Angst vor Ärztemangel

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Eine ärztliche Unterversorgung im Gallus und Europaviertel fürchtet die SPD im Ortsbeirat 1. Das Stadtteilparlament forderte den Magistrat auf, von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen Informationen einzuholen.

Rund 45 Ärzte praktizieren derzeit im Gallus, manche auch in Einzel- oder Gemeinschaftspraxen der angrenzenden Stadtteile. Auf den ersten Blick klingt diese Zahl nicht nach einem Engpass, doch das Gallus wächst weiter, vor allem mit den neuen Quartieren im Europaviertel. „Immer wieder beklagen meine Kunden, dass es dort noch so gut wie keine Ärzte gibt und dafür die bestehenden Arztpraxen im Stadtteil häufig überfüllt sind“, erklärt Lutz Mothes, Inhaber der Hellerhof-Apotheke.

Auf seine Initiative hin formulierte die SPD-Fraktion einen entsprechenden Antrag, den der Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) nun an den Magistrat stellte. Nämlich, ob und warum im Gallus und Europaviertel eine Unterversorgung mit Ärzten bestehe und wie die medizinische Versorgung angesichts der aktuellen Bevölkerungsentwicklung zu gewährleisten sei.

Außerdem verweist der Antragsteller Helgo Müller auf Fälle, in denen Ärzten die Niederlassung in diesen Gebieten untersagt worden sein soll. „Diese Zustände sind gerade in Anbetracht der nochmals gestiegenen Beiträge für die Krankenkasse nicht hinnehmbar“, betont Müller.

Auch Mothes ist „der ein oder andere Fall“ einer Zulassungsverweigerung bekannt, die jedoch schon ein paar Jahre zurücklägen. „Das Gallus zählt derzeit 30 000 Einwohner. Wenn alle Bauvorhaben im Europaviertel abgeschlossen sind, kommen noch einmal 8000 Bewohner hinzu“, erklärt Mothes. Der Apotheker bezweifelt die statistischen Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung, vermag ergo die Zahl von 45 praktizierenden Ärzte nicht ganz nachzuvollziehen. Er setzt die Zahl der amtlich gemeldeten und ihm bekannten Kollegen, die in den Stadtteilgrenzen des Gallus einen anwohnernahen haus- und fachärztlichen Dienst anbieten, deutlich geringer an: Er kommt auf höchstens rund 20 Ärzte. Jedoch könne es verschiedene Methoden der statistischen Erhebungen geben.

Mothes verweist auf die nunmehr gängige Methode, nach der Ärzte, die ihre Praxis aufgeben möchten, ihre Zulassung nicht mehr an die KV Hessen zurückgeben müssen, sondern selbst nach einem Nachfolger suchen können.

„Dieses Verfahren wird so angewendet, die KV muss dann jedoch dem Nachfolger nocheinmal eine Zulassung erteilen“, erklärt dazu der KV-Pressesprecher Karl Matthias Roth.

Im begründeten Ausnahmefall könnte eine solche Zulassung in einem Stadtteil verweigert werden – etwa dann, wenn für die jeweilige Fachrichtung gerade in einem anderen Stadtteil ein sehr viel dringenderer Bedarf bestehe. „Generell sind jedoch sämtliche Fachgebiete im Frankfurter Stadtgebiet gut bis sehr gut vertreten, manche sogar überversorgt“, so Roth. Ein Engpass bestehe lediglich im Fachgebiet Gynäkologie.

Das wachsende Europaviertel gelte es natürlich zu beobachten und den ärztlichen Bedarf genauer zu ermitteln. Dies sagt Roth zu – und verweist auch auf den geplanten Umzug der KV in die Europa-Allee: „Dann haben wir das neue Wohngebiet praktisch vor der Haustür.

(got)

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