+
Das ist den Verantwortlichen der Video-Plattform Youtube zu viel nackte Haut. Die FSK hatte es ab 0 Jahren freigegeben.

Nackte Haut nein, Rassismus kein Problem

Anti-Diskriminierungsvideo-Macher haben Ärger mit Youtube

Ein Anti-Diskriminierungsvideo wird auf der Internet-Videoplattform Youtube zensiert – und rassistische und homophobe Kommentare dürfen stehen bleiben. Josefine Liebing und Christian Landsmann von der Initiative „#NoDiscrimination“ haben dafür kein Verständnis.

Auf einem nackten Rücken steht in schwarzer Farbe „#noblacks“, auf einem anderen „#noasians“. Hier und da ist ein weiblicher Busen zu sehen, angemalt mit bunter Farbe. Das ist schon zu viel nackte Haut für die Internet-Videoplattform Youtube, denn die Verantwortlichen haben das Video „Colourblind“ der Initiative „#NoDiscrimination“ zensiert.

Josefine Liebing und Christian Landsmann, aus deren Initiative das Video entstanden ist, haben dafür kein Verständnis. „Wenn ich mir das Nachmittagsprogramm im privaten Fernsehen anschaue, sehe ich oft viel mehr nackte Haut“, sagt Landsmann. Und auch auf der Videoplattform Youtube gebe es viele Videos, in denen sogar teilweise pornographische Inhalte gezeigt würden.

Liebing und Landsmann haben sich in der Landesarbeitsgemeinschaft Queer der Linken in Hessen kennengelernt, die sich für die Rechte von Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen einsetzt. Irgendwann sei die Idee entstanden, ein Video gegen Diskriminierung zu drehen. Einen Tag hat der Dreh gedauert, die Vor- und Nachbereitung wie das Komponieren der Musik und der Schnitt insgesamt drei Monate. Sämtliche Laienschauspieler, die in dem Video zu sehen sind, waren selbst schon einmal von Diskriminierung betroffen. „Das war uns sehr wichtig“, erklärt Liebing. Das fertige Video haben die beiden extra von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft einschätzen lassen. Das Ergebnis: FSK 0, also auch freigegeben für Kinder.

Doch als Liebing und Landsmann das Video bei Youtube hochgeladen hatten, fing das Theater an. „Wir haben Hasskommentare bekommen, die sich gegen Schwule und Lesben generell richten“, sagt Landsmann. Einer dieser Kommentatoren muss es auch gewesen sein, der das Video schließlich wegen pornographischen Inhalts bei den Betreibern der Seite gemeldet hat. „Wenige Tage später war unser Video für Personen unter 18 Jahren gesperrt“, erklärt der 30-jährige Soziologie-Student. Das Schlimme: „Die Hasskommentare sind stehen geblieben, obwohl wir die auch bei Youtube gemeldet haben.“ Für Liebing und Landsmann ist das aus zwei Gründen unverständlich: Zum einen sei ihr Video nicht pornographisch und sei schließlich von der Prüfstelle mit FSK 0 ausgezeichnet worden. „Zum anderen wird ein Anti-Diskriminierungsvideo zensiert, während diskriminierende und rassistische Kommentare stehen bleiben dürfen“, sagt Landsmann.

„Nach eingehender Prüfung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das Video nicht für jedes Publikum geeignet ist. Deshalb haben wir es mit einer Altersbeschränkung versehen“, lautet die kurze Stellungnahme von Youtube. „Doch wie sah diese eingehende Prüfung aus? Wir wurden daran ja nicht beteiligt“, bemängelt Landsmann. Immerhin verschließe die Altersbeschränkung auf 18 Jahre das Video vor einem für die Initiatoren wichtigen Publikum. „Gerade Jugendliche sind oft von Mobbing und Diskriminierung betroffen. Da wäre es uns schon wichtig, dass solche Leute auch unser Video sehen könnten.“

Wie es nun weitergeht, steht noch nicht fest. „Natürlich hoffen wir, dass Youtube die Entscheidung noch einmal überdenkt“, sagt Landsmann. Falls nicht, schließen er und Liebing nicht aus, rechtlich gegen das Unternehmen vorzugehen. „Wir werden uns dahingehend beraten lassen“, kündigt der 30-Jährige an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare