Von der Kunst, das Leben in Zeiten der Pandemie zu genießen. Viele Frankfurter zog es ins Städel.
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Von der Kunst, das Leben in Zeiten der Pandemie zu genießen. Viele Frankfurter zog es ins Städel.

Corona-Lockerungen

Besucher-Ansturm in Frankfurt: Zoo, Palmengarten und Museen haben wieder auf

  • vonSabine Schramek
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Museen und Freizeiteinrichtungen hatten in Frankfurt über vier Monate geschlossen. Wie sehr diese Angebote in der Corona-Enthaltsamkeit gefehlt haben, wurde am Wochenende klar.

Frankfurt – Welch eine Freude überall: Nach mehr als vier Monaten Corona-Enthaltsamkeit wurde jetzt klar, wie sehr die Menschen Freizeitangebote vermisst haben. Frühlings-Krokuswiesen, spielende Seehunde und Pinguine im Wasserbecken, gigantische Dinosaurier und jede Menge Kunst, Historie, Skulpturen und Gemälde waren bis zur Pandemie in Frankfurt so selbstverständlich wie Handkäs' und Grüne Soße. Kaum nachdem bekannt gegeben wurde, dass sie alle – unter Auflagen – nach mehr als vier Monaten wieder öffnen dürfen, liefen die Buchungs-Server heiß. Der Ansturm auf die begehrten Tickets war so groß, dass die Technik teilweise zusammenbrach.

"Wir haben gleich am 10. März für den Zoo gebucht, da gab es nur noch Tickets für morgens früh", sagt Claudia Penno, die mit ihrem Mann Stefan, Tochter Stella (8) und ihrer Freundin Lana (8) schon vor Öffnung des Zoos da war. Die Kinder sind aufgekratzt, obwohl sie bereits um 8 Uhr morgens in der Bahn saßen und es regnet.

Frankfurter Zoo hat wieder geöffnet: Vor dem Eingang bildet sich eine lange Schlange

"Die ganze Fahrt über haben sich die beiden wie doll gefreut", so Penno. "Außer Spielplatz gab es ja nichts für sie und wir alle wollen wieder Tiere sehen." Sie sind aus Niedernhausen bei Wiesbaden angereist. Die Fasanerie in Wiesbaden ist noch bis zum 15. März geschlossen. "So lange wollten wir nicht warten. Wer weiß, was dann wieder ist." Stella und Lena wollen Seehunde sehen "und Affen". Als sie hören, dass die Häuser zu haben, gucken sie kurz enttäuscht und zählen "Zebras, Kamele und Pinguine" auf, die sie ebenfalls mögen. Mit Rucksäcken, Essen, Mützen, Handschuhen und Masken wollen sie "jede Minute im Zoo genießen".

Die Schlange wächst. Opas mit Enkeln, Jugendliche mit Colaflaschen in der Hand, Paare und viele Eltern mit Kleinkindern wollen die ersten sein, die den Tieren einen Besuch abstatten.

Egal ob Museum, Zoo oder Palmengarten: Besucheransturm vorprogrammiert

Zum ersten Mal wurde genau vor einem Jahr die Schließung aller Museen, des Zoos und des Palmengartens durch die Stadt bekannt gegeben. An diesem Wochenende stehen am Museumsufer Leute schon eine Stunde vor Öffnung vieler Museen an und können es kaum erwarten, im Liebieghaus, Städel oder im Museum Angewandte Kunst ihre Lieblingsausstellung zu sehen. "Es ist höchste Zeit, dass endlich wieder auch Schönes möglich ist", sind sich Besucher einig.

Jonas (4) ist noch ganz beseelt vom Besuch des Senckenbergmuseums. Die Familie macht Selfies.

Sie lernen sich auf Abstand kennen und diskutieren über Kunst und Corona. Noch haben nicht alle Museen geöffnet, aber viele. Wer hätte sich das vorstellen können?", fragt Günter Hermann. Er steht zwischen großen goldenen Kugeln, hinter denen Wellen auf ihn zuzukommen scheinen und sich weite Wälder auftun. Die "Transatlantic"-Video-Installation von Caroline Monnet in der Rotunde vor der Schirn lädt zum Träumen ein. Und zum Warten auf den nächsten Slot für Besucher der Ausstellungen "Gilbert & George" oder "Magnetic North".

In Frankfurts Palmengarten, Zoo und Museen besteht Maskenpflicht

"Es ist egal, dass Maskenpflicht im Palmengarten besteht, man Tickets online buchen muss, Kontaktdaten abgeben muss und nur durch den Palmengarten-Eingang reinkommt. Hauptsache, ich darf endlich wieder rein", sagt Lisa Schneider erleichtert und betrachtet verträumt Märzenbecher, Primeln, Schneerosen, Krokusse und jede klitzekleine Knospe an Büschen und Bäumen. Sie zieht den Schal enger und sagt, "der Frühling ist endlich da".

Mit den Frühlingsboten keimt auch die Hoffnung auf bessere Tage – hier im Palmengarten.

Paare mit Masken laufen Hand in Hand in Hand durch einen Bambustunnel, Hobbyfotografen entdecken rosa blühende Forsythien und gelb-weiße Blüten an Papierbüschen, hinter denen Osterglocken leuchten. Einige drücken sich die Nasen am Schmetterlingshaus platt, in dem zwischen Tropenpflanzen kleine blaue und riesige braune Schmetterlinge tanzen. Sehnsüchtig sind die Blicke Richtung Gewächshäuser, die noch geschlossen bleiben müssen. "Trotzdem ist es wunderschön hier", stellt ein junger Mann fest, der durch Scheiben uralte Orangenbäume voller Früchte betrachtet. Darunter sitzt ein Osterschaf aus Keramik. "Die Osterausstellung haben wir dieses Jahr leider nicht", erklärt eine Mitarbeiterin. "Das Schaf soll ein kleiner Ersatz zwischen den Zwiebelblumen sein."

Infos zu Corona-Auflagen und Öffnungszeiten von Museum und Zoo gibt‘s im Internet

Nach den Ausflügen sind die Gesichter der Erwachsenen entspannt. Sie lächeln. Kinder haben vor Freude rote Wangen. Auch Jonas (4), der sich im Shop vom Senckenbergmuseum Spielzeug aussuchen durfte. "Dinos natürlich", ruft er laut und hält stolz seine Beute in die Luft. "Ich liebe Dinos und will wieder rein." Seine Eltern schütteln den Kopf und vertrösten ihn "aufs nächste Mal. Die Tickets gelten zwei Stunden und andere wollen auch zu den Dinosauriern", erklären sie ihm und überreden ihn zu Selfies mit dem Handy. Er nickt und rennt los zum Riesen-Dino vor dem Eingang. Den darf er sich noch eine Weile betrachten.

Informationen zu den Öffnungsdaten und -zeiten für alle Museen, den Zoo und Gärten, sowie Auflagen und Buchungsmöglichkeiten gibt es im Internet. (Sabine Schramek)

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