Gehörten seit über 120 Jahren zusammen. Die Michaeliskirche und das Pfarrhaus, mit dem viele Berkersheimer wichtige Erinnerungen verbinden. Jetzt wird es abgerissen.
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Gehörten seit über 120 Jahren zusammen. Die Michaeliskirche und das Pfarrhaus, mit dem viele Berkersheimer wichtige Erinnerungen verbinden. Jetzt wird es abgerissen.

Berkersheim: Abriss

Altes Pfarrhaus weicht neuer Kita

  • VonFriedrich Reinhardt
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Abriss beginnt Ende des Monats - Erhalt und Umbau viel zu teuer

Am 26. Juli soll die 121-jährige Geschichte des Pfarrhauses neben der Michaeliskirche enden. Ein Bagger und Bauzäune zeugen davon, dass die Vorbereitungen schon begonnen haben. Strom-, Gas-, und Wasserleitungen wurden gekappt. Eine andere Möglichkeit als den Abriss habe der Regionalverband der Evangelischen Kirche nicht gesehen.

Kein Raum für alle Kinder

Das Problem liegt in erster Linie im Gebäude der Michaeliskindertagesstätte. Die Bausubstanz sei schlecht, erklärt die Evangelische Kirche. So schlecht, dass eine Sanierung und ein Umbau nicht in Frage gekommen seien. Auch die Raumaufteilung in der Kita sei nicht mehr das, was moderne Pädagogik braucht, sagt Pfarrerin Antonia von Vieregge und gibt ein Beispiel: "Es ist so verkastelt gebaut. Es gibt keinen Raum, in dem sich die Kinder aller Gruppen zusammen treffen können." Die Kita braucht also ein neues Gebäude und dafür soll das alte Pfarrhaus weichen.

Leicht habe man es sich mit der Entscheidung nicht gemacht, sagt von Vieregge. "Es schmerzt uns auch." Das Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz und sei unter dem Aspekt des Denkmalschutzes nicht schützenswert, wie die Kirche mitteilt. Wertvoll sei es trotzdem, sagt die Pfarrerin. "Der Blick von der Nidda auf die Michaeliskirche mit dem Pfarrhaus, das hat für viele Berkersheimer etwas mit Heimat zu tun." Ältere Berkersheimer haben in dem alten Pfarrhaus ihre Konfirmationszeit verbracht. Vieregge: "Die Gefühle, die Berkersheimer mit ehemaligen Pfarrern verbanden, sind eng mit dem Haus verknüpft."

Einige Briefe, die die Gemeinde erhalten hat, als sie ihr Vorhaben bekannt gab, hat sie im Gemeindebrief veröffentlicht (nachzulesen im Internet unter michaelisgemeinde-frankfurt.ekhn.de).

Man spürt beim Lesen der mit schweren Herzen geschriebenen Zeilen, wie viele Erinnerungen das alte Haus gespeichert hat, wie eine Fotografie. In einem Brief berichtet eine ehemalige Berkersheimerin vom Tod ihres zwölfjährigen Sohnes und wie Pfarrer Karl-Heinz Hahn ihr nach diesem Schlag zur Seite stand. "Pfarrer Hahn war ein großartiger Hirte", schreibt sie.

Solche Verbundenheiten machen das Haus wertvoll, meint von Vieregge. "Es ist krass, so eine Entscheidung zu treffen." Die Kita in das alte Pfarrhaus zu installieren, habe der Regionalverband zwar geprüft, sagt die Pfarrerin. Aber das Ergebnis sei ein anderes gewesen.

Keine bessere Lösung gefunden

Architekten hätten sich gemeldet, die nach einer Lösung suchten, um das alte Haus zu erhalten. Auch sie hätten keine Lösung gefunden, oder nur solche, die mit unrealistischen Kosten verbunden gewesen wären, sagt die Pfarrerin. Das Einzige, das die Berkersheimer mit der Entscheidung zum Abriss versöhnen könne, sei, das die Kinder besser betreut werden könnten, sagt von Vieregge. Das Ringen um diese Abwägung dokumentiert ein anderer Brief an die Gemeinde. Die Schreiberin schwankt zwischen Erinnerungen etwa an Feste oder die Kindergartenzeit ihres Sohnes und sucht zugleich Aspekte, die den Abriss rechtfertigen: "Sind doch beide Gebäude sehr in die Jahre gekommen" oder "aber die Berkersheimer Familien hingegen brauchen eine Kindertagesstätte, die auch Räume für Krippenkinder bietet".

Im Januar 2023 soll die neue Kita fertig sein, so der aktuelle Plan des Regionalverbands. Dann wird es auch eine Gruppe für Kinder unter drei Jahren geben und Abriss und Neubau des jetzigen KitaGebäudes werde beginnen.

Wann es was zu gucken gibt

Für die Kinder seien die vorbereitenden Arbeiten an den Leitungen schon jetzt ein großes Spektakel, erzählt Pfarrerin von Vieregge. Die Bauarbeiter hätten sich extra mit der Kita abgesprochen. Wann welche Arbeiten besonders spannend seien und von wo aus die Kinder sicher zuschauen könnten. Friedrich Reinhardt

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