+
Susanne Pletz mit den Bänden, in denen die Jahrgänge des Amtsblatts der Stadt Frankfurt gesammelt sind.

Historisch

Das Amtsblatt aus dem Römer erscheint seit 200 Jahren - und spiegelt die Geschichte Frankfurts wider

Seine Geschichte ist wechselvoll – und kontinuierlich zugleich. Es hat in den 200 Jahren seines Bestehens unterschiedlichen Herren gedient und mehrfach seinen Namen gewechselt. Aber die Funktion des Amtsblattes blieb immer die gleiche: Verlautbarungen der Stadt und ihrer Regenten zu verkünden.

Angefangen hat alles im Jahr 1819. Der Senat der Freien Stadt Frankfurt beschloss, alles was er für wichtig hielt, in schriftlicher Form unters Volk zu bringen. Die Publikation hieß damals wie heute „Amtsblatt“. Dazwischen wechselte sie allerdings mehrfach ihren Namen. Geblieben ist jedoch bis heute der Zweck, Offizielles zu verkünden. „Beispielweise Satzungen, Baubauungspläne, Gefahrabwehrverordnungen treten erst mit ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft“, erläutert Susana Pletz. Die gelernte Verwaltungsbeamtin im Hauptamt und Stadtmarketing kümmert sich seit 2010 darum, dass die Publikation jeden Dienstag erscheint. Gegen langes Zechen

Mit der „Gefahrenabwehr“ beschäftigten sich die Verantwortlichen auch in der ersten Ausgabe, erschienen ohne exaktes Datum Anfang Januar. Das „Polizei-Amt“ wies in einer „Bekanntmachung“ darauf hin, dass die am „27. Jänner 1815 erneuerten polizeilichen Vorschriften wegen des Schließens öffentlicher Wirthschaften“ weiterhin zu beachten seien. Deshalb müsse die Kneipe spätestens um 23 Uhr schließen. Alles andere würde den „Hange zu Unordnungen“ fördern.

Große Veränderungen kommen im Amtsblatt eher leise daher. Am 16. Juli 1866 erscheint zum letzten Mal das „Amtsblatt der freien Stadt Frankfurt“, danach verschwindet das Wörtchen „frei“ im Titel. Die Preußen hatten Frankfurt besetzt. In der Ausgabe befand sich der Hinweis, Militärbefehlshaber General Eduard Vogel von Falckenstein habe beschlossen, den bisherigen Bürgermeister Victor Fellner im Amt zu belassen. Dieser war damit ab sofort Repräsentant der Stadt und zugleich preußischer Regierungsbevollmächtigter. Eine tragische Geschichte nahm ihren Lauf. Als die Preußen der Stadt eine zweite Kriegskontribution von 25 Millionen Gulden abverlangten – sie hatte bereits 5,75 Millionen Gulden bares Silber abgeliefert – geriet Fellner in ein Dilemma. Die Organe der Stadt lehnten die Forderung ab. Fellner versuchte zu vermitteln, erfolglos. Denn die Besatzungsmacht verlangte jetzt eine Liste der politisch Verantwortlichen, um das Geld selber einzutreiben. Fellner beging aus Verzweiflung in seinem Haus in der Seilerstraße Selbstmord. Keine Selbstbestimmung

Die Preußen sollten Frankfurt ihren Stempel aufdrücken. Es war nach der Annexion kein Stadtstaat mehr, sondern eine Gebietskörperschaft mit beschränkter Selbstbestimmung. In der Stadt regierte aufgrund der Stein-Hardenbergschen Reformen nicht mehr ein Senat, sondern der Magistrat. Auch die Publikation änderte ihren Namen; sie hieß aufgrund eines Erlasses des preußischen Innenministers ab 1869 für ein Jahr „Amtsblatt für den Stadtkreis Frankfurt am Main“.

Bei der Kommunalwahl am 12. März 1933 erlangten die Nationalsozialisten 47,9 Prozent der Stimmen. Das Amtsblatt wurde zum Agitationsorgan. Die Auswirkungen des Krieges betreffen jetzt das Amtsblatt unmittelbar: Am 22. September 1944 erscheint es in Maschinenschrift, behelfsmäßig kopiert. Ab dem 19. Januar 1945 erscheint es wieder in gesetzter Schrift. Die letzte Ausgabe der Publikation unter den Nazis trägt das Datum vom 16. März 1945. Es geht um gekürzte Lebensmittelrationen.

Am 17. Juli 1945 erscheint das Amtsblatt wieder, jetzt als „Mitteilungen der Stadtverwaltung“. Herausgeber ist zwar der Oberbürgermeister, aber die amerikanische Besatzungsmacht schaut der Redaktion über die Schulter. Die Besatzung stellt die Verwaltung vor neue Aufgaben, denn sie muss mit der amerikanischen Militärregierung kommunizieren. So prangt auf derselben Seite eine Stellenanzeige „Dolmetscher gesucht“. Auch die Entnazifizierung löst Personalbedarf aus. Auf Seite drei heißt es: „Für die Stellen der entlassenen Mitglieder der NSDAP sucht die Stadtverwaltung zur sofortigen Einstellung“.

Am 29. April 1946 findet sich der Aufruf zu ersten freien Stadtverordnetenwahl nach der NS-Zeit. Das neue Kommunalparlament wiederum lässt die Stellen von Oberbürgermeister und hauptamtlichen Stadträten am 8. Juli ausschreiben. Die Stadtverordneten wählen am 25. Juli Walter Kolb (SPD) zum Nachfolger des von den Amis eingesetzten Kurt Blaum (CDU).

Die Nachkriegsjahre erscheinen im Amtsblatt wie ein ruhiger Fluss. Nachzulesen sind Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte oder zu Bebauungsplänen, etwa am 18. Februar 1963 zum Bau des Müllheizkraftwerkes Heddernheim. Die daneben entstehende Nordweststadt will versorgt sein. Am 13. Oktober 1968 findet der Leser im Amtsblatt, dass seit einigen Tagen die neue U-Bahn fahre und die Finanzierung für die S-Bahn stehe. Diese nimmt zehn Jahre später ihren Betrieb auf.

1995 findet sich die Ausschreibung zur Wahl eines neuen Stadtoberhauptes. Wurde dieser zuvor noch von den Stadtverordneten gekürt, dürfen jetzt die Bürger direkt über den OB bestimmen – eine Änderung der Hessischen Gemeindeordnung. In der ersten Direktwahl der Stadtgeschichte setzt sich Petra Roth (CDU) gegen ihren Amtsvorgänger Andreas von Schoeler (SPD) durch. Roth wird als erste Oberbürgermeisterin bis 2012 amtieren. Ihr folgt Peter Feldmann (SPD), der 2018 das Mandat für eine zweite Amtszeit von sechs Jahren bekommen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare