Riederwald

Anwohner wollen keine Ödnis am Erlenbruch

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Bäume fällen oder nicht – das ist zurzeit eine große Diskussion an der Tunnelbaustelle im Riederwald. Während das Land jetzt fällen lässt, sagen Kritiker, der Baubeginn sei doch noch gar nicht in Sicht.

Dass nun Bäume gefällt werden für den Bau des Riederwaldtunnels, treibt Kritiker des Großbauprojekts seit langem um. Immer wieder kritisieren die Bürgerinitiative (BI) Riederwald und das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA), dass die Bäume noch jahrelang stehen bleiben könnten. Denn der Tunnel könne wegen anstehender Planänderungsverfahren und laufender Prozesse längst noch nicht gebaut werden. Zuletzt demonstrierten im Dezember rund 100 Menschen gegen diesen „Kahlschlag“.

Im Gegenzug betont Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), wie wichtig ihm die Bäume seien. Die Landesstraßenbaubehörde Hessen Mobil lasse nur dort fällen, wo dies für die nächsten Arbeiten unumgänglich sei. So wichtig ist das Thema, dass Hessen Mobil jetzt zwei Karten aus der Präsentation zur letzten Infoveranstaltung vom 27. Oktober auf die Internetseite gestellt hat . Sie zeigen, welche Bäume wo im jetzigen und im kommenden Winter gefällt werden.

„Mir ist bewusst, dass jeder Baum, der gefällt wird, aus Sicht der Anwohner einer zu viel ist. Für die Bürger des Riederwalds ist das ein Verlust, den ich nachempfinden kann“, erklärt Al-Wazir im Begleittext zu den Karten. Zurzeit würden 17 Bäume gefällt, im nächsten Winter 27. Er verweist darauf, dass durch eine Umplanung der Baustraße zwei Bäume weniger fallen.

„Wir sind froh, wenn mehr Bäume stehen bleiben als gedacht. Aber zusammen mit den Gehölzen, die Hessen Mobil neben Einzelbäumen anführt, fallen schon in diesem Winter rund 40 Bäume“, kritisiert Rainer Frey, Sprecher der BI Riederwald. Am Erlenbruch würden zwar nur fünf Bäume gefällt. Doch mit jenen sechs, die bereits vor Jahren verschwanden, seien das elf. „Anders als Herr Al-Wazir immer betont, bleibt das Erscheinungsbild eben nicht erhalten.“

Es gehe nicht so sehr um einzelne Bäume, sondern um die Verschandelung des Stadtteils – mit der Aussicht, dass die Menschen diese viele Jahre ertragen müssen, weil der Tunnel nicht so schnell gebaut wird, sagt AUA-Sprecher Friedhelm Ardelt-Theeck. Noch seien Prozesse anhängig und neue Planänderungsverfahren in Vorbereitung, deren Ergebnisse sicherlich wieder beklagt würden.

Die Kleingärten am Teufelsbruch und an der Vatterstraße seien bereits vor Jahren „platt gemacht“ worden, sagt Ardelt-Theeck. Immer mehr Grün verschwand, und hässliche, öde Flächen blieben zurück. „Und jetzt entstehen mit dem Bau der Leitungsbrücken auch noch große graue Betonflächen“, ergänzt Frey. Hessen Mobil müsse warten, bis Rechtssicherheit für den Tunnelbau herrsche.

Al-Wazir sieht das anders. In einem offenen Brief an die Bürgerinitiativen erklärt er, der Tunnel solle zügig gebaut werden, um die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Der Bau der Leitungsbrücken sei von Änderungen und Klagen nicht betroffen.

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