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Benannt nach einem Holocaust-Befürworter: Die Hans-Pfitzner-Straße in Schwanheim. Bald dürfte auch der zuständige Ortsbeirat 6 über eine Umbenennung debattieren. 

248 Bewohner betroffen

Dieser Straßenname sorgt in Frankfurt für Kopfzerbrechen

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Die Hans-Pfitzner-Straße in Frankfurt-Schwanheim ist nach einem Antisemiten benannt. Integrationsdezernentin Sylvia Weber fordert eine Umbenennung.

  • Hans-Pfitzner-Straße in Frankfurt-Schwanheim ist nach einem Antisemiten benannt
  • Umbenennung ist möglich, aber umstritten
  • Kommt jetzt das „Wiener Modell“?

Frankfurt-Schwanheim - Es ist ein Problem, das den Ortsbeirat 6 im Frankfurter Westen demnächst intensiver beschäftigen dürfte: Die Hans-Pfitzner-Straße in Frankfurt-Schwanheim ist nach einem Komponisten (1869 bis 1949) benannt, der nicht nur Opern wie „Die Rose vom Liebesgarten“ schrieb, sondern auch politische Kampfschriften, oft mit antisemitischer Zielrichtung.

Was längst bekannt ist, rückt durch einen aktuellen Fall in Wiesbaden in die Schlagzeilen: Dort hat gerade das Stadtparlament gegen das Votum des eigentlich für solche Fragen zuständigen Ortsbeirates die Umbenennung der dortigen Pfitznerstraße entschieden.

Eine Entscheidung, die vermuten lässt, dass es bald auch Diskussionen um eine Umbenennung der Schwanheimer Hans-Pfitzner-Straße geben wird. Wie stehen Mitglieder des für den Frankfurter Westen zuständigen Ortsbeirates 6 dazu? „Keine Straße in Frankfurt sollte nach einem bekennenden Antisemiten, der auch nach dem Ende des Nazi-Regimes den Holocaust rechtfertigte, benannt sein“, macht Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) auf Anfrage deutlich. Allerdings, so gibt sie zu bedenken, müssen in einem solchen Prozess auch die betroffenen Anwohner involviert werden - in diesem Fall auch die in der Straße liegende Minna-Specht-Schule.

Umstrittene Straße in Frankfurt: Integrationsdezernentin für Umbenennung

Paulis Haltung deckt sich mit der von der städtischen Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Sie reagierte auf die Anfrage dieser Zeitung mit einer Presseerklärung. Obwohl bereits mehrere deutsche Städte ihre nach Hans Erich Pfitzner benannten Straßen wegen dessen antisemitischer Haltung umbenannt haben, gebe es die Hans-Pfitzner-Straße in Frankfurt noch immer, moniert sie und fordert eine Umbenennung: „Antisemiten und Holocaustbefürworter als Patronen für Straßennamen sind nicht nur in unserer jüdisch geprägten Stadt völlig inakzeptabel“, schreibt sie. Sie werde sich für eine Umbenennung stark machen und hoffe, dass der zuständige Ortsbeirat „den Weg für eine Umbenennung freimachen wird“. Die Stadt sollte nach Webers Worten „die mit der Umbenennung entstehenden Kosten für die Anwohner unkompliziert übernehmen“.

Neu ist das Thema Umbenennung keinesfalls im Frankfurter Westen. So hatte es im Jahr 2017 heftige Debatten im Ortsbeirat 6 über eine Neubenennung der damaligen Eduard-Spranger-Schule in Sossenheim gegeben. Der Namensgeber (1882 bis 1963) hatte sich als Pädagoge von den Nazis instrumentalisieren lassen.

Frankfurt: SPD bezog Prügel für Antrag auf Umbenennung

Damals stellte die SPD einen Eilantrag auf Umbenennung - und bezog dafür reichlich Prügel, etwa von der CDU, der Linken und den Grünen. Damit war der Vorschlag der SPD für den polnischen Arzt und Pädagogen Janusz Korczak, der im selbstlosen Einsatz für die Kinder eines Waisenhaus starb, vom Tisch, noch ehe er überhaupt diskutiert worden war. Letztlich durften die Schüler dann selbst über einen neuen Namensgeber ihrer Schule abstimmen: So wurde aus der Eduard-Spranger-Schule die Edith-Stein-Schule.

Weniger emotional gestaltete sich hingegen die vom Nieder Vereinsringvorsitzenden Hauke Hummel angeregte Umbenennung der Werner-Haustein-Straße in Nied im Juli 2018. Ihr Namensgeber hatte bei der Umsetzung der Nürnberger Gesetze mitgewirkt. Von der Namensänderung waren allerdings keine Anwohner betroffen. Denn die Straße wurde dem Nieder Kirchweg zugeschlagen. Und das war auch zuvor die postalische Adresse der Mietshäuser dort. 

Von Michael Forst

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