Signalanlage am Heiligenstockweg

Ampel bremst die Pendler aus

  • Andreas Haupt
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Seit Monaten diskutiert Berkersheim, ob der Heiligenstockweg ganz oder zeitweise gesperrt werden soll. Nun hat die Stadt ein Verkehrsexperiment gestartet: Eine Ampelanlage gibt den Verkehr immer nur in einer Richtung frei. Vor allem in der morgendlichen Hauptverkehrszeit sollen so die von Bad Vilbel hier entlang fahrenden Pendler ausgebremst werden.

Seit fast einem Jahr wird in Berkersheim mal wieder über den Schleichverkehr diskutiert. Im morgendlichen Berufsverkehr kommen die Pendler von Bad Vilbel aus über den Heiligenstockweg nach Berkersheim und fahren über Am Kalten Berg und Am Dachsberg zur Homburger Landstraße in Preungesheim und von dort weiter. Nachmittags fließt der Verkehr in umgekehrter Richtung (wir berichteten). Bei einer Sondersitzung des Ortsbeirats zu Verkehrsthemen Anfang Mai hatte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) einen Verkehrsversuch zugesagt: Drei Monate soll ein Baustellenampel die Autos auf dem Heiligenstockweg ausbremsen. Diese Ampel ist nun in Betrieb.

Aufgestellt wurden die beiden Baustellenampeln – eine für jede Fahrtrichtung – ganz im Osten des Heiligenstockwegs vor und hinter einer scharfen Kurve. Die offizielle Bezeichnung, erklärte Joachim Bielefeld vom Straßenverkehrsamt in der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats 10, ist „Engstellen-Signalisierung“. Denn sie regelt an einer – hier künstlich geschaffenen – Engstelle, dass der Verkehr stets nur in einer Richtung fließt.

Laut Bielefeld gibt es zwei Programme, wie die Ampel auf Rot und Grün schaltet. Das Programm 1 läuft dabei von 5.30 bis 10 Uhr. Eine Ampelphase dauert dann 104 Sekunden, also knapp zwei Minuten. In dieser Zeit schaltet die Ampel für die von Bad Vilbel nach Berkersheim Fahrenden nur für zehn Sekunden auf Grün, was laut Bielefeld reicht, damit fünf Autos durchfahren können. In der Gegenrichtung ist, etwa zeitversetzt, 34 Sekunden lang grün.

Den Rest des Tages über läuft Programm 2, bei dem die Grünphasen fast 40 Sekunden dauern.

Eine erste Auswirkung, so Bielefeld, gebe es bereits: Vor dem Gelände des früheren DENA-Senders, das heute einem Künstler gehört, bildeten sich morgens kleine Staus. Die Hoffnung der Verkehrsplaner ist: Wenn die Pendler zu lange vor der meist roten Ampel warten müssen, wählen sie hoffentlich einen anderen Weg.

Welche Wirkung die Ampelanlage hat, untersucht die Stadt laut Bielefeld mit einer Verkehrszählung in der Straße Am Kalten Berg. Diese startete bereits am Mittwoch, 24. Juni, und dauert noch bis Mittwoch, 8. Juli.

Positiv aufgenommen wird die Testphase von der Aktionsgemeinschaft Berkersheim-Frankfurter Berg, die in der Diskussion eine zeitweise Schließung des Heiligenstockwegs bevorzugt. „Der Test ist grundsätzlich gut gemacht. Auch steht die Ampel genau an der richtigen Stelle“, sagt der Mitbegründer der Initiative, Klaus Schulz. „Man merkt, dass die Stadt sich viele Gedanken gemacht hat.“ Nun bleibe abzuwarten, wie der Test verläuft. Einziger Kritikpunkt ist aus seiner Sicht, dass die Ampel nicht den ganzen Tag an sein müsse: Außerhalb der Hauptverkehrszeit könne man sie abschalten.

Auch der Mitbegünder der Bürgerinitiative (BI) Berkersheim gerecht, die für eine Vollsperrung des Heiligenstockwegs eintritt, Günther Häfner, begrüßt den Verkehrsversuch. „Wir sind allerdings skeptisch bezüglich des Ergebnisses.“ So sei eine Ampel bereits von Unbekannten umgedreht worden, so dass sie für die Autofahrer nicht zu sehen war. Er kritisiert, dass der Verkehrsversuch zum Teil in die Schulferien falle, was das Ergebnis verfälschen könne. Dennoch wolle auch seine BI die Ergebnisse des Versuchs abwarten.

Beide Gruppen wollen sich auf die Zählungen der Stadt alleine nicht verlassen, sondern selbst schauen, wie und wann wie viel Verkehr hier während der Testphase fließt. „Berkersheim gerecht“ plant außerdem eine Umfrage unter den Anwohnern der Straßen Am Kalten Berg und Am Dachsberg.

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