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Schwere Tüten und große Geschenkpakete schleppt kaum jemand mehr: Weihnachtsshopping auf der Zeil.

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Trotz Internet-Boom herrscht Andrang auf der Zeil

Online-Shopping macht dem stationären Einzelhandel zunehmend Konkurrenz, gerade im Weihnachtsgeschäft. Auf der Zeil ist dennoch viel los. Wer sucht dort welche Geschenke?

Katja und Michael Salzmann sitzen an diesem grauen und nieseligen Samstagnachmittag auf einer Bank nahe der Hauptwache. Verschnaufpause vom Weihnachtseinkauf. Oder auch nicht. Denn vollgepackte Taschen haben die beiden nicht vor sich stehen. „Wir sind nur ein bisschen zum Bummeln da“, sagt Katja Salzmann. „Eigentlich sind wir auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt.“

Offenbar sind sie da nicht die Einzigen. Denn dicke Pakete und vollgepackte Tüten schleppen die Menschen eher selten mit sich herum, die über die Zeil strömen. Vor allem Tragetaschen von Billig-Bekleidungsketten sind auszumachen. Dabei tun die Läden einiges, um Kunden hineinzulocken. Mit großen Aufklebern auf den Schaufensterscheiben werben die Geschäfte mit Preisnachlässen oder Geschenken.

Geräte lieber im Laden

Beim „Saturn“ im My Zeil ist es an den Kassen nicht proppenvoll. Aber doch, es wird auch was gekauft. Susanne Mank hat gerade eine digitale Wetterstation erstanden. „Für die Oma, die kann nicht im Internet schauen, wie das Wetter wird“, sagt sie. Mank selber kann das. Und bestellt dort auch. „Aber elektronische Geräte kaufe ich doch lieber im Laden“, sagt sie. „Da funktioniert öfter was nicht, und dann muss man es sonst zurücksenden – das ist mir zu anstrengend.“

Historische Bilderstrecke: So haben Sie die Frankfurter Zeil noch nie gesehen

Frankfurter Zeil historisch.  © FNP Archiv
1948 gründete Alois Ammerschläger sein Bekleidungshaus auf der Zeil.  © FNP Archiv
Am 29. März 1930 öffnete das Textilkaufhaus C. & A. Brenninkmeyer seine Türen, 1944 fiel das Gebäude den Bomben zum Opfer.  © FNP Archiv
Kaufhaus C&A auf der Frankfurter Zeil um 1980.  © FNP Archiv
Seit jeher ein Publikumsmagnet: Die Zeil, rappelvoll im Jahr 1989.  © FNP Archiv
Blick von der Hauptwache in die Zeil 1912.  © FNP Archiv
Die Zeil befindet sich seit jeher im Wandel: Umgestaltung, Abriss und Neubau, Zerstörung bestimmen das Bild der Shopping-Meile. Und es gilt, damals wie heute: Die Zeil ohne Baustelle – quasi undenkbar.  © FNP Archiv
Das Kaufhaus Tietz – später Kaufhof – auf der Zeil im Jahr 1929.  © FNP Archiv
Ein Luftbild aus dem Jahr 1954 zeigt das Bienenkorbhaus an der Konstablerwache.  © FNP Archiv
Blick auf Zeil um 1935.  © FNP Archiv
Die Hauptwache 1951.  © FNP Archiv
Das barocke Wachengebäude an der Hauptwache 1913.  © FNP Archiv
Die Hauptwache nach dem Krieg 1945.  © FNP Archiv
Die Hauptwache 1947.  © FNP Archiv
Die Hauptwache 1938, ein Polizist regelt den Verkehr.  © FNP Archiv
1966: Woolworth und Hertie auf der Zeil.  © FNP Archiv
Zeilgalerie "Les Facettes".  © FNP Archiv
Blick auf die Zeil, 2005.  © FNP Archiv
Woolworth auf der Zeil im Jahr 1949.  © FNP Archiv
Katharinenkirche  © FNP Archiv
Die Frankfurter Zeil, damals noch mit Autoverkehr, im weihnachtlichen Lichterglanz im Jahr 1968. Im Bild: Die Kaufhäuser Schneider und Hertie – später Karstadt.  © FNP Archiv
Ein Luftbild aus dem Jahr 1929 zeigt Rathenauplatz, Roßmarkt und Hauptwache.  © FNP Archiv

Es gibt sie also, die Vor-Ort-Käufer. In der Spielwarenabteilung im Karstadt stehen Gisela und Jürgen Kästner. Sie suchen ein Geschenk für den Enkel – und können sich nicht entscheiden. Lieber die Arche Noah oder doch besser der Bauernhof? Im Internet bestellen die beiden nur selten. „Man muss das anschauen und die Funktionen sehen können“, sagt Jürgen Kästner. Dinge nebeneinanderlegen wie gerade eben, um sie zu vergleichen. „Das geht auf dem Bildschirm nicht so gut.“ Und im Kaufhaus schauen und dann im Internet für ein paar Euro weniger kaufen, das findet Kästner „sehr unfair“.

So zimperlich ist der Familienvater ein paar Meter weiter nicht. Er steht mit dem Handy vor dem Spiel „Looping Louie“. Er checkt die Preise im Internet. „Wenn das dort günstiger ist, dann kaufe ich es auch dort“, sagt er.

Richtig voll ist es im Hema. Die Menschen quetschen sich vorbei an goldenen Kerzenständern in der Form von Affenköpfen, an Schokobuchstaben, an Bilderrahmen. „So Schnickschnack lässt sich einfach besser im Laden kaufen“, sagt eine Kundin. Da stünden die Versandkosten ja in keiner Relation zum Preis. „Ansonsten will ich mich aber nicht mehr auf einer Weihnachtsshoppingtour abschleppen.“

Müsste man gar nicht. Es gibt ja an den Adventssamstagen den VGF-Gepäckbus an der Hauptwache. Dort können Einkaufstaschen für zwei Euro pro Stück während der Shoppingtour gelagert werden. Die Einnahmen spendet die VGF.

Im Gepäckbus ist Platz

Es klopft an der Bustür. Ein Paar will vier Taschen abgeben. Oder vielmehr macht es aus vier erst einmal zwei Taschen, die Mario Moreira von der VGF entgegennimmt. Er hat seit Jahren im Gepäckbus Dienst. „Manchmal rennt man sich innerhalb einer Stunde die Haxen ab“, sagt er. Weil es ständig klopft. Weil ganz viele ihre Taschen auf einmal abgeben wollen. 150 Gepäckstücke seien es im Schnitt am Tag, sagt Moreira. Es sei durchaus viel zu tun. „Aber in den vergangenen Jahren ist es schon ein bisschen weniger geworden.“ Zwischen den Taschen, Rucksäcken und Einkaufstüten ist am späten Nachmittag noch jede Menge Platz für weitere Weihnachtsgeschenke.

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