Ulrike Weich, Siegrid Geschk, Brigitte Schwab-Blügell und Antje Uhlmann haben ein buntes Sortiment beim Haus- und Hofflohmarkt in Rödelheim aufgebaut. FOTO: Enrico Sauda
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Ulrike Weich, Siegrid Geschk, Brigitte Schwab-Blügell und Antje Uhlmann haben ein buntes Sortiment beim Haus- und Hofflohmarkt in Rödelheim aufgebaut.

Flohmarkt

An mehr als 200 Ständen wird in Rödelheim gefeilscht

  • VonSabine Schramek
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Schon zum neunten Mal hat sich ganz Rödelheim zum Flohmarkt für die Nachbarschaft herausgeputzt. Orangene Luftballons haben am Sonntag Sammlern und Neugierigen, Spaziergängern und Feilschern den Weg in Hinterhöfe, Hauseingänge und Gärten gewiesen.

Rödelheim -Dass Rödelheim "bunt" kann, sieht man nicht nur an den kunstvollen Graffitis an der Bahnhofsunterführung, sondern auch beim jährlichen Haus- und Flohmarkt. Wenn sich Anwohner und Quartiersmanagement zusammenschließen, ist der Stadtteil besonders farbenfroh. Ob Quietsche-Ente oder Cocktailkleid, Teddybär oder Fitnessgerät, Schuhe oder Geschirr. Mehr als 200 Stände hatten in 47 Straßen aufgebaut. Hier gab es alles, was in Kellern, Schränken und Dachböden aufgetaucht ist, um neue Liebhaber zu finden. "Aber am Schönsten ist die Geselligkeit. Dass man sich trifft, kennenlernt und eine gute Zeit mit neuen und alten Nachbarn verbringt", sagt Ulrike Weich, die mit Freundinnen und Nachbarinnen Kunst und Kram am Bahnhof verkauft.

Die Frauen grinsen, weil sie wissen, dass jeder, der auf dem Weg vom und zum Bahnhof ist, bei ihnen vorbeikommt. Vor Regen schützen sie sich unter dem dichten Laub einer Linde und kommen mit Passanten sofort ins Gespräch. Oft geht es gar nicht um Puzzles, Stofftiere, Fitnesstrainer, Bücher oder Kunst, sondern über den neuesten Klatsch und Tratsch. "Die Nachbarn aus den Häusern kommen alle vorbei und schon wissen wir, was es Neues gibt", meint Brigitte Schwab-Blügell. "Da kann dann auch richtig gefeilscht werden." Keine Gnade kennen die vier fröhlichen Frauen, wenn Passanten die kleine Bank entdecken, auf der eine Kaffeekanne, selbst gebackener Kuchen und hausgemachte Bruschetta stehen. "Das ist für uns, weil wir gerne zusammen sind und den Tag genießen wollen", kichern sie, wenn sich wieder jemand Richtung Kuchen verläuft. "Federweißer ist auch da, aber nicht sichtbar", verrät Weich.

Gemütliche Hinterhöfe

Der Bummel zu den Häusern führt in gemütliche Hinterhöfe, die den Stadtteil in neues Licht rücken. "Ich wusste gar nicht, was für Kleinode hier versteckt sind", sagt ein Mann zu seiner Frau in der Altstadt, als sie gigantischen Bambus und Palmen hinter einem Durchgang entdecken. Auf kleinen Tischchen gibt es Vintage-Jacken und High-Heels, Motorradhelme und Krawatten zu kleinen Preisen. An der Kirche suchen Porzellan, Kerzenleuchter und Vasen neue Besitzer, in Garagen gibt es alles von Kinderschuhen bis zur Schubkarre, und an Hauseingängen werden Spielsachen und Klamotten verkauft.

Überall stehen kleinere und größere Menschtrauben auf der Suche nach neuem Alten oder nach einem Schwätzchen. Auch Quartiersmanagerin Heike Hecker ist unterwegs, radelt durch den Stadtteil und freut sich über viele zufriedene Gesichter. "Die Leute genießen es einfach, sich auszutauschen und dabei etwas Schönes zu entdecken", sagt sie und erzählt von einer riesigen Playmobil-Box, antiken Masken und Selbstgebasteltem, das sie gesehen hat. Dass die Aktion gut ankommt, bestätigen die vielen Anmeldungen. "Auch bei den Corona-Maßnahmen hat keiner gemurrt. Regelverstöße sind die Ausnahme, die Leute kommen locker zusammen."

Etwas einsam sind die Stände im Neubaugebiet Westerbachhöfe neben dem Polizeirevier. Luftballons locken zwar in den Hof, aber anfangs kommen Besucher eher tröpfelnd. Dennoch stehen Leute mit Kaffeetassen rund um die Stände mit edlen Büchern, Gesellschaftsspielen, Blusen, klassischen Notenblättern, Spieldosen und russischen Matrjoschka-Puppen. "Aber die Nachbarn kommen ins Gespräch. Wir kennen uns teilweise gar nicht", erzählt Wera Rohowski, die seit vier Jahren hier wohnt. "Plötzlich kamen Nachbarn und haben uns einen Pavillon gegen Regen hingestellt, andere haben Kuchen gebacken. Das ist ganz spontan passiert", meint sie strahlend. Wie nebenbei verkauft sie ihre gepflegten Schätze an die bislang unbekannten Nachbarn. "Solche Aktionen wie der Haus- und Hofflohmarkt machen einfach Spaß. Man trennt sich von Dingen, die man nicht mehr dringend haben möchte und bekommt neue Bekanntschaften", ist sie zufrieden. (Sabine Schramek)

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