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Kein Umzug

Apfelweinfestival bleibt auf dem Roßmarkt

Der Paradiesplatz ist viel zu klein, um das Apfelweinfestival dort zu veranstalten. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb die städtische Tourismus GmbH einen entsprechenden Vorschlag ablehnt.

Das Frankfurter Apfelweinfestival zieht sehr wahrscheinlich nicht vom Roßmarkt auf den Paradiesplatz. Das hat sich der Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Oberrad, Niederrad) in seiner jüngsten Sitzung auf Antrag der CDU zwar einstimmig gewünscht. Die Veranstalter, die Frankfurter Tourismus und Congress GmbH sowie der Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer, sind aber alles andere als begeistert.

Das Apfelweinfestival besteht aus verschiedenen Ständen und einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm. Es gibt traditionelle Schoppen aus alten Apfelsorten, aber auch trendige Mixgetränke und Cocktails mit Apfelwein. Obendrein können Besucher alle möglichen Fanartikel wie Bembel, gerippte Gläser oder Shirts erstehen.

„Wir denken, dass das eine Bereicherung für Sachsenhausen wäre“, erklärt Antragsteller Martin-Benedikt Schäfer von der CDU. Sachsenhausen sei eine der Hochburgen der Apfelweinkultur. Der Paradiesplatz wäre ein guter Schauplatz für das Festival, als Ergänzung zum Brunnenfest.

„Wir diskutieren ständig, wie das Viertel aufzuwerten wäre“, sagt Schäfer. Das Festival wäre ein Schritt dorthin, zu weniger Shishabars und mehr Kultur. Nun präsentiert der Ortsbeirat die Idee der Öffentlichkeit. „Als Anstoß für einen Diskussionsprozess.“ Die Politik steht geschlossen dahinter.

„Wir können uns das nicht vorstellen“, sagt Thomas Feda dagegen. Der Geschäftsführer der städtischen Tourismus GmbH ist da ebenso knapp wie resolut. „Wir sind mit der Veranstaltung ganz bewusst in die Innenstadt gegangen, um dem Thema Apfelwein eine größere Bedeutung zu geben.“ Überdies biete der Paradiesplatz nicht genügend Fläche für das zehntägige Fest. „Wir sind ja am Roßmarkt schon etwas beengt.“

So sieht das auch der zweite Gastgeber, Steffen Ball, Geschäftsführer des Apfelweinverbands. Der Verband vertritt die Interessen von mehr als 40 Kelterbetrieben in Hessen. Das Festival soll die Apfelweinkultur präsentieren, die Vielfalt des Apfelweins einer möglich breiten Masse von Menschen zugänglich machen. Das gehe in der Innenstadt gut. „Wir haben dort eine große Frequenz an Leuten.“ Flaneure, Einkäufer, Touristen, Frankfurter. Auch Ball sieht am Paradiesplatz ein Platzproblem. „Da kommt die Feuerwehr ja gar nicht durch.“ Ball fände es auch unpassend, den Sachsenhäuser Wirten für zehn Tage fremde Apfelweinstände vors Geschäft zu stellen.

Selbst mancher Sachsenhäuser ist skeptisch. „Das hätte man vor 20 Jahren machen können“, sagt etwa Dieter Breidt, Präsident der Brunnen- und Kerbegesellschaft. Doch inzwischen sei in Alt-Sachsenhausen schlicht das Publikum nicht mehr anzutreffen. „Apfelweinliebhaber finden Sie dort wenige.“ Die ziehe es eher zur Buchscheer, an Schweizer- oder Textorstraße, gar nach Oberursel.

„Touristen kommen noch nach Alt-Sachsenhausen, Frankfurter kaum“, findet Breidt. Damit sei das Apfelweinfestival auf dem Roßmarkt besser aufgehoben. Selbst sein Verein habe beim Brunnenfest inzwischen Schwierigkeiten, die Leute anzuziehen. Und das ist ein Traditionsfest, eines der ältesten der Stadt. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1490. Das Apfelweinfest auf dem Roßmarkt begeht im kommenden Jahr immerhin sein Neunjähriges. VON GEORG GRODENSKY

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