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Antifa Frankfurt greift türkische Vereine in Offenbach an

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Von: Timur Tinç

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„Mörder und Faschisten - Rache für Paris“, wurde vor den Eingang des Gebäudes geschmiert.
„Mörder und Faschisten - Rache für Paris“, wurde vor den Eingang des Gebäudes geschmiert. © Privat

Die Antifa Frankfurt bekennt sich zu Schmierereien und eingeschlagenen Fenstern an Bürogebäude in Offenbach, wo vier türkische Vereine beheimatet sind.

Offenbach - Der türkisch-kurdische Konflikt ist mal wieder ins Rhein-Main-Gebiet geschwappt. Kurz vor Weihnachten ist ein Offenbacher Bürogebäude, in dem vier türkische Vereine beheimatet sind, angegriffen worden. „Mörder und Faschisten – Rache für Paris“ wurde in roten Buchstaben auf den Boden geschmiert. Auf den Briefkasten wurde das Kürzel der Terrororganisation PKK geschrieben. Außerdem wurden Scheiben eingeworfen. Zu dem Anschlag bekannte sich die Antifa Frankfurt bereits am 26. Dezember mit einem Schreiben und einem Video, das die Tat dokumentiert. Außerdem wurde mit weiteren Angriffen gedroht: „Wir kennen die Adressen eurer Vereine und die Kennzeichen eurer Autos.“

Einer der betroffenen türkischen Vereine, die Vereinigung der türkischen Ingenieure und Architekten in Deutschland (TMMB), hatte sich an die FR gewandt. „Es ist ein Anschlag auf Vereine, die sich zu freiheitlich, demokratischen Werten bekennen“, sagt deren Vorsitzender Demir Ceylan.

Die Fensterscheibe wurde eingeworfen.
Die Fensterscheibe wurde eingeworfen. © Privat

„In der Vergangenheit hat es bereits Anschläge auf türkische Vereine und Moscheen gegeben. Die Konflikte sind innerhalb eines demokratischen Diskurses zu führen“, sagt Atila Karabörklü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hessen. Ende November war das Logo der Atib-Moschee im Frankfurter Stadtteil Höchst mit grün-gelber-roter Farbe beschmiert worden, die Farben der kurdischen Flagge. In der Silvesternacht ist eine Scheibe der türkischen Oppositionspartei CHP eingeschlagen worden. „Die nun betroffenen Vereine sind im Vorfeld zur Zielscheibe gemacht worden“, kritisierte Karabörklü.

Antifa Frankfurt: Verein sei „Teil eines bundesweiten Netzwerks von türkischen Faschisten“

Den Verein, den die Antifa als „Teil eines bundesweiten Netzwerks von türkischen Faschisten ins Visier“ genommen hat, ist der Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks, ADD. „Wir sind ein Verein, der seit fast einem Vierteljahrhundert Bildungspolitik betreibt, progressiv, laizistisch und demokratisch ist“, sagt die Vorsitzende Yelda Gösterisli im Gespräch mit der FR. Sie seien diejenigen, die sich gegen faschistische Kräfte in der Türkei stemmen, und die Letzten, denen man Faschismus vorwerfen könne. Die anderen Vereine in dem Gebäude sind neben ADD und TMMB der Türkisch-Deutsche Club und der Türkische Lehrerverband Hessen. Sie gehören zur Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände Hessen, der 29 Mitglieder umfasst.

Diese Initiative war in die Kritik der Römer-Fraktion der Partei „Die Linke“ geraten. Die Initiative hatte die Frankfurter Stadtverordneten aufgefordert, keine Resolution gegen Angriffe der türkischen Armee in Nordsyrien und Nordirak einzubringen wegen des fehlenden kommunalen Bezugs. Im September hatten Linke und CDU entsprechende Einträge eingebracht. In der Römer-Koalition waren SPD, Grüne und Volt bereit, dies zu unterstützen.

Frankfurt: Auslöser für Angriff auf Sitz der Vereine in Offenbach war das Attentat in Paris

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Yanki Pürsün legte im Ältestenausschuss jedoch sein Veto ein. Da in der Koalition vereinbart ist, nur bei Einigkeit zu votieren, lehnten auch die anderen Koalitionsparteien die Resolutionen ab. Der Freundschaftsverein Frankfurt Kobane hatte im Zuge dessen die Liste der Mitgliedsvereine und -verbände der Initiative öffentlich gemacht und vor allem kritisiert, dass die Moscheevereine Atib, Ditib und Milli Görüs dabei sind.

Das Kürzel der Terrororganisation PKK ist auf das Eingangsschild geschmiert worden.
Das Kürzel der Terrororganisation PKK ist auf das Eingangsschild geschmiert worden. © Privat

Der Auslöser für den Angriff auf den Sitz der Vereine in Offenbach war das Attentat in Paris am 23. Dezember. Ein Mann hatte in einem kurdisch geprägten Viertel drei Menschen erschossen. Kurdische Vereine machten sofort den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und „türkische Faschisten“ für die Tat verantwortlich. Der festgenommene mutmaßliche Täter war jedoch kein Türke, sondern ein 69-jähriger Franzose, der in seiner Vernehmung rassistische Gründe für die Tat angab. (Timur Tinç)

Die Antifa Frankfurt beteiligte sich zuletzt auch an einer Demonstration gegen hohe Mieten in der Mainmetropole. Eine Sprecherin der „Jugend-Antifa“ (JAF) bezeichnete Gentrifizierung als „Gewalt von oben“.

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