Längst hätten hier die Bagger rollen sollen, doch das Mainova-Heizkraftwerk (im Hintergrund) hat die Bauarbeiten ausgebremst.
+
Längst hätten hier die Bagger rollen sollen, doch das Mainova-Heizkraftwerk (im Hintergrund) hat die Bauarbeiten ausgebremst.

Seveso-Richtlinie greift rund um das Heizkraftwerk

Ammoniak-Tanks neben Schule: Bauprojekt gestoppt

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
    schließen
  • Inga Janovic
    schließen

Die Wohnbebauung am Sommerhoffpark ist gestoppt, weil sich Investoren und die Mainova nicht einigen können, wer die Nachrüstung der Ammoniak-Tanks zahlen muss. Darunter leiden auch drei Schulen.

Es ist erst wenige Tage her, da wurde im Industriepark Höchst Giftgas-Alarm ausgelöst, weil Ammoniak aus Rohrleitungen ausgetreten war. Riesige Ammoniak-Tanks stehen ebenfalls auf dem Gelände des Mainova-Kraftwerks im Gutleutviertel. Und weil diese nur wenige hundert Meter von einer Industriebrache entfernt stehen, sind dort die Bauarbeiten für zwei Wohntürme und ein Studentenwohnheim ins Stocken geraten. Zudem müssen die Kinder der Schule am Sommerhoffpark enger zusammenrücken. Auch ihr Neubau kann nicht realisiert werden. Derzeit sind die Genehmigungsverfahren der Bauanträge auf Eis gelegt. Schuld daran ist die Seveso-Richtlinie, die den Bauabstand zu Industriestätten mit potenziell gefährlichen Chemikalien regelt. In unmittelbarer Nähe zu diesen Gefahrenquellen darf nicht neu gebaut werden.

„Wir brauchen Ammoniak für die Reinigung der Abgase“, sagt Thomas Breuer, Sprecher der Mainova. Deshalb benötigt der Frankfurter Energieversorger die Tanks, würde sie allerdings nachrüsten. Denn dann wäre auch der Bau der Wohnungen und des Schulgebäudes möglich. Doch genau das ist der Knackpunkt auf der Baustelle im Gutleutviertel. „Wir wären bereit, eine Einhausung zu errichten. Aber selbstverständlich können wir als kommunales Unternehmen kein Geld ausgeben, weil ein privater Dritter bauen möchte“, sagt Thomas Breuer. Nach Ansicht der Mainova müsste der Investor die Kosten voll tragen. Dem Vernehmen nach ist von einem Millionen-Betrag die Rede.

Dieser Punkt schien auch im Frühjahr 2015, als die Pläne für die Wohnbebauung zwischen der an den Westhafen angrenzenden Eisenbahnbrücke und dem Sommerhoffpark vorgestellt wurden, klar. 90 Millionen Euro wollten die OFB Projektentwicklung und Partnerunternehmen wie die Aberdeen Asset Management AG investieren. Dafür sollten zwei Wohntürme – 66 und 38 Meter hoch – mit insgesamt 125 Bleiben, ein Studentenwohnheim mit 290 Appartements sowie eine Kindertagesstätte schon wenige Monate später realisiert werden. Darauf verlassen hatte sich auch der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV), der Träger der Schule am Sommerhoffpark – eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören im Gutleutviertel – in der unmittelbaren Nachbarschaft ist und seine eigenen Baupläne vorangetrieben hat. Ein neues Schulgebäude inklusive Mensa soll dort entstehen. Eigens dafür wurde schon ein altes Gebäude abgerissen. Doch nun ruhen auch hier die Arbeiten.

„Wir wollen endlich Klarheit haben“, sagt Loris Krien. Der Vater ist Mitglied des Elternbeirats, sein Sohn besucht die sechste Klasse der Schule am Sommerhoffpark. Die Kinder und Lehrer mussten enger zusammenrücken, werden teilweise in Containern ohne fließendes Wasser und Toiletten unterrichtet. Zudem gleiche der Pausenhof einer Baustelle, die Kinder hätten keinen Platz. „Die Situation ist für unsere Kinder nicht mehr hinnehmbar. Sie leiden darunter“, sagt Krien.

Von der ins Stocken geratenen Baustelle im Gutleutviertel sind insgesamt etwa 400 Kinder betroffen. Denn nicht nur die Schüler der Schule am Sommerhoffpark warten auf den Neubau, sondern auch die Kinder der Hermann-Herzog-Schule mit dem Förderschwerpunkt Sehen sowie die Viktor-Frankl-Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (beide Dornbusch). Während erstere in den Neubau im Gutleutviertel ziehen soll, wurde der Viktor-Frankl-Schule das frei werdende Gebäude versprochen.

„Wir sind sehr daran interessiert, unsere Baupläne durchziehen zu können“, sagt Elke Bockhorst, Sprecherin des Landeswohlfahrtsverband. Immerhin suche man seit fast 15 Jahren nach einem geeigneten Grundstück für die Hermann-Herzog-Schule, bis man auf die Idee kam, einen Neubau im Gutleutviertel zu realisieren. „Sowohl die von uns in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie als auch eine Bauvoranfrage sind positiv bewertet worden“, sagt Brockhorst. Um so unverständlicher sei dem Verband die nun auftretenden Probleme. Aber sie sagt: „Uns wurde ein Gespräch mit Planungsdezernent Mike Josef in Aussicht gestellt. Darauf zählen wir jetzt.“

Im Gespräch sind dem Vernehmen nach auch die Mainova sowie die Investoren des Wohnprojekts. Die Verträge zur Kostenübernahme der Tank-Nachrüstung könnten schon in den kommenden Wochen unterzeichnet werden. Mittlerweile ist die OFB als Generalunternehmerin allerdings aus dem Projekt ausgestiegen, die „Sommerhoff Park I GmbH und Co. KG“ wurde gegründet. Wer sich dahinter verbirgt, ist unklar. Von der Asset Management AG ist lediglich zu erfahren, dass „die am Projekt beteiligten Partner Stillschweigen vereinbart haben“. Weitere Informationen werden daher nicht erteilt.

(jlo,ing)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare