+
Politisches und privates Glück: Der im Amt bestätigte Oberbürgermeister Peter Feldmann freut sich zusammen mit Ehefrau Zübeyde über den mehr als deutlichen Wahlausgang.

OB-Stichwahl

Amtsinhaber Peter Feldmann siegt mit über 70 Prozent

  • schließen
  • Thomas Remlein
    Thomas Remlein
    schließen

Mit einem so klaren Ergebnis hatte niemand im Römer gerechnet: 70,8 Prozent der Wähler gaben gestern Amtsinhaber Peter Feldmann ihre Stimme. Für die SPD ein Grund zum Jubeln. Die Christdemokraten bemühten sich um Haltung.

Sie feiern ihn wie einen Popstar. Als Peter Feldmann um 19.09 Uhr den Frankfurter Römer betritt, stürzen sie sich auf ihn. Fernsehteams, Fotografen, Parteifreunde, Wegbegleiter. Die Menge klatscht, kreischt „Peter, Peter“. Wer ihn kennt, den alten, den neuen Oberbürgermeister, der weiß, wie sehr er diesen Moment genießt. Er nimmt sich Zeit, schüttelt jedem die Hand. Küsschen hier, Küsschen da. Lächelt breit. Er ist nicht der einzige. Die sozialdemokratische Seele, sie lechzt schon so lange nach einem Moment wie diesem. „Das Siegen sind wir ja überhaupt nicht gewohnt“, bringt es der Bornheimer SPD-Chef Ulrich Labonté auf den Punkt.

Ganz in der Nähe im Lokal „Standesämtchen“ am Römerberg sitzt einsam ein Jung-Unionist. Eigentlich soll hier die Wahlparty für die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Bernadette Weyland steigen. Doch die erwartete Niederlage will sich kaum jemand antun. Nur zwei weitere Parteifreunde sind gekommen. Die Augen des jungen Mannes werden feucht, als die ersten Wahlbezirke ausgezählt sind. Wieder und wieder ploppt eine satte 70 für Feldmann auf.

CDU-Tristesse pur

.

Drinnen im Römer heißt es derweil für den Sieger schnell noch die Nase pudern. Das Fernsehen bittet zum Interview. Es ist das erste Mal, dass Feldmann einen Blick auf das endgültige Wahlergebnis erhascht, auf den riesigen Bildschirm an der Wand, auf dem diese Frankfurt-Karte zu sehen ist mit den unfassbar vielen roten Punkten. Sie stehen für all die Wahlbezirke, in denen der SPD-Mann die Nase vorn hat. 490 Wahlbezirke sind es insgesamt. Weyland hat nur vier für sich entscheiden können, und zehn Briefwahlbezirke. Feldmann kann nicht anders. Er zückt sein Handy und macht ein Foto. Das Fernsehinterview kann warten.

Die Mandats- und Funktionsträger der CDU kommen unterdessen der für sie traurigen Aufgabe nach, ein Desaster kommentieren zu müssen. „Ich bin geplättet“, sagt der frühere Kulturdezernent Felix Semmelroth. „Das Ergebnis kann man nicht der Bundeskanzlerin anlasten wie noch bei der Kommunalwahl.“ Der Tiefpunkt biete aber jetzt die Möglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

Fast ebenso breit wie der Oberbürgermeister grinst dessen Parteifreund Oliver Strank: „Das ist ein großer Tag für uns. Es hat sich ausgezahlt, dass Peter Feldmann immer draußen war bei den Menschen. Wir haben gut mobilisiert.“ Ob nicht auch die CDU geholfen habe? Strank nickt: „Die Kandidatin hat viele Fehler gemacht. Sie hat kein Fettnäpfchen ausgelassen.“

Sportlich nimmt die Niederlage Sportdezernent Markus Frank: „Die Wähler haben entschieden, das müssen wir akzeptieren. Das Ergebnis ist natürlich keines, das uns freut, aber Peter Feldmann kann man nur gratulieren.“

Bei aller Euphorie sind es vor allem die SPD-Frauen, die auf dem Teppich bleiben: Für Fraktionschefin Ursula Busch und Stadtverordnete Renate Wolter-Brandecker trübt die niedrige Wahlbeteiligung die Freude über Feldmanns Kantersieg. „Das ist alarmierend“, betont Wolter-Brandecker.

„Der Amtsinhaber hat den Amtsbonus voll ausgekostet“, analysiert der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider. „Wer bekannt ist, ist im Vorteil.“ CDU-Fraktionschef Michael Prinz zu Löwenstein gratuliert Peter Feldmann „zu dem herausragenden Ergebnis“. Dieser habe aber auch davon profitiert, dass die Menschen zufrieden seien „mit der Stadtpolitik, die wir als CDU mitverantworten“. Es sei Teil des Amtsbonus’, dass die gute Stadtpolitik dem Oberbürgermeister zugerechnet werde.

Als Heilsbringer zelebrieren Landes- und Bundespolitiker den Frankfurter Oberbürgermeister. „Ich nehme das mit in unsere Fraktionssitzung in Berlin“, schwärmt Bundestagsabgeordnete Uli Nissen. „Das ist fantastisch. Es zeigt, dass man mit dem Thema bezahlbarer Wohnraum Wahlen gewinnen kann.“ Und Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, einst mutmaßlicher Gegner der Kandidatur Feldmanns 2012, verspürt angesichts des Frankfurter Ergebnisses schon „Rückenwind für die Landtagswahl“.

Was die CDU ändern muss? „Wir stellen das nächste Mal einen aussichtsreichen Kandidaten auf“, sagt der 96-jährige CDU-Ehrenvorsitzende Ernst Gerhardt. 2024 werde Feldmann nicht mehr antreten. Dann gelte es nicht mehr, ein amtierendes Stadtoberhaupt abzulösen, sondern gegen einen neuen Kandidaten anzutreten. Und da sieht Gerhardt Chancen für den CDU-Bewerber.

Und Peter Feldmann, alter, neuer Oberbürgermeister von Frankfurt? Er gibt geduldig ein Interview nach dem anderen, lächelt selig, sonnt sich im Scheinwerferlicht. So kann es weitergehen die nächsten sechs Jahre. Mindestens.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare