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Jonas Köller vor seinem großen Auftritt im Gerichtssaal.

S&K-Prozess

Angeklagter Köller feiert sich für S&K-Geschäfte

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Während die Vertreter der Anklage im Prozess um die Betrügereien des Kapitalanlegers S&K immer wieder misstrauische Blicke in Richtung der Angeklagten werfen, leuchten die Augen des Hauptangeklagten

Während die Vertreter der Anklage im Prozess um die Betrügereien des Kapitalanlegers S&K immer wieder misstrauische Blicke in Richtung der Angeklagten werfen, leuchten die Augen des Hauptangeklagten Jonas Köller, wenn er ausführlich die geschäftlichen Aktivitäten des von ihm mitgegründeten Unternehmens beleuchtet. Köller gibt sich die größte Mühe, S&K als durch und durch gewinnorientiertes Unternehmen darzustellen, dessen positive Bilanz praktisch erst durch die Zugriffe der Staatsanwaltschaft im Februar 2013 ruiniert worden sei.

Im Jahr 2012 hätten beispielsweise die Verkäufe zahlreicher lukrativer Immobilien angestanden: „Die S&K-Gruppe war damals das werthaltigste Unternehmen, das wir kannten“, sagte Köller gestern mit einem Genießerblick auf die von ihm zusammengestellten Tabellen und Dokumente, die an die große Leinwand projiziert wurden, „eine Milliarde Euro, das ist wahrscheinlich noch tief gegriffen“.

Dass die Firma vor Erlösen in Höhe von 500 Millionen Euro stand, lockte offenbar auch zahlreiche unseriöse Anwaltskanzleien an. Eine von ihnen schickte nach kurzer Beratungstätigkeit eine Rechnung über eine Million Euro Honorar – dieser lag ein Firmenvermögen von 100 Millionen Euro zugrunde.

Obwohl die Rechnung augenscheinlich nicht bezahlt wurde, erwähnte sie Köller in seiner Einlassung doch, um die Liquidität des Unternehmens herauszustellen. „Demnächst werden wir auch unseriöse Mahnanwälte. Dann brauchen wir nicht mehr zu arbeiten“, soll einer der Partner Köllers dazu gesagt haben. Für den Mitangeklagten aber war dies in Anbetracht millionenschwerer Geldschiebereien keine echte Alternative.

Unterm Strich aber wollte auch er glauben machen, dass sich die Staatsanwälte gründlich irrten mit ihrer Auffassung, S&K habe von Anfang an nur betrügerische und auf den Schaden der Anleger abzielende Geschäftsabsichten gehabt.

Während also Köller dozierte, ging es im Gerichtssaal zuweilen zu wie im Taubenschlag: Einige der Rechtsanwälte haben ja auch noch andere Termine wahrzunehmen. Das Mammutverfahren nagt zunehmend sichtbar an der Substanz aller Verfahrensbeteiligten.

(ge)

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