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Für diesen Mercedes 300 D Pullmann Landaulet ist die Altstadt künftig tabu. Kommt das gerichtlich verfügte Fahrverbot im Februar 2019, ist eine Sonderregelung für Oldtimer nötig. Gibt es keine Einigung, werden historische Fahrzeuge ausgesperrt.

Dieselfahrverbot

Die Angst der Oldtimer-Besitzer

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Fahrer älterer Diesel und Besitzer von Benzinern der Abgasnorm Euro 2 und Euro 1 müssen nach dem gerichtlich verfügten Fahrverbot bangen, ob sie künftig noch mit ihrem Auto in Frankfurt fahren dürfen. Doch auch Oldtimer könnten davon betroffen sein.

Ein Déjà-vu haben die aktuell 4347 Oldtimer-Besitzer in Frankfurt. Genauso wie vor der Einführung der Umweltzone in Frankfurt vor sechs Jahren müssen sie jetzt erneut zittern. Denn nach der Klage der Deutschen Umwelthilfe und dem vom Verwaltungsgericht Wiesbaden verfügten Fahrverbot für Diesel (Euro-4 und schlechter) sowie für Benziner (Euro-1 und Euro-2) ist die Ausnahme für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen nun hinfällig. Und Oldtimer-Besitzer dürfen ab Februar 2019 ihre automobilen Schätzchen eventuell nicht mehr in einer noch festzulegenden Zone bewegen.

Das Land Hessen ist durch den Richterspruch verpflichtet, einen Luftreinhalteplan mit geeigneten Maßnahmen auszuarbeiten, um die Stickoxid-Belastung in Frankfurt zu senken – erlaubt sind im Jahresmittel 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, der Wert wurde beispielsweise an Messstationen in der Friedberger Landstraße oder in der Berliner Straße überschritten. Kommt man zum Ergebnis, dass ein Fahrverbot sinnvoll ist, werden Fahrzeuge mit H-Kennzeichen oder roter 07er-Nummer ausgesperrt. Im Moment ist das noch in der Schwebe.

Kein Freifahrtschein mehr

„Die Verunsicherung ist schon sehr groß“, betont Titus Schneider, Geschäftsführer der Klassikstadt, einem Zentrum für klassische Automobile in der Orber Straße (Fechenheim). Täglich würden ihn Mails mit Fragen erreichen. Oldtimer-Besitzer treibe etwa um, ob sie ihre betagten Autos noch aus ihren Parkboxen fahren dürften. Viele Automobilfans verbänden ihren Ausflug in die Klassikstadt auch mit einer Stippvisite in der Innenstadt. Sie fragten sich, ob das mit ihrem Oldtimer dann überhaupt noch möglich sei. Titus Schneider kann ihnen diese Frage nicht beantworten. Er geht aber davon aus, dass Oldtimer-Fahrern kein Freifahrtschein mehr ausgestellt werde. Er rechnet aber mit Beschränkungen. Denn: „Es ist sicher schwer zu vermitteln, dass Oldtimer fahren dürfen, andere hingegen nicht“, sagt er.

„Ich fände ein Oldtimer-Fahrverbot völlig unangemessen. Diejenigen, die klassische Automobile hegen, pflegen und als Kulturgut erhalten, würde man bestrafen“, meint Ralph Haerth. Er ist Oldtimer-Enthusiast, Sprecher der Automeile Frankfurt (Hanauer Landstraße) und verantwortlich für die East Garage, Frankfurts einzigem Parkhaus für Oldtimer in der Lindleystraße (Ostend). Im Gegensatz zur Klassikstadt würde ein Oldtimer-Fahrverbot die East Garage hart treffen. Sie liegt mitten in der Umweltzone, die laut Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) identisch mit der Zone sein könnte, innerhalb der das Dieselfahrverbot und damit auch das Oldtimer-Fahrverbot gelten könnte.

Geringe Laufleistung

Für Sonderregelungen kämpft der Deuvet, der Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge mit Sitz in Obing im Chiemgau (Bayern). Präsident Peter Schneider engagiert sich seit April 2018 dafür. An 20 Kommunen, für die gerichtlich ein Fahrverbot angeordnet wurde, hat er jeweils einen Brief geschrieben und argumentiert, dass der Schadstoff- und damit auch der Stickoxid-Ausstoß bei Oldtimern verschwindend gering sei. Die Autos würden laut einer ADAC-Statistik nur 2000 Kilometer im Jahr bewegt. Zudem würden sie meist schonend im mittleren Drehzahlbereich und damit auch Kraftstoff sparend gefahren. In Stuttgart, Düsseldorf und wahrscheinlich auch in Mainz hat Peter Schneider an den maßgeblichen Stellen überzeugt. „In diesen Städte wird es weiter eine Sonderregelung geben“, erklärt der Präsident.

Oesterling kennt den Brief der Deuvet nicht. Er ist aber überzeugt, dass es auch künftig Sonderregelungen für Oldtimer in der Mainmetropole geben wird. Mehr will er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Er teilt aber Haerths Ansicht, der betont, dass Oldtimer-Fahrer die Stadt meiden und viel lieber auf freien Landstraße unterwegs sind.

Der Deuvet wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) übrigens als Berater am Projekt „Sofortprogramm Saubere Luft“ beteiligt. Mit dem Sonderbeauftragten des BMVI wurden Ausnahmen für historische Fahrzeuge erarbeitet. Es geht aber auch um die Interessen der Besitzer und Nutzer von Youngtimern. So bezeichnet man Autos, die zwischen 20 und 29 Jahre alt sind. Am 18. Dezember hat Peter Schneider ein Gespräch zum Thema mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Weil das Diesel- und Oldtimer-Fahrverbot viele Menschen betrifft, plant Titus Schneider mit Experten einen Themenabend in der Klassikstadt – Termin ist in der dritten Januar-Woche.

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