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Andere Seiten der Literatur

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Von: Matthias Bittner

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Frauke Prayon (links) ist zufrieden und glücklich: Sie hat eine Buchhandlung eröffnet. Beim Auslegen der Bücher hilft ihr Morgane Guénolé, die als studentische Aushilfe angestellt ist. Neben Thrillern und Romanen wird hier auch Literatur abseits des Mainstream angeboten. Themen wie Gleichberechtigung, Klima oder Diversität liegen Prayon am Herzen. FOTO:
Frauke Prayon (links) ist zufrieden und glücklich: Sie hat eine Buchhandlung eröffnet. Beim Auslegen der Bücher hilft ihr Morgane Guénolé, die als studentische Aushilfe angestellt ist. Neben Thrillern und Romanen wird hier auch Literatur abseits des Mainstream angeboten. Themen wie Gleichberechtigung, Klima oder Diversität liegen Prayon am Herzen. Enrico Sauda © sauda

Laden bietet auch Bücher abseits des Mainstream an

Als Frauke Prayon im Bekanntenkreis erzählt hat, dass sie eine Buchhandlung eröffnen will, gab es auch kritische Stimmen, die ihr mehr oder weniger abrieten. Von „ein Wagnis mitten in der Krise“ über „sehr mutig“ bis hin zu „Du bist verrückt“ bekam sie zu hören. Ihr Lebensgefährte jedoch unterstützte sie nach Kräften. „Er hielt das für eine tolle Idee. Jetzt freue ich mich auf die Menschen und darauf, viel mit ihnen reden zu können“, sagt die 46-Jährige über die Eröffnung von „Andere Seiten“ in der Straße Am Weingarten 7.

Gleichstellung, Klima und Feminismus

Der Name ist Programm. Neben Krimis, Thrillern, Romanen, Sachbüchern und Ratgebern will die gelernte Buchhändlerin vor allem andere Themen, die ihr persönlich wichtig sind, mehr in den Fokus rücken: Feminismus, Diversität, Gleichstellung, Genderthemen, Rassismus oder Nachhaltigkeit und Klima. Eine Ecke mit ausgewählten Titeln zu diesen Themen ist in dem 100 Quadratmeter großen Verkaufsraum dafür reserviert. Eines stellt Prayon aber klar: „Ich will nicht missionieren.“

Das gilt im Übrigen allgemein fürs Lesen und Literatur. Sie habe Verständnis dafür, wenn Menschen nicht zum Buch greifen. Dafür gebe es unterschiedliche Gründe - keine Zeit oder keine Lust nach einem anstrengenden Arbeitstag seien die gängigsten Beweggründe. „Ich schaue auch total gerne Netflix“, gesteht Prayon. Aber: „Mich ziehen Bücher absolut in ihren Bann. Sie lassen mich in andere Welten eintauchen und machen mich glücklich. Das schafft kein Film.“

Morgane Guénolé, eine von fünf Aushilfen im Buchladen, empfindet das ebenso. Sie studiert „Soziale Arbeit“ an der Goethe-Universität und liest für ihr Leben gern. „Ich stöbere unheimlich gerne in Buchhandlungen und verliere mich dabei“, sagt sie. Als sie in einer Anzeige gelesen habe, dass Aushilfen für die neue Buchhandlung in Bockenheim gesucht werden, habe sie nicht lange gezögert und sich beworben. „Alle meine Freunde haben gesagt, das passt total zu dir“, erinnert sich die 23-Jährige. Und sie hofft, dass sie noch viel von Frauke Prayon über die Branche lernen kann.

Daran gibt es wohl keinen Zweifel. Prayon ist schließlich seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Positionen in der Buch- und Verlagswelt tätig. Als gelernte Buchhändlerin arbeitete sie unter anderem bei der Buchhandlung Hugendubel in Frankfurt, wechselte dann für über zehn Jahre auf die Verlagsseite zum Eichborn Verlag. Es folgte ein Jahr am Mediacampus Frankfurt und zuletzt neun Jahre beim Digitaldienstleister Bookwire, wo sie als Marketingleiterin die Vermarktung von eBooks und digitalen Hörbüchern verantwortete. Mit ihrer eigenen Buchhandlung kehrt sie nun quasi zurück zu ihren Wurzeln zurück.

„Vom eigenen Laden habe ich schon geträumt, seit ich in der Branche angefangen habe“, erinnert sich Prayon. Dabei hatte es zunächst nicht danach ausgesehen, dass sie mal in der Buch- und Verlagsbranche landen würde. Nach dem Abitur hatte sie ein Germanistik- und Anglistikstudium begonnen. „Das war aber nicht das, was ich machen wollte. Gegenwartsliteratur hat mich interessiert“, sagt sei. Deshalb machte sie schließlich in der Buchhandlung, in der ihre Mutter Stammkundin war, eine Ausbildung zur Buchhändlerin.

Starke Gemeinschaft ist wichtig

Besorgte Bekannte können also beruhigt sein. Frauke Prayon weiß, worauf sie sich eingelassen hat. Sich selbstständig zu machen sei immer ein Risiko, auch abseits von Krisenzeiten. Starke Gemeinschaften seien da von Vorteil. Deshalb hat sich die 46-Jährige auch einer Einkaufsgenossenschaft angeschlossen, der mehr als 800 Buchhandlungen angehören. Bockenheim als Standort für ihr Geschäft habe sich so ergeben. Sie kennt den Stadtteil aber, weil sie früher mal hier gewohnt und sich sehr wohl gefühlt hat.

Matthias Bittner

Die Buchhandlung

„Andere Seiten“, Am Weingarten 7, ist unter 30 08 86 96. per E-Mail an prayon@ andereseitenfrankfurt.de und unter www.andereseiten frankfurt.de zu erreichen.

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