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Polizisten gehen am 01.02.2017 auf das Gelände der Bilal Moschee in Frankfurt am Main (Hessen) im Stadtteil Griesheim. Die Polizei hat am Mittwoch mehrere Objekte in ganz Hessen wegen Terrorverdachts durchsucht. Insgesamt 54 Objekte seien betroffen gewesen, teilte die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit. Foto: Boris Roessler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bilal-Moschee und As-Salam-Moschee

Anti-Terror-Razzia: Zwei Frankfurter Gebetshäuser im Visier

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Der Hauptbeschuldigte im Verfahren gegen 16 Terrorverdächtige soll in der Bilal-Moschee in Griesheim ein- und ausgegangen sein. Diese steht schon länger unter Extremismusverdacht. Die As-Salam-Moschee in der Nordweststadt, die am Mittwochmorgen ebenfalls durchsucht wurde, hat hingegen noch keine Negativ-Schlagzeilen gemacht.

Die Bilal-Moschee in Griesheim, die bei der Großrazzia gegen 16 Terrorverdächtige am Mittwoch durchsucht wurde, steht seit vielen Jahren unter Extremismusverdacht. Ein Grund dafür, dass das Gebetshaus vom Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) beobachtet wird, sind seine islamistisch beeinflusste Ausrichtung und seine mitunter bedenkliche Nähe zu extremistischen Predigern und Dschihadisten. Dass eine Moschee mit solchem Profil auch Personen anlockt, die Terrorpläne schmieden, ist gut möglich. Liberalere Gemeinden wie die Ahmadiyya sind aus Sicht von Extremisten längst vom „Pfad des wahren Islams“ abgekommen.

Träger der Bilal-Moschee ist der Marokkanisch-Islamische Kulturverein. Der 36 Jahre alte Hauptbeschuldigte, der bei der Razzia am Mittwoch festgenommen wurde, soll in dem Gebetshaus ein- und ausgegangen sein und dort auch Fäden für sein mutmaßlich terroristisches Netzwerk gesponnen haben. Einige Mitglieder des Moscheevereins wollen ihn „nur vom Sehen, von den Freitagsgebeten“ gekannt haben, andere gar nicht. Über die Auftritte von extremistischen Predigern, die schon vor Jahren zu Disputen mit der Stadt führten, will man offenbar nicht reden. Es habe „keine Probleme“ gegeben, sagt ein Mann mit schwarzem Vollbart. Tatsächlich sorgten die Auftritte des extremistischen Predigers Abdellatif Rouali aber schon vor mehr als sieben Jahren dafür, dass das Integrationsdezernat den Vorstand der Bilal-Moschee zur Rede stellte. Am Ende stand ein Hausverbot für Sheikh Abdellatif. Der Marokkaner mit Faible für Internetvorträge war der Kopf des salafistischen Netzwerks „DawaFfm“, das von Frankfurt aus missionierte, bis es der Bundesinnenminister 2013 verbot.

Außer Veranstaltungen mit Rouali haben in der Bilal-Moschee nach Angaben des LfV auch solche mit auswärtigen Salafisten-Predigern wie Abu Walaa stattgefunden. Der im November verhaftete Islamist galt als einer der wichtigsten Anwerber des „Islamischen Staats“ (IS) in Deutschland. Das LfV bezeichnet die Bilal-Moschee als „Anlaufstelle für Teile der salafistischen Szene“. Susanne Schröter, Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam der Frankfurter Uni, sagte am Mittwoch gegenüber der Hessenschau, dass sich in dem Gebetshaus auch Syrien-Rückkehrer getroffen hätten. Die deutliche Mehrzahl der mitunter mehr als 1000 Besucher der Freitagsgebete ist laut dem LfV aber „nicht als salafistisch zu bewerten“.

In der Nachbarschaft der Bilal-Moschee hat man von deren streng konservativer bis islamistischer Prägung kaum eine Ahnung: „Was da drin gepredigt wird, weiß man als Außenstehender nicht“, sagt ein Mann, der gleich nebenan wohnt. Ihn stört vor allem, „dass die Gemeindemitglieder regelmäßig die ganze Froschhäuser Straße zuparken“. Auch zu abendlichen Ruhestörungen komme es hin und wieder. Die Polizei ist, wie ein Beamter berichtet, „öfter mal an der Moschee, weil es Beschwerden gibt“.

Das zweite Frankfurter Gebetshaus, das die Polizei bei der Razzia am Mittwoch durchsuchte, war nach Informationen dieser Zeitung die As-Salam-Moschee in der Nordweststadt. Auch sie soll der 36 Jahre alte Hauptverdächtige besucht haben. Träger der Moschee, die bislang keine Negativ-Schlagzeilen machte, ist ein Islamischer Kulturverein. Er nahm am Tag der offenen Moschee teil und machte viel Jugendarbeit. Bei einem Fußballturnier 2015 sprach sich ein Mitglied klar gegen Radikalisierung aus.

(chc)

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