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Christiane und Leonie Rada lassen Nino im Niddapark nicht mehr frei laufen.

Nach verdächtigen Funden

Im Niddapark geht die Angst vor Giftködern um - Hundebesitzer besonders vorsichtig

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Die Polizei warnte vor Giftködern im Niddapark, die gegen Hunde gerichtet sein sollen. Zwei Köder wurden bislang gefunden. Ob sie wirklich giftig sind, wird noch geprüft. Indessen reagieren die Hundehalter im Niddapark.

Frankfurt - Leonie Rada und ihre Mutter Christiane haben Konsequenzen gezogen: „Wir lassen Nino nicht von der Leine“, sagt die junge Frau, „und deshalb gehen wir nicht zur Hundewiese. Denn er würde nicht verstehen, dass er nicht laufen darf, wenn er doch sonst wenigstens dort springen könnte.“ Nino, ein Mischlingshund aus dem Tierheim, schaut derweil wachsam in die Runde und zerrt ungeduldig an seiner Leine. Ist die Gassi-Zeit schon zu Ende? So ganz ohne freies Laufen und Schnüffeln?

Die beiden Frankfurterinnen kommen fast täglich zum Niddapark und waren „schockiert“, als sie gehört haben, dass dort Giftköder gefunden worden sind. Am Vortag, berichtet eine andere Spaziergängerin, habe die Polizei entlang der Nidda gesucht, „bis zur Praunheimer Brücke“. Wer mache denn so etwas, Gift auszubringen gegen Hunde? Christiane Rada glaubt: „An der Leine haben wir etwas mehr Kontrolle und sehen vielleicht, wenn da etwas liegt oder zumindest, wenn er etwas frisst.“ Es ist die erste Konsequenz wegen der Giftköder. Aber wohl und sicher fühlen die beiden sich nicht mehr an diesem Ort.

Zwei verdächtige Funde

Zwei vermeintliche Köder waren am Montag im Niddapark gefunden und bei der Polizei abgegeben worden. „Die Untersuchungen laufen noch“, sagte eine Sprecherin gestern. „Die Köder sind noch im Labor.“ Im besten Fall, könnte man sagen, stellt sich alles als Fehlalarm heraus, so wie im Mai 2018, als im Stadtwald ein rötliches Granulat gefunden wurde. Das Labor stellte dann fest, dass es ungiftig ist.

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Um die Tierhalter trotzdem zu warnen, hat die Polizei am Montagabend vorsorglich eine Twitter-Meldung abgesetzt: „Im Niddapark in Frankfurt wurden mehrere Giftköder gefunden. Bitte passt auf eure Vierbeiner auf! Eure Polizei Ffm“, hatte sie am Montagabend getwittert.

Am Mittwoch waren dann noch einmal Beamte in dem Gebiet, fanden aber nichts mehr.

Die Polizei twitterte: „Unsere Kripo ist an der Sache dran & überprüft jeden Hinweis! Solltet ihr auch etwas feststellen, nicht einfach wegwerfen, sondern uns bitte melden! Vielen Dank, vor allem im Namen unserer tierischen Freundinnen / Freunde.“

Am Niddapark sind am Folgetag bei leichtem Nieselregen nur wenige Besucher unterwegs. Ein Hundehalter lässt den Hund frei laufen. „Ich wusste das noch gar nicht“, sagte er. „Ich begreife solche Menschen nicht.“

Auch Irmgard und Elsbeth, zwei rüstige Rentnerinnen, die ihre Nachnamen nicht nennen wollen, finden es empörend: „Was kann denn so ein Hund dafür? Ich glaube, wer Giftköder auslegt, kann nur krank sein.“ Drei weitere Rentner, ebenfalls mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs, schließen sich dem an. „Das ist doch furchtbar“, sagt Gerda Müller. Helga Braun ergänzt: „Wer macht den so etwas!“ Klaus Jünger erinnert sich: „Ich hatte auch mal einen Hund. Der hat alles gefressen, was er irgendwo gefunden hat. Den könnte ich jetzt nicht mehr von der Leine lassen!“

Täter schwer zu finden

In zahlreichen Online-Medien wurde gestern über den Frankfurter Verdachtsfall informiert, meist mit Hinweis auf die Twittermeldungen der Polizei. Falls es sich um Giftköder handelt, wird die Täterermittlung sehr schwer bis unmöglich, die Polizei ist auf Zeugenaussagen angewiesen. Und dann sind die Gerichte dran. Dabei ist jedoch das pure Auslegen von Ködern nach dem Tierschutzgesetz aber nicht strafbar. Erst wenn auch wirklich ein Lebewesen verletzt oder getötet wird, drohen Strafen von bis zu drei Jahren Haft.

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