Schulen durften wegen gesunkener Corona-Inzidenzen in Hessen wieder öffnen. Die Maske bleibt aber zunächst. (Archivbild)
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Schulen durften wegen gesunkener Corona-Inzidenzen in Hessen wieder öffnen. Die Maske bleibt aber zunächst. (Archivbild)

Corona-Pandemie

Ehemaliger Gesundheitschef fordert: Keine Maskenpflicht mehr in Schulen

  • VonMark-Joachim Obert
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Der bisherige Frankfurter Gesundheitschef René Gottschalk sieht keine Risiken für Kinder und Jugendliche. Er fordert die Abschaffung der Corona-Maskenpflicht in Schulen.

Frankfurt – Keine Corona-Maskenpflicht, keine Reihentests mehr in Schulen: Das fordern der bisherige Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, und seine ehemalige Stellvertreterin Ursel Heudorf für die Zeit nach den Sommerferien.

Angesichts „der zunehmenden Impfrate der vulnerablen Gruppen und nicht zuletzt angesichts der erheblichen Effekte des Lockdown auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder sollte aus unserer Sicht im Herbst 2021 ein normaler Betrieb der Kindergemeinschaftseinrichtungen stattfinden - mit guter Hygiene, ohne Test- und Maskenpflicht“, schreiben die Amtsmediziner in einem Artikel im Hessischen Ärzteblatt.

Sie bemängeln darin auch, dass sich „hartnäckig“ die Behauptung halte, wonach Kinder und Jugendliche zur Verbreitung der Corona-Viren beitrügen. Gottschalk und Heudorf vertreten die Auffassung, dass sich Kinder umgekehrt eher bei Erwachsenen anstecken, häufig in den Familien. Kitas und Schulen seien keine Risikobereiche.

Corona: Gesundheitschef fordert Ende der Maskenpflicht in Frankfurt

Auf die sich zurzeit in vielen Ländern rasant ausbreitende Delta-Variante gehen Gottschalk und Heudorf nicht ein; ihr Text ist im Mai verfasst worden. Seither haben sich in Ländern wie Israel, wo die Impfrate viel höher ist als in Deutschland, Lage und Maßnahmen wieder verschärft. Die Bild-Zeitung, die gestern über den Vorstoß der Gesundheitsamts-Veteranen berichtete, erwähnte dieses wesentliche Detail nicht.

Der bisherige Amtsleiter und seine langjährige Stellvertreterin beziehen sich also auf Vor-Delta-Daten - aus bayerischen Schulen. Demnach waren dort bislang die Infektionszahlen im Vergleich zu denen in Senioreneinrichtungen oder an Arbeitsplätzen auffallend gering. Weder seien signifikant viele Schüler noch Lehrer infiziert worden. Dort, wo die Viren sich unter Lehrern verbreitet hätten, hätten sich zumeist die Lehrer untereinander angesteckt.

René Gottschalk spricht sich gegen die Maskenpflicht in Frankfurts Schulen aus.

Schützt die Maskenpflicht an Schulen vor einer Infektion mit Corona?

Das Gros der häufig zitierten Wissenschaftler kommt zu anderen Einschätzungen. Nachdem Hessen die Maskenpflicht vorerst abgeschafft hatte, sagte etwa der Frankfurter Virologe Martin Stürmer in einem Interview, er plädiere weiterhin für Vorsicht in den Klassenräumen. Deutschlands bekanntester Virologe, Christian Drosten von der Charité in Berlin, geht eher davon aus, dass Kinder und Jugendliche Virenlast an Erwachsene weitergeben können und vielfach gegeben haben. Unter dieser Annahme haben auch die Lehrergewerkschaft GEW und der hessische Schülerrat die Maskenlockerung des Landes kritisiert.

Fakt ist: Bislang gibt es keine Studien und keine Zahlen, die eindeutige Belege in die eine wie die andere Richtung liefern. Inzwischen wird aber international beobachtet, dass die um ein vielfach ansteckendere Delta-Variante bei Kindern und Jugendlichen deutlich häufiger für schwere Krankheitsverläufe sorgt, wenn auch extrem selten für dramatische. Verbände von Kinderärzten machen zudem darauf aufmerksam, dass auch Jungen und Mädchen, die während der Infektion symptomfrei waren, unter Long-Covid-Symptomen wie etwa chronische Erschöpfung litten. Entsprechend empfiehlt auch das Robert-Koch-Institut, die Maskenpflicht an Schulen bis ins Frühjahr 2022 beizubehalten.

Corona in Frankfurt: Unklarheit bei Beeinträchtigung der Schüler durch die Maskenpflicht

Als möglich erachten es die Kinderärzte, dass manche Störungen durch die Einschränkungen und die emotionalen Belastungen ausgelöst werden könnten. Ursache und Wirkung sind auch hier schwer auszumachen. Gottschalk und Heudorf fordern deshalb allgemein Debatten und Entscheidungen, die auf Wissen und nicht auf Angst basierten.

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sieht in dem Artikel seiner langjährigen Amtsleitung keine Abweichung vom Kurs der Stadt. Majer hatte am Freitag (25.06.2021) dieser Zeitung gesagt, er empfehle dringend, in Klassenräumen weiterhin Masken zu tragen. Er teilte mit: „Wir bekommen aktuell leider fortlaufend neue Nachrichten aus England, die uns veranlassen, sehr genau hinzuschauen und zurückhaltend zu sein bei allzu schnellen Lockerungen.“ (mjo)

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