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Am Buchrainplatz stand der Schlagbaum

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Von: Stefanie Wehr

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Ralf Dedecke bereitet die neue Sonderausstellung über Oberrads Straßennamen vor, die am Sonntag eröffnet wird.
Ralf Dedecke bereitet die neue Sonderausstellung über Oberrads Straßennamen vor, die am Sonntag eröffnet wird. © Michael Faust

Neue Ausstellung im Oberräder Heimatmuseum erzählt die Historie der Straßennamen im Gärtnerdorf

Ralf Dedecke ist stolz: Die Recherchen des Hobby-Historikers im Institut für Stadtgeschichte haben einiges zutage gefördert. Zum Beispiel diverse Stadtpläne aus vergangenen Jahrhunderten, als es im Gärtnerdorf nur ein paar unbefestigte Straßen und mehrere Landsitze reicher Städter gab, zum Beispiel die Villa Bonn.

Die heutige Offenbacher Landstraße war schon immer die Hauptachse und hieß entsprechend früher Ortsstraße, Frankfurter Landstraße oder im Volksmund: „Chaussee“. Ganz früher war sie nur ein Fußpfad, erst zwischen 1781 und 1790 wurde sie ausgebaut und über den Buchrainplatz nach Offenbach geführt - was ihr schließlich ihren heutigen Namen einbrachte.

Die erste Sonderausstellung seit Corona im Heimatmuseum handelt von den „Oberräder Straßennamen und deren geschichtlicher Bedeutung“. Denn hinter den Namen verbirgt sich jede Menge aufschlussreiche Geschichte. Quer durch die Jahrhunderte führen die Ansichten und Texte, die auf Stellwänden ab kommendem Sonntag zu sehen sein werden. Die Idee dazu hatte Günter Jung, der lange Vorsitzender des Bürgervereins war. Ralf Dedecke, Beisitzer im Heimat- und Geschichtsverein, machte den Großteil der Recherchen.

Dabei geht es weit zurück in der Geschichte, so dass auch die Bedeutung der Wege und Straßen verständlich wird. „Alle Wege führten schon einst zum Buchrainplatz, weil dort der Schlagbaum stand, an dem Fuhrwerke ihren Zoll abzuliefern hatten“, erklärt Dedecke. Dann rollten sie weiter hinauf über den Viehweg, die heutige Buchrainstraße, und die Wiener Straße (damals: Alte Straße) nach Offenbach. Denn das war die frühere Route für Fuhrwerke, als die heutige östliche Offenbacher Landstraße noch nicht ausgebaut war.

Gleiche Perspektive, früher und heute

Von Süden kommend ging es aber nicht über die Wehrstraße Richtung Ortskern - die wurde erst viel später gebaut -, sondern über die Wasserhofstraße.

Von jeder Straße ist in der Ausstellung ein „früher-“ und ein „heute“-Foto aus derselben Perspektive zu sehen. So kann der Betrachter nachvollziehen, wie sehr sich die Straßenzüge verändert haben. Etwa die Gräfendeichstraße, eine der ältesten Straßen im Stadtteil, die mit der Zeit immer länger wurde. Oder die Mathildenstraße, die früher Kirchenpfad hieß, bevor sie nach der Stifterin Mathilde von Rothschild benannt wurde.

Für Oberrad wichtiger war aber eine andere Namensgeberin eines unscheinbaren Sträßchens, die Bankiersfamilie Bethmann-Hollweg. Susanna Bethmann-Hollweg eröffnete 1828 die erste Kleinkinderschule Frankfurts in Oberrad. Denn bei ihren Aufenthalten auf dem Landsitz der Familie bemerkte sie, dass die Kinder der Gärtner auf sich allein gestellt den Tag verbrachten, während die Eltern auf den Feldern arbeiteten. Die wohlhabende Frau fühlte sich verantwortlich, der Verwahrlosung der Kleinen entgegenzuwirken. Im Haus der Diener zwischen Hirschhornstraße und Speckgasse wurden Räume freigemacht für die Schule. Später zog sie an den Hansenweg und blieb bis 1942 in Betrieb. Die Familie Bethmann-Hollweg besaß auch das Bassomperrsche Landgut auf dem heutigen Gelände der Hochschule St. Georgen. Darauf entstand später die Villa Grunelius, erbaut von Bankier Peter Carl Grunelius, nach dem auch Straße und Grundschule benannt sind.

Spannend für viele Oberräder dürfte auch der „Geometrische Grundriss“ von 1822-25 sein, auf dem die Namen von Gemarkungsabschnitten zu lesen sind. „Im Kastanienwäldchen etwa, oder „im Mitternachtsacker“. Sämtliche Bezeichnungen hat Dedecke in mühevoller Kleinarbeit transkribiert und lesbar gemacht. Wer möchte nicht wissen, wie sich früher Grund und Boden nannten, auf dem das Haus steht, in dem man heute wohnt?

Die Ausstellung im Heimatmuseum, Wiener Straße 120-122, eröffnet am Sonntag, 16. Oktober, um 14 Uhr. Sie ist bis 27. November jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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