+
Das Leuchtschild der „Mohren-Apotheke”.

Diskriminierung

Apotheken-Streit geht weiter: Frankfurter fühlen sich vom Begriff „Mohr“ getroffen

  • schließen

Der Streit um zwei Apotheken, die den Begriff „Mohr“ im Namen führen, beschäftigte gestern den Integrationsausschuss des Stadtparlaments.

Die Parlamentarier haben ihre endgültige Entscheidung auf später verschoben, doch eine Anzahl Frankfurterinnen nutzten gestern die Sitzung des Ausschusses für Bildung und Integration, um erneut gegen die Namensgebung zweier Frankfurter Apotheken zu protestieren. Umstritten sind eine Apotheke in der Innenstadt und eine in Eschersheim, die beide den Begriff „Mohr“ im Namen führen.

Seit einigen Wochen steht die , weil der Begriff „Mohr“ eine abwertende Bezeichnung sei, die an die koloniale Unterdrückung erinnere. Die Kommunale Ausländervertretung hatte das Thema in die Öffentlichkeit gebracht.

„Es gibt Alltagsrassismus, es passiert uns allen, dass wir in Vorurteilen denken. Schlimm wäre es, wenn wir nicht versuchten, daran etwas zu verändern“, erklärte die dunkelhäutige Mirrianne Mahn. Wenn sie an der Apotheke an der Konstablerwache vorbei laufe, fühle sie sich „ins Herz“ getroffen.

„Wenn People of Color sagen, das Wort ist rassistisch, dann ist es rassistisch“, erklärte Merve Ayyildiz, integrationspolitische Sprecherin der Linken im Römer. Auch die Grüne Myrella Dorn (SPD) stellte die Frage in den Raum: „Wie können weiße Menschen wissen, wie sich schwarze fühlen?“. In die ähnliche Richtung argumentierte eine weitere Bürgerin: „Den Luxus, über solche Themen nachzudenken, daran Anstoß zu nehmen und dann nicht zu handeln, können sich nur weiße Menschen leisten.“

 

Wenig Zustimmung fand die Auffassung der CDU, dass der Begriff als Name für Apotheken eine bis ins Mittelalter zurückgehende Tradition habe und Ausdruck des Respekts vor den medizinischen Kenntnissen der Mauren in jeder Zeit bezeuge. „Rassismus ist auch Rassismus, wenn er schon sehr alt ist“, so Dorn. „Ich bin es leid, mir die Erklärungen über Wortbedeutungen anzuhören. Fakt ist, dass das Wort heute eine beleidigende Bedeutung hat. Das muss man ernst nehmen“, sagte Dimitrios Batakis (Grüne).

(ing)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare