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Schlüsselübergabe für die Weinbar: Pächter Christian Ress (links) und Hausbesitzer Sven Zeller.

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Anstoßen auf die neue Altstadt

Acht Wochen nach dem Fall der Bauzäune ist das erste Geschäft in der neuen Altstadt eröffnet worden. Weitere folgen noch vor der großen Eröffnungsfeier Ende September. In vielen Lokalen und Läden läuft derzeit der Innenausbau.

Sven Zeller hat das Haus zufällig bei dem Online-Portal „Immobilienscout“ entdeckt. Er bewarb sich bei der städtischen Dom-Römer GmbH für die „Grüne Linde“, bekam schließlich den Zuschlag. Dabei stand zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fest, wie der Nachbau des früheren Wirtshauses am Markt 13 genau aussehen wird. Ein Neubau stand ebenso zur Debatte wie eine originalgetreue Rekonstruktion der Fassade. „Ein Neubau hätte eine Etage mehr gehabt, aber ich wollte ein schönes Gebäude“, sagt Zeller. Und so war er bereit, auch die Mehrkosten mitzutragen, die für den Fachwerkbau mit Barock-Fassade anfielen.

Mit dem Ergebnis ist er, von einigen Details abgesehen, sehr zufrieden. „Das ist ganz hervorragendes Handwerk“, sagt er. „Die Fenster sind zum Beispiel sehr detailreich gestaltet worden.“ Insgesamt sehe die Altstadt noch ein wenig aus wie der Hessenpark, findet er. Aber das werde sich ändern, wenn erst die Läden und Lokale eröffnen.

In der „Grünen Linde“ wird es, ganz der Tradition des Gebäudes folgend, künftig Speisen und Getränke geben. Es wird allerdings nicht wie früher ein großes Wirtshaus. Dafür ist kein Platz, denn das Gebäude konnte aus Rücksicht auf den benachbarten Archäologischen Garten nicht in seiner Original-Größe rekonstruiert werden. Das Weingut Balthasar Ress aus dem Rheingau eröffnet eine kleine, aber feine Weinbar mit Vinothek.

Geschäftsführer Christian Ress hatte Frankfurt schon lange im Auge, aber keine Eile mit seinen Plänen. „Wir haben uns gesagt: Wenn wir das richtige Objekt finden, schlagen wir zu.“ Und die „Grüne Linde“ war schließlich das richtige Objekt. Die Weinbar passt auch ins Konzept der Dom-Römer GmbH, die in der Altstadt keine Ketten haben will, sondern regionale Anbieter bevorzugt. Auch künftig wird sie darauf achten, dass die Mischung stimmt. „Ich finde das gut, weil dadurch langfristig Qualität garantiert wird“, sagt Ress, der von der Anziehungskraft der Altstadt überzeugt ist: „Das Dom-Römer-Projekt sucht städtebaulich seinesgleichen.“ Ende August soll die Weinbar öffnen. Bis dahin haben die Handwerker noch viel mit dem Innenausbau zu tun.

Schon eröffnet hat hingegen das Fachgeschäft für Abendkleider Viviry. Die Geschwister Alex Bugajev und Victoria Sherwin leiten das Berliner Familienunternehmen und sind zur Eröffnung des Ladens nach Frankfurt gereist. „Es ist unsere sechste Filiale bundesweit“, so Bugajev. Dort arbeiten künftig fünf Mitarbeiter. „Wir haben auch eine Niederlassung in Wiesbaden, aber auf dieses Geschäft hier sind wir besonders stolz.“

Schon seit langem hatten sie ein Auge auf die Mainmetropole geworfen, „allerdings haben wir nie die geeigneten Räume gefunden“. An diesem Standort gefällt den beiden Geschwistern, „dass es ein Altbau mit modernem Charakter ist“. Frankfurt als Standort sei für das Unternehmen wichtig, weil sehr viel Nachfrage von Kunden danach bestehe. „Wir wollen Glamour nach Frankfurt bringen“, ruft Victoria Sherwin. Sie bauen auf die „vielen Firmenevents, die hier gefeiert werden“.

Bis das „Wirtshaus am Hühnermarkt“ seine Pforten öffnet, werden noch einige Monate vergehen. „Wir müssen noch alles machen“, sagt Hans-Peter Zarges, der zurzeit das gleichnamige Restaurant an der Fressgass’ führt, das er aber aufgibt. „Wir sind jetzt 18 Jahre dort gewesen, es wird Zeit für etwas anderes, etwas Neues“, so Zarges. Am 14. Juli schließt er das Lokal in der Fressgass’. „Es würde nicht funktionieren, diese zwei Geschäfte parallel zueinander zu betreiben“, erklärt er einen weiteren Grund für die Geschäftsaufgabe.

Er freut sich auf den neuen Laden in der neuen Altstadt: „Wir wollen uns intensiv um das neue Lokal kümmern, und das geht nur, wenn man nur eins hat“, erklärt Zarges, der ein großer Fan der neuen Altstadt ist. „Ich finde es hier einfach toll. Auch weil ich in der Nähe wohne.“ Das Haus, in dem das „Wirtshaus am Hühnermarkt“ unterkommt und die Umgebung „haben mir von Anfang an gut gefallen“.

Ebenfalls am Hühnermarkt und ebenfalls im September eröffnet Peter Gerigk sein „Café Corona“ mit gut 40 Plätzen. Auch er ist ein Fan der neuen Altstadt. „Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich Gänsehaut bekommen“, so Gerigk, der auch die Café-Bar in der Kleinmarkthalle hat und weiterführen möchte. Die Vorbereitungen auf den neuen Standort laufen. „Seit sieben Jahren bin ich dran, dort einen Platz zu erhalten, und jetzt bin ich überglücklich, dass es klappt“, so der Frankfurter Bub.

Es wird aber nicht nur kommerzielle Angebote in der Altstadt geben. Die evangelische St. Paulsgemeinde eröffnet eine Präsenz in der Gasse „Hinter dem Lämmchen“, daneben wird das Struwwelpeter-Museum zu finden sein. Bis zum großen Altstadt-Eröffnungsfest (28. bis 30. September) wird es ebenso wenig fertig wie das Friedrich-Stoltze-Museum, das im Gebäude Markt 7 („Weißer Bock“) und im Kaminzimmer der benachbarten „Goldenen Waage“ eine neue Heimat findet. Besucher können dann aber schon einen ersten Blick in die noch nicht fertig eingerichteten Räume werfen.

Als Eröffnungstermin nannte die Frankfurter Sparkasse, die das Museum betreibt, den 23. Oktober. Dann kann man Originalexponate aus dem Haushalt Stoltzes besichtigen und auf einem Bildschirm im Hauptwerk des Dichters blättern, der satirischen Zeitschrift „Frankfurter Latern“.

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