Riccardo Conte ist sauer über seine Knöllchensammlung für sein Moped. Schließlich zahlt er ja schon für sein Auto, nimmt das abgasärmere Zweirad, um damit in die Stadt zu düsen.
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Riccardo Conte aus Frankfurt ist sauer über die Knöllchensammlung für sein Moped. Schließlich zahlt er ja schon für sein Auto, nimmt das abgasärmere Zweirad, um damit in die Stadt zu düsen.

Nur ein Stellplatz

Anwohner sauer über Parkplatz-Situation in Frankfurt: Es hagelt Strafzettel

  • VonSabine Schramek
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Die Probleme um die Parkplatzsituation in Frankfurt sind bekannt. Gerade Anwohner sind sauer. Für Autobesitzer, die auch Motorräder haben, hagelt es Knöllchen.

Frankfurt – Die Möglichkeit, in Frankfurt kostenfrei zu parken, wird immer weiter eingeschränkt. Als Gründe werden Emissionsschutz, Entzerrung der Fahrzeugdichte und die Verkehrswende genannt. Anwohnern steht gegen Bezahlung je ein Parkplatz zu. Wer allerdings neben einem Auto noch ein Motorrad hat, hat Pech. Da hagelt es schnell Knöllchen.

Riccardo Conte ist sauer. Nicht nur er, sondern auch mehrere Nachbarn, die in seiner Straße in Bornheim wohnen, bekommen immer wieder Strafzettel, obwohl sie Anwohnerparkplätze haben und die Gebühren dafür bezahlen. Der Haken: Viele von ihnen haben nicht nur ein Auto oder ein Motorrad oder Roller, sondern beides. Allerdings steht jedem Anwohner nur ein Parkplatz zu. Für alle anderen Fahrzeuge müssen Parkscheine gelöst werden. „Das ist ungerecht. Kaufen sollen wir, parken können wir nicht“, schimpft der Mechaniker und Schauspieler. „Wenn wir die Leute vom Ordnungsamt ansprechen, werden wir manchmal sogar ausgelacht“, berichtet der Mann, der in der Low-Budget-Filmproduktion „Irrtum“ ausgerechnet einen Polizeihauptkommissar spielt. Insgesamt 15 Anwohner in seiner Nachbarschaft haben ein Zweitfahrzeug, das sie nicht mehr unterkriegen.

Parkplätze in Frankfurt: Speziell Motorradfahrer haben Schwierigkeiten

In der Innenstadt am Stoltzeplatz gibt es einen speziell für Motorräder ausgewiesenen Parkplatz, für den keine Gebühren bezahlt werden muss. „Wir können doch deshalb nicht unsere Mopeds mitten in der Stadt parken, nur weil die Stadt in den Vierteln nicht mitdenkt“, echauffiert sich Conte und zeigt auf ein rotes Motorrad, an dem ein Anwohnerparkausweis mit Tesafilm auf den Tank geklebt ist. „Nicht mal Plaketten zum Aufkleben gibt es, sondern nur das Papierteil.

Wenn es regnet, ist es aufgeweicht. Sein Nachbar, dem die Maschine gehört, schüttelt den Kopf. „Ich glaube, es geht hier mehr darum, abzukassieren, als um eine vernünftige Lösung für alle“, ist er überzeugt. Weil regelmäßig Strafzettel verteilt werden, haben sich die Motorradfahrer zusammengetan und eine Stelle ausgesucht, an der bis zu 15 Maschinen nebeneinander stehen können, ohne viel Platz wegzunehmen oder andere in Gefahr zu bringen.

Parken in Frankfurt: Anwohner haben nur Recht auf einen Stellplatz

Legal ist auch das nicht. Ebenso wenig wie der mündliche Hinweis einiger mitfühlender Knöllchenschreiber, dass man die Mopeds ja auf dem Bürgersteig parken könne. "Niemals mache ich das", so Conte. "Wenn ein Kind an einen heißen Auspuff greift, verbrennt es sich. Außerdem ist der Gehweg viel zu schmal und parken darauf wird auch regelmäßig mit Knöllchen quittiert." Immer wieder diskutieren die Nachbarn mit dem Ordnungsamt und legen Widerspruch ein. Auch an den Ortsbeirat haben sie sich schon gewandt.

Im Februar wurde dort beschlossen, dass zehn Motorradparkplätze in der Straße abgegrenzt werden. Darauf warten die Anwohner bis heute. "Es betrifft ja nicht nur uns, sondern Anwohner in allen Stadtteilen mit Anwohnerparkplätzen. Garagen sind rar und es kann doch nicht angehen, dass die Stadt einfach vorschreiben kann, wie viele Fahrzeuge man besitzt", so Conte.

Zuständig ist das Straßenverkehrsamt. Auf die Frage, wie es gehandhabt wird, wenn ein Anwohner zwei oder mehrere Fahrzeuge besitzt, erklärt das Amt: "Gar nicht. Wer seinen Hauptwohnsitz in einer Bewohnerparkzone hat, hat Anspruch auf ausschließlich einen Bewohnerparkausweis. Diese Regelung gilt, seit es überhaupt Bewohnerparken in Frankfurt am Main gibt."

Parkplatz-Situation in Frankfurt: Bis heute ist nichts geschehen – es hagelt Strafzettel

Ausnahmeregelungen gebe es nicht. "Es ist eine der verkehrspolitischen Zielsetzungen, die Anschaffung von Zweit- oder gar Drittfahrzeugen in dicht bebauten, bestens ÖPNV-versorgten Kernstadtgebieten nicht noch durch eine Überprivilegierung zulasten des öffentlichen Raumes zu fördern." Auf längst vorhandene Zweitfahrzeuge wird nicht eingegangen. Das Ordnungsamt erklärt, dass die Auswahl der Stadtteile mit Anwohnerparken und bezahltem Parken auf Vorschlag der Ortsbeiräte erfolgt oder in der Verantwortung des Straßenverkehrsamtes liege. "Bei zwei Kennzeichen im Bewohnerparkausweis können die Fahrzeuge abwechselnd geparkt werden." Auf www.mainziel.de sind alle Stadtteile aufgelistet, in denen bereits nur noch kostenpflichtiges Parken möglich ist. Auch Besuch von außerhalb bei Verwandten ist dort mit Fahrzeugen kostenfrei nicht mehr möglich.

Das Straßenverkehrsamt verweist auf "Handyparken für die Bezahlung am Parkautomaten. Ansonsten empfiehlt sich auch für längere Besuche außerhalb der gebührenfreien Wochenenden eine Anreise mit Bahn und Bus oder die Nutzung von Park & Ride Plätzen in und um Frankfurt am Main - auch diese Lenkungswirkung ist verkehrspolitisch klar beabsichtigt." Für Conte und seine Nachbarn ist das kein Trost. Er erhält weiterhin Strafzettel. (Sabine Schramek)

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