Die Dauerbaustelle regt die Niederräder auf, die hier entlang zum Einkaufen fahren. Das ist seit einem Jahr nicht möglich.
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Die Dauerbaustelle regt die Niederräder auf, die hier entlang zum Einkaufen fahren. Das ist seit einem Jahr nicht möglich.

Bürostadt Niederrad

An dieser Baustelle tut sich nichts

  • vonStefanie Wehr
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Die Hahnstraße ist zum Nadelöhr geworden. Eine Dauerbaustelle nervt seit einem Jahr Anwohner und Niederräder, die in den Supermärkten in der Straße einkaufen.

An der Hahnstraße wird viel gebaut, seit Jahren schon. Fast auf der gesamten Länge der Straße sind Bauzäune oder Baken aufgereiht. Ein Abschnitt ist aber für die Niederräder besonders ärgerlich: Von der Ecke Goldsteinstraße/Hahnstraße aus auf einer Länge von gut 200 Metern ist ein Teil der Straße immer wieder gesperrt. Aktuell ist die Fahrbahn Richtung Süden voll gesperrt, der Bürgersteig und der Asphalt sind aufgerissen.

"Seit gut anderthalb Jahren ist hier immer wieder die Straße dicht, es ist ein großes Ärgernis", sagt ein Passant. "Vor allem weil man hier nie jemanden arbeiten sieht. Es passiert nichts", echauffiert er sich. "In China werden in solchen Zeiträumen ganze Städte gebaut, während hier nichts vorangeht."

Der Unmut ist auch Monika Ehmer von der CDU Niederrad zu Ohren gekommen. "Anwohner beschweren sich, weil die Dauerbaustelle vor ihrer Haustür nicht verschwindet", bestätigt sie. "Ich denke, den Anwohnern stünde eine Mietminderung zu."

Vollsperrung seit einem Jahr

Die Baustelle verläuft entlang des neuen Wohnblocks mit 336 Eigentumswohnungen, gebaut vom Hanauer Investor Wolfgang Ries. Die Gebäude sind längst fertig und bewohnt. Bei den Bauarbeiten handelt es sich um Fahrbahnerneuerungen, ist beim Straßenverkehrsamt zu erfahren. Die Vollsperrung der Fahrbahn und des Bürgersteigs auf der westlichen Seite in Richtung Süden besteht seit 1. Januar 2020 und wird bis 31. März dieses Jahres andauern.

Das Problem ist, dass die Hahnstraße das neue Einkaufszentrum Niederrads geworden ist, zu dem viele Bewohner des "alten" Niederrad pilgern, um bei den Supermärkten Aldi, DM und Edeka Scheck-In einzukaufen. Deshalb wurde extra der Quartiersbus dorthin geleitet, der es älteren Niederrädern leicht machen sollte, ins entfernte Lyoner Quartier zu fahren. Denn im Ortskern haben immer mehr Supermärkte dichtgemacht, auch Aldi verlegte seinen Standort ins Lyoner Quartier.

"Samstags ist deshalb der einzige verbliebene Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Seite der Dauerbaustelle schwarz von Menschen", berichtet der Passant. "Familien mit Kind und Kegel begegnen sich, und weil die Fahrradfahrer keinen Platz auf der Straße haben, fahren sie sogar auf dem Gehweg. Das macht das Einkaufen hier zu einer echten Tortur, gerade jetzt in der Pandemie."

Quartiersbus wurde umgeleitet

Der Quartiersbus, also die Linie 84, kann jedoch wegen der Baustelle nur von Süden aus in die Hahnstraße einfahren, der Ringbus ist umgeleitet worden und fährt seit geraumer Zeit vom Mainfeld aus durch die Melibocusstraße, biegt ab Richtung S-Bahnhof Niederrad und dreht am südlichen Ende der Hahnstraße. Das ist für viele Niederräder unpraktisch und für Ältere gar nicht nutzbar, weil sie von dort die halbe Hahnstraße hochlaufen müssen.

"Die Baustelle ist in der Tat schon eine gefühlte Ewigkeit im Gange", sagt Stefanie Then von der SPD Niederrad. Als Stadtbezirksvorsteherin ist sie fürs Lyoner Quartier zuständig. "Corona macht die Situation nicht besser, da nicht so schnell gearbeitet werden kann", vermutet sie. Weiter südlich, schräg gegenüber den Supermärkten, ist die Baustelle des Neubauprojekts Kanso im Gange. Auch hier kommt es immer wieder zu Teilsperrungen der Fahrbahn. Der Gehweg auf der Westseite der Hahnstraße ist dort ganz weggefallen. Dort liegen wegen der Straße aber keine Beschwerden vor.

"Nur der Baulärm ist für Bewohner des ABG-Wohnblocks gegenüber, die im Homeoffice arbeiten, anstrengend", weiß Stefanie Then.

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