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Eine hübsche Bretterhütte, Gartenmöbel, Wassercontainer, Brennholz: Alles eingerichtet zum Überwintern? 

Ärger um Wohnwagen und Zaun

Oberrad: Diese Spanplatten-Villa muss weg

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Eine wilde "Siedlung" aus Bauwagen im Grüngürtel stört Anwohner schon lange - Jetzt will der Ortsbeirat dagegen vorgehen. 

Oberrad - Wiener Straße, im Süden Oberrads. Zwischen den Hausnummern 100 und 102 liegt ein asphaltierter Wirtschaftsweg. Er führt bis zur Siedling Im Teller. Rechts und links, hinter hohen Hecken, befinden sich Gärten. Ganz am Rande dieser Gartenanlage, hinter der zweiten Kreuzung, sieht man rechts die Dächer von Bauwagen hinter einem mannshohen Zaun aus Holzpaletten hervorragen.

Auf dem Gartengrundstück stehen insgesamt fünf Bauwagen. Fahrräder sind daran anlehnt, ein großes Trampolin vor einem der Wagen erinnert an einen Kinderspielplatz, auch die eine oder andere Holzkonstruktion. Eine erinnert an einen Hochsitz, eine andere an eine Spanplatten-Villa. An mindestens zwei Stellen ist Kaminholz aufgestapelt. Das erspäht man beim Blick durch den Palettenzaun am Rande des Sauerampferackers.

Frankfurt-Oberrad: Fragen an die Stadt zur wilden Siedlung

"Ich weiß, dass dieses Thema bereits eines im Regionalrat gewesen ist", erklärt dazu Rosita Jany, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen). "Wir wollen jetzt mehr erfahren und haben einen Antrag dazu gestellt. Der Magistrat der Stadt soll sagen, warum dort seit vielen Monaten eine wilde Siedlung entstehen darf." Der Ortsbeirat entscheidet über den Antrag in seiner Sitzung am Freitag, 25. Oktober, 19 Uhr, im Bürgertreff Saalbau Depot am Buchrainplatz.

Christian Becker (CDU), Ortsvorsteher im Ortsbeirat 5, ist sicher, dass der Antrag eine Mehrheit finden wird. "Wir haben jetzt noch keine Fraktionssitzung gehabt, aber ich werde den Antrag von Frau Jany unterstützen." Die Bauwagen seien ihm schon im Frühjahr aufgefallen. "Ich habe davon Anfang Juli Fotos von der höher gelegenen Wohnung meines Bruders aus gemacht. Diese Fotos liegen dem Umweltdezernat vor." Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) müsse von der Sache wissen.

Frankfurt-Oberrad: Bauwagen und Bretterzäune dürfen nicht sein

Aus Beckers Sicht ist klar: Es dürfe nicht sein, dass im Landschaftsschutzgebiet Grüngürtel solche Bauwagen stehen und Bretterzäune errichtet werden. "Das ist nicht genehmigungsfähig. Wozu gibt es denn sonst den Landschaftsschutz? Das ist doch im Grüngürtel."

Der Besitzer des Grundstücks sagte auf Anfrage dieser Zeitung: "Ich bin im Gespräch mit dem Pächter. Er hat die Fläche als landwirtschaftliche Fläche übernommen. Er hat mir zugesagt, dass er die Bebauung rückgängig macht. Er will schon am Wochenende mit dem Aufräumen beginnen." Der Besitzer selbst habe gerade erst erfahren, dass es um sein Grundstück so viel Ärger gebe, versicherte er.

Frankfurt-Oberrad: Keine erlaubte Nutzung

Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, hat öfter mit solchen Fragen zu tun. "In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Nutzung der Freizeitgärten stark geändert." Stadtweit gebe es wahrscheinlich hunderte von Wohngebäuden und sogar von "Bauhöfen" privater Unternehmen in Kleingartenanlagen. "Die Nutzung ist viel intensiver als früher. Da werden keine Bäume mehr gepflanzt, nur noch gefällt. Dabei haben der Grüngürtel und das Landschaftsschutzgebiet einen Sinn für die Stadtbevölkerung."

Die Naturschutzbehörde könne nicht allen Beschwerden sofort nachkommen. Stattdessen werde Gebiet für Gebiet angeschaut. "Zuletzt waren wir im Seckbacher Ried. Dort mussten Hütten abgerissen werden. Zwischenzeitlich sind wir in den Riederwald gerufen worden, wo gerade ein richtiges Wohnhaus außerhalb des bebauten Gebietes entstanden war. Das musste dann auch abgerissen werden", erläuterte Rothenburger. Fazit: Fehlnutzungen von landwirtschaftlichen Flächen seien kein neues Phänomen in Frankfurt, die Bekämpfung erfolge nach und nach. Vielleicht ist es gar nicht mehr nötig - wenn der Pächter endlich selbst die Behausungen beseitigt.

Auf knapp einem Drittel der Fläche von Oberrad wachsen Gemüse und Kräuter. Die Heimat der Grünen Soße lockt ab Donnerstag Neugierige, Spaziergänger, Wanderer und Familien durch die Felder zum Grüne-Soße-Pfad.

Oberrad will seinen Geschäften an der Offenbacher Landstraße weiterhin helfen, auf die Beine zu kommen. Die Stadt hat jetzt das Kurzzeitparken auf den vorhandenen Parkplätzen genehmigt.

Von Thomas J. Schmidt

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