generation versucht, dieses Authentische, Natürliche wiederzufinden.“

Dabei verzichten die „Shoutler“ auf den mahnenden Zeigefinger. „Natürlich gehört es dazu, klarzustellen, was alles falsch läuft – aber viel spannender ist doch, zu sehen, was dagegen passiert“, sagt Kath. Man wolle über das spielerische Element, über den Spaß und vor allem über Genuss auf das Thema aufmerksam machen. Dabei kämpfen sie auch gegen ein Stigma an. „Die Leute assoziieren Nachhaltigkeit immer mit Verzicht. Sie denken, damit lebt man bestenfalls wie im Mittelalter“, sagt Dan. Der Verein will hingegen zeigen, dass auch mit vermeintlichen Lebensmitteln zweiter Klasse Genuss durchaus möglich ist – wenn man ein wenig kreativ wird. Gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen, ist das Kernziel von „Shout out Loud“. Ein vielversprechendes Projekt dafür ist gerade angelaufen.

Zusammen mit zwei Brauereien aus der Region machen die „Shoutler“ Bier aus altem Brot. „Knärzje“ nennt sich das Getränk, das hessische Wort für das Endstück eines Brotlaibs. „Wir hatten gerade erst den ersten größeren Brau-Durchlauf, der ist jetzt noch im Verkauf“, sagt Dan. Bisher gibt es „Knärzje“ nur in der Frankfurter Brauerei „Braustil“ und in einem Supermarkt in Oberursel zu kaufen. „Ziel ist natürlich, dass das keine Eintagsfliege bleibt. Früher oder später wollen wir auch in die Läden gehen, aber dafür brauchst du Masse“.

Tafeln, die Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum an Bedürftige verteilen, sehen in Vereinen wie „Shoud out Loud“ keine Konkurrenz. Man freue sich über jeden, der Lebensmittel vor dem Wegwerfen rette – sofern er Hygienevorschriften einhalte und keine kommerziellen Interessen verfolge, sagt Willi Schmid, Vorsitzender der Tafel Hessen. Und auch die Frankfurter Tafel hat keine Probleme mit „Shoud out Loud“. Man stimme sich ab, wer welche Lebensmittelhändler anfahre.

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