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Maike.G und Kira .M bei der Umfrage auf dem Campus.

Sexuelle Belästigung

Angriffe in Uni-Nähe: Mulmiges Gefühl auf dem Campus

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Die Sonne strahlt über dem Campus Westend. Studenten schlendern über das Gelände der Goethe-Uni oder sitzen vor dem Hörsaalzentrum. Angst, Unsicherheit? Auf den ersten Blick ist nichts davon zu erkennen. Spricht man Studentinnen an, erfährt man allerdings, dass sie sich seit Freitag nur noch mit einem mulmigen Gefühl über den Campus bewegen – zumindest, wenn es dunkel ist.

Die Sonne strahlt über dem Campus Westend. Studenten schlendern über das Gelände der Goethe-Uni oder sitzen vor dem Hörsaalzentrum. Angst, Unsicherheit? Auf den ersten Blick ist nichts davon zu erkennen. Spricht man Studentinnen an, erfährt man allerdings, dass sie sich seit Freitag nur noch mit einem mulmigen Gefühl über den Campus bewegen – zumindest, wenn es dunkel ist.

„Ich habe mir bisher nie Gedanken gemacht, wenn ich abends hier unterwegs war“, sagt die 20-jährige Maike G. Sie studiert Englisch und Politik auf Lehramt und sitzt öfter mal länger in der Bibliothek. „Alleine gehe ich da jetzt nicht mehr raus“, sagt die Studentin.

Anfang Oktober, Ende Dezember und Anfang Januar wurden laut Polizei jeweils gegen Mitternacht in der Nähe der Siolistraße Frauen angegriffen. Der Täter habe versucht, sie in ein Gebüsch zu zerren. Im ersten Fall musste eine 23-jährige Studentin den Täter sexuell befriedigen, bevor sie fliehen konnte. Im zweiten Fall schlug eine 37-jährige Anwohnerin den Unbekannten zu Boden und konnte fliehen. In dem dritten Fall ließ der Täter von einer 23-jährigen Studentin ab, als sie schrie und sich wehrte.

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Ermittlungen aufgrund sexueller Übergriffe im . Unsere sucht nun & weitere mögliche Geschädigte. Infos & Täterbeschreibungen ?

— Polizei Frankfurt (@Polizei_Ffm)

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Polizei einen Triebtäter sucht, der ganz in der Nähe des Unigeländes seit Oktober schon mindestens drei Frauen sexuell bedrängt haben soll. An die Öffentlichkeit kam dies erst durch einen Warnbrief, den das Unipräsidium am Freitag per E-Mail an alle Hochschulangehörigen schickte. Auslöser dafür war ein vierter Vorfall Ende Januar, diesmal direkt auf dem Campusgelände. Einen Zeugenaufruf veröffentlichte die Frankfurter Polizei erst am Montag, nachdem über den Uni-Warnbrief bundesweit berichtet worden war.

Da die Täterbeschreibung bei den ersten drei Fällen sehr ähnlich ist, geht die Kriminalpolizei davon aus, dass es sich um den selben Mann handelt. Sie sucht demnach einen 25- bis 35-Jährigen mit pakistanischem oder westasiatischem Erscheinungsbild. „Schlank, schwarze Haare, mit einer dunklen Kapuzenjacke bekleidet, sprach Deutsch mit starkem Akzent“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Auch sein Vorgehen soll sich in allen drei Fällen stark geähnelt haben. Am 6. Oktober, 29. Dezember und 6. Januar habe der Täter jeweils um Mitternacht auf der Siolistraße oder der Miquelallee seine weiblichen Opfer nach dem Straßennamen gefragt und dann versucht, sie ins Gebüsch zu zerren. Im ersten Fall forderte er laut Polizei eine 23-jährige Studentin auf, ihn sexuell zu befriedigen. Aus Angst sei die junge Frau dem nachgekommen und habe dann die Flucht ergriffen.

Ende Dezember traf es keine Studentin, sondern eine 37-jährige Anwohnerin. Sie brachte den Unbekannten „durch einen gezielten Faustschlag vorläufig zu Boden und konnte fliehen“, schreibt die Polizei. Im dritten Fall, Anfang Januar, ließ er von seinem Opfer ab, als die 23-jährige Studentin laut schrie und sich wehrte.

Von diesen drei Übergriffen habe die Hochschulleitung erst im Zusammenhang mit einem vierten Fall erfahren, teilte der Sprecher der Goethe-Uni am Freitag mit. Am Theodor-W.-Adorno-Platz, mitten auf dem Campus, soll in der Nacht auf den 27. Januar eine 22-jährige Studentin belästigt worden sein. Details dazu gab die Polizei erst gestern bekannt.

Tatverlauf und Täterbeschreibung passen nicht zu den ersten drei Fällen. Deshalb geht die Kriminalpolizei von einem anderen Täter aus. Er soll 40 bis 50 Jahre alt und dicklich sein. Sein Erscheinungsbild wird als osteuropäisch beschrieben. Er habe die Studentin von hinten an der Schulter gegriffen, heißt es in der Pressemitteilung. „Als sie sich umdrehte, sah sie, wie er an seinem Glied manipulierte.“ Sie ergriff schreiend die Flucht, stürzte und verletzte sich dabei schwer. „Dennoch lief sie unbeirrt weiter, bis sie in Sicherheit war. Der Täter floh in unbekannte Richtung.“

Unipräsidentin Birgitta Wolff warnte daraufhin am Freitag alle Hochschulangehörigen davor, bei Dunkelheit alleine über den Campus zu gehen, und bietet nun einen Begleitservice an.

Warum hat die Polizei nicht schon früher über die Vorfälle informiert? "Oberste Priorität hatten zu Beginn verdeckt durchgeführte Maßnahmen", heißt es .

"Um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden und Täterwissen frühzeitig preiszugeben, erfolgte zunächst keine öffentliche Information auf dem Unicampus Westend. Gleichwohl wurde mit zivilen Kräften der Tatort sowie die nähere Umgebung observiert, um die Sicherheit oberhalb des Geländes der Universität zu gewährleisten."

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