Nur wenige Meter hat sich dieser zweijährige Bub vom Spielplatz links entfernt - und hätte fast das vorbeifahrende Auto nicht gesehen, das in Richtung der Parkplätze am Maintor unterwegs ist.
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Nur wenige Meter hat sich dieser zweijährige Bub vom Spielplatz links entfernt - und hätte fast das vorbeifahrende Auto nicht gesehen, das in Richtung der Parkplätze am Maintor unterwegs ist.

Rücksichtlose Raser

Am Spielplatz lauert große Gefahr für die Kleinen

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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"Muss hier denn erst etwas Schreckliches passieren?" Politiker und Bürger fordern temporeduzierende Maßnahmen am Mainufer.

Frankfurt. Eigentlich könnte es das perfekte Kinderparadies sein: Auf dem Spielplatz am Höchster Mainufer direkt auf Höhe des Fähranlegers tollen, per Sonnenschutz abgeschirmt, schon die Kleinsten im Sandkasten oder gucken von der Netzschaukel aus den Schiffen auf dem Fluss zu. Die etwas älteren Kinder erklimmen als Ritter die Zinnen der hölzernen Burg oder haben Spaß auf der Wippe. Doch gleich hinter dem Idyll lauert eine Gefahr: Über das Kopfsteinpflaster der Straße, die zwischen Spielplatz und Mainufer liegt, fahren manche Auto- und auch Lkw-Fahrer viel zu schnell. Auf der Straße ist nicht wenig los, führt sie doch zum Parkplatz am Maintor, wohin gerade Ortsfremde per Parkleitbeschilderung gewiesen werden.

Der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) hatte schon im September 2018 den Magistrat auf die für Kinder potenziell lebensgefährliche Situation hingewiesen und in einem Antrag um "temporeduzierende Maßnahmen am Mainufer" gebeten. "Die dort auf der Fahrbahn markierten Querbalken", so argumentierten die Stadtteilpolitiker damals, "bringen nicht den damit beabsichtigten Effekt."

Plädoyer für Bodenschwellen

Die Autos führen im gesamten Mainuferbereich zu schnell, besonders in Höhe des Spielplatzes komme es sehr häufig zu gefährlichen Kind-Auto-Begegnungen, haben die Stadtteilpolitiker argumentiert. Der Lösungsvorschlag des Ortsbeirats: "Ein deutliches Aufpflastern oder Bodenschwellen würden die Geschwindigkeit reduzieren und die Situation entschärfen." Genau das gleiche sei nur einige 100 Meter weiter im Westen, in Höhe des Brüningparks, geschehen. Dort habe die Maßnahme die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos "deutlich reduziert".

Immerhin: Der Magistrat ließ auf den Antrag hin einen Ortstermin anberaumen, mit Ortsbeiratsmitgliedern und Experten des Straßenverkehrsamts. Der Termin fand auch statt - doch getan hat sich bis heute nichts an dieser kritischen Stelle.

Dabei, so erinnert sich das ehemalige parteilose Ortsbeiratsmitglied Uwe Eisenmann als treibende Kraft hinter der Besichtigung, sei damals einvernehmlich besprochen worden, auch die Fuß- und Radwege in diesem Bereich durch Poller gegen Falschparker zu sichern und die Straßendecke dort zu erhöhen, wo lediglich Querbalken markiert sind. Eisenmann: "Die Autofahrer sind halt nicht blöd und erkennen spätestens beim zweiten Mal, dass dort eben kein Hubbel ist". Doch der gehöre genau dort hin, "weil spielende Kinder einfach auf die Straße rennen", sagt Eisenmann.

Grund für den frisch ins Stadtteilparlament gewählten Michael Schneider (CDU), den Faden wieder aufzunehmen. Er will den Magistrat an das Problem erinnern und "fragen, was dort im Einklang mit den Vorschriften machen kann, um die Situation am Spielplatz zu entschärfen", wie er gegenüber dieser Zeitung erklärte. Konkret schweben ihm Schilder vor - oder sogenannte "Dialog-Displays", die auf zu hohes Tempo mit rotem, traurigem, und auf ordnungsgemäße Geschwindigkeit mit grünem, lächelndem Gesicht reagieren.

Der geplante neuerliche Vorstoß findet die Zustimmung des Höchster Fährmanns Sven Junghans. Von seinem Arbeitsplatz aus beobachtet er seit langem mit großer Sorge die gefährliche Passage - er war es auch, der den Ortsbeirat parallel zu besorgten Eltern auf den Missstand aufmerksam gemacht hatte: "Ich möchte nicht den Tag erleben, an dem hier ein Kind überfahren wird, das einem Ball nachrennt", macht Junghans klar.

Zum Teil mit "70, 80, 100 Sachen"

Er habe wiederholt Autos "mit 70, 80, ja 100 Sachen hier durchbrettern gesehen" - es sei höchste Zeit für Konsequenzen, sagt Junghans. Dem schließt sich auch Catharina Jucho an. Die Mutter eines zweijährigen Sohnes wohnt seit zweieinhalb Jahren in Höchst und kommt immer wieder mit ihrem Nachwuchs vorbei: "Mein Sohn liebt es, hier zu spielen und der Fähre beim An- und Ablegen zuzuschauen", sagt sie. "Klein, aber fein", nennt sie den Spielplatz und lobt den Sonnenschutz. Sie sei sich aber auch der Gefahr der Straße bewusst. "Wenn die Kleinen plötzlich losrennen, ist es schwer, sie sofort einzufangen", gibt sie zu bedenken. Dann könne man nur noch hoffen, dass die Autofahrer aufmerksam genug sind. Ein Zebrastreifen ist in ihren Augen die einfachste Lösung, um die Situation zu verbessern. Die Mutter meint: "Aber auch Schilder könnten schon helfen. " Michael Forst

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