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Was verrät diese Skulptur über das ästhetische Konzept des Stadtplaners Ernst May? Julius Reinsberg, seit kurzem Geschäftsführer der Ernst-May-Gesellschaft, hat die Ausstellung mit Arbeiten von mit May befreundeten Künstlern organisiert.

Ausstellung

Ein anderer Blick auf Ernst May

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Skulpturen des Bildhauers Seff Weidl und auch eine Porträtplastik Ernst Mays sind zurzeit in einer Ausstellung im ersten Stock des May-Hauses zu sehen. Die bisher dort untergebrachten Büros der May-Gesellschaft ziehen derweil in die Hadrianstraße um. Danach soll das May-Haus wieder ein reines Musterhaus sein.

Die Büroräume der Ernst-May-Gesellschaft werden derzeit aus dem Musterhaus, Im Burgfeld 136, in neue Räume in der Hadrianstraße verlegt. Waren diese bisher im oberen Stockwerk untergebracht, gibt es dort bis zum Abschluss der Umgestaltungen nun Platz für kleinere Ausstellungen. Ziel ist es, das May-Haus künftig als reines Musterhaus zu präsentieren, es also so zu zeigen, wie es von dem Architekten, Stadtplaner und Frankfurter Siedlungsdezernenten Ernst May (1884 – 1970) einst zur Entstehungszeit in den 1920er Jahren angedacht war. Das bedeutet, dass jeder Raum seine ursprünglich zugeteilte Funktion wieder bekommen soll.

Das war bisher nicht hundertprozentig möglich, da die Räume mit von der Geschäftsstelle der Ernst-May-Gesellschaft genutzt wurden, die das Musterhaus betreibt. In dem Raum, in dem bis vor kurzem noch das Büro der Geschäftsstelle war, war ursprünglich einmal das elterliche Schlafzimmer einer Familie untergebracht.

Aktuell stehen dort Bronze-Plastiken des Bildhauers Seff Weidl (1915–1972) – unter anderem Modelle für Großplastiken, die er in München, Stuttgart, Regensburg und Köln realisiert hat. Außerdem drei Porträtzeichnungen des Künstlers, die dieser von Ernst May geschaffen hat. Die Ausstellung trägt den Titel „Ernst May und die Skulptur“ und zeigt außerdem eine Portraitplastik des früheren Frankfurter Siedlungsdezernenten, die Anfang der 1960er Jahre von dem Bildhauer Bernhard Heiliger (1915–1995) gefertigt wurde. Kuratiert wurde die Schau vom Berliner Architekten Florian Seidel.

Der Architekt May stand stets mit Bildenden Künstlern wie den beiden Bildhauern Seidl und Heiliger in Kontakt und regem Austausch. „Ernst May wäre selbst gerne Künstler geworden“, weiß Julius Reinsberg. Er ist seit Oktober Geschäftsführer der Ernst-May-Gesellschaft. Vor kurzem wurde der promovierte Historiker für seine Doktorarbeit „Der internationale Stil des Neuen Frankfurt“ mit dem Johann-Philipp-von-Bethmann-Studienpreis ausgezeichnet.

Ernst May, der mit seinem Programm „Das Neue Frankfurt“, das 1925 aufgelegt wurde, den Mangel an Wohnraum in Frankfurt bekämpfen wollte, hat sich hiermit weltweit einen Namen gemacht. Noch heute pilgern Architektur-Interessierte aus der ganzen Welt an seine Wirkungsstätten. Dem Bau der Frankfurter May-Siedlungen, wie in der Römerstadt, liegen Prinzipien zugrunde, die in einer Zeit des Wohnraummangels durch Standardisierung und Typisierung neuen Wohn- und Lebensraum geschaffen haben, ohne dabei den Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Diese Prinzipien ermöglichten, Wohnen und Leben miteinander zu verbinden. May richtete in seiner Zeit als Frankfurter Siedlungsdezernent auch eine Typisierungsabteilung ein, holte hierfür Architekten und Künstler nach Frankfurt, die Einrichtungsgegenstände – von der Tapete über Möbel bis zu Lampen und Telefonen – für die May-Siedlungen entwarfen.

May verband zudem Architektur und Bildhauerei in seinen Entwürfen. Ein frühes Beispiel hierfür ist das von ihm im Jahr 1912 realisierte Grabmal für die Familie May und Späth auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. In einer Zeichnung, die als Abbildung ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt sich der monumentale Charakter seines Entwurfes. Während der Zeit des Ersten Weltkrieges realisierte May auch Soldatenfriedhöfe in Rumänien und Nordfrankreich, auf deren Fläche er ebenfalls ein zentrales, bildhauerisches Denkmal vorsah.

Auch in seiner Zeit als Frankfurter Siedlungsdezernent von 1925 bis 1930 überlegte er, Grabsteine und Grabstätten zu standardisieren. Hierfür arbeitete er mit dem Bildhauer Josef Hartwig (1880–1955) zusammen, der vom Bauhaus in Weimar nach Frankfurt kam. Abbildungen von Hartwigs Grabstein-Entwürfen, die dieser für May fertigte, sind Teil der aktuellen Schau.

May blieb bis 1930 in Frankfurt. Von dort aus führte ihn sein Weg zunächst in die damalige Sowjetunion. Als sich dort die politischen Verhältnisse änderten, ging er nach Ostafrika ins Exil. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte May nach Deutschland zurück, um sich hier als Architekt am Wiederaufbau zu beteiligen. In dieser Zeit arbeitete er eng mit dem Bildhauer Seff Weidl zusammen – Wirkungsort war nicht mehr Frankfurt, sondern unter anderem Bremen. Hier war May an den Planungen der „Neuen Vahr“ beteiligt, der damals größte Wohnsiedlung Europas. Außerdem wurde zu diesem Zeitpunkt das von ihm entworfene Verwaltungshochhaus der „Neuen Heimat“ in Hamburg gebaut, für das Weidl eine Mosaikwand fertigte.

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung im May-Haus, Im Burgfeld 136, läuft bis 1.April 2018.Sie kann ab 2.Januar 2018, dienstags bis donnerstags von 11 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

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