Oberrad: Europäische Schule

Anwohner entsetzt über Sportanlage

  • vonStefanie Wehr
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Stadt will Mainwasen-Vereine an Offenbacher Landstraße verlegen. Gärtner warnen vor Nässe.

"Für die Oberräder ist das ein Schlag ins Gesicht", sagt Brigitte Zimmermann. Die Geschäftsfrau und Familienmutter kann es nicht fassen, was die Stadt Frankfurt vorhat - "und wie mit unseren Steuergeldern verfahren wird". Denn die Stadt plant den Bau eines neuen Sportgeländes für die beiden Sachsenhäuser Fußballvereine VfL Germania und SV Sachsenhausen. Es soll auf den Oberräder Feldern entlang der Offenbacher Landstraße, gegenüber der Hochschule St. Georgen entstehen. Das Areal soll Richtung Main bis zu den Wassergräben reichen, von der Balduinstraße bis kurz vor das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr. Also direkt vor dem Fenster der Anwohner der Balduinstraße.

Die Familie Zimmermann hat in der Hausnummer 33 ihre Gewerberäume und wohnt im vorderen Gebäude. "Alle, die hier in der Straße wohnen, sind entsetzt über dieses Vorhaben", sagt Zimmermann.

Die "modernste Sportanlage der Stadt" hatte der Sportdezernent Markus Frank (CDU) zusammen mit dem Baudezernenten Jan Schneider (auch CDU) vor kurzem in einer Online-Veranstaltung interessierten Bürgern vorgestellt. Thema war die Bebauung der Mainwasen-Sportplätze. Dort soll die neue Europäische Schule entstehen, weshalb die Fußballvereine umgesiedelt werden müssten.

Zwei große Kunstrasenplätze

Und damit diese einwilligen, will die Stadt für sie ein modernes neues Sportzentrum bauen; eines, das alle Bedürfnisse der Vereine an die Zukunftsfähigkeit vor allem der Jugendarbeit erfüllt. Auf den Plänen zu sehen sind eine Sporthalle, zwei große und ein kleiner Kunstrasenplatz, Kleinfeldplätze, zwei Tenniscourts und Parkmöglichkeiten.

Betroffen wäre auch Max Laue, der in der Nummer 37 wohnt. "Von meinem Fenster aus soll ich dann auf eine Schallschutz- und Lichtschutzwand gucken", sagt er. "Der Krach wird trotzdem nicht ausbleiben." 2400 Stunden Training die Woche seien auf dem neuen Gelände möglich, hat Dezernent Markus Frank versprochen. "Vor 23 Uhr werden wir hier keine Ruhe haben, und das jeden Tag", prophezeit Brigitte Zimmermann.

Lärm und Abgasgestank sei außerdem vom zusätzlichen Autoverkehr in der kleinen Stichstraße zu erwarten. "Was das für ein Anfahrts- und Abfahrtsverkehr sein wird zu jedem Training, das möchte ich mir nicht ausmalen", sagt die Anwohnerin. Max Laue stimmt ihr zu. Er kennt den Spielbetrieb der Fußballvereine. Vier Jahre lang war er selbst Vorsitzender der VfL Germania. Die Parkplätze an den Mainwasen sind zu Trainingszeiten und vor allem bei Spielen am Wochenende voll.

Ärger über schlechte Informationspolitik

Noch mehr ärgert Laue die mangelhafte Informationspolitik der Stadt. "Es gab noch keinen Ortstermin. Die Online-Vorstellung der Pläne durch die CDU war dafür kein Ersatz. Sie war als Vor-Ort-Termin angekündigt und wurde kurz zuvor ins Internet verlegt. So schnell konnten viele nicht reagieren - und viele haben auch keinen Internet-Zugang."

Etliche Interessierte, so heißt es, hätten sich umsonst auf dem Vereinsgelände auf den Mainwasen zum Termin eingefunden und gingen dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Die Anwohner in der Balduin-straße sind nicht die einzigen, die betroffen sind. Ortslandwirt Horst Krämer hat den Großteil des sogenannten Pfaffenackers seit Jahren gepachtet und bewirtschaftet ihn; allerdings nicht jedes Jahr. Auf dem Areal befinden sich diverse Kleingärten. Merkwürdig finden es viele Oberräder, dass nicht das erste Mal über die Bebauung des Geländes diskutiert wird. Bislang sprachen aber Umweltschutzgründe dagegen. 2004 sollte auf dem Pfaffenacker ein Wohnheim für Behinderte gebaut werden. Die Stadt hatte Kleingärtnern und Landwirt Klaus Jung schon die Verträge gekündigt.

Dann aber wurde genauer hingeschaut und das Projekt zurückgezogen: Das Gelände sei Teil des Grüngürtels sowie ein Grundwasserschutzgebiet. Jahre später hieß es, die Gruneliusschule könne dorthin ausgelagert werden, wenn sie saniert wird. Auch daraus wurde nichts. "Es war immer klar - dieses Gelände kann nicht bebaut werden", erinnert Brigitte Zimmermann.

Günter Jung, der frühere Vorsitzende des Oberräder Bürgervereins, erinnert sich an die damaligen Diskussionen. "Das Wasser, das die Gärtner für die Bewässerung der Felder nutzen, fließt vom Wald her unter dem Pfaffenacker entlang Richtung Main und wird von den Gärtnereibetrieben durch ihre Brunnen hochgepumpt. Das muss von den Behörden beachtet werden", mahnt er.

Das besagte Gelände sei nass, bestätigt Kräutergärtner Rainer Schecker. "Wenn aber das Grundwasser abgesenkt würde, lägen die Äcker trocken", sagt er. "Das darf nicht passieren." stw

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