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Arbeiten am Symbol des Aufbruchs

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Von: Judith Dietermann

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Pfarrer Michael-Max Stichling vor "seiner" Gustav-Adolf-Kirche. Nach der Sanierung des Innenlebens folgt nun die der Außenhülle.
Pfarrer Michael-Max Stichling vor "seiner" Gustav-Adolf-Kirche. Nach der Sanierung des Innenlebens folgt nun die der Außenhülle. © Leonhard Hamerski

Erst innen, jetzt außen: Sanierung der Gustav-Adolf-Kirche verzögern sich

Als wäre es gestern gewesen, kann sich Michael-Max Stichling noch an den Tag 2007 erinnern, als er vor dem Altar in der Gustav-Adolf-Kirche stand, durch die farbigen Kirchenfenster die Sonne ins Innere schien und ein Strahl über die Wand links neben der Kanzel huschte. "Ich habe gesehen, dass unter der Farbe etwas dunkel hervorschimmerte", erzählt er. Es war der Sockel des rund 1,20 Meter hohen Wandkreuzes, das unter der Farbschicht hervorblitzte. Das Kreuz, das bei der Einweihung des nach Plänen des Architekten Martin Elsaesser erbauten Gotteshauses 1928 dort noch sichtbar war. Das irgendwann überpinselt und später von Stichling entdeckt wurde. Es war der Startschuss für die Sanierung der Kirche, die wieder in ihren Originalzustand versetzt wurde.

Heute, 15 Jahre später, sitzt Stichling, seit 2002 Pfarrer in Niederursel, auf der kleinen Holzbank vor dem Eingang des achteckigen Gotteshauses. Dessen Sanierung - zumindest im Inneren - seit mittlerweile fünf Jahren abgeschlossen ist. Nun geht es der Hülle der Kirche "an den Kragen". Oder besser gesagt an den Turm.

Seit knapp einem Jahr ist er schon von einem Baugerüst ummantelt. Doch es geht nicht so richtig voran. Der Grund sind Material-Lieferschwierigkeiten. Ein großes Problem in der Corona-Pandemie, sagt Stichling. Eigentlich sollten die Arbeiten bereits im Januar abgeschlossen sein. Wann es nun so weit ist? Das könne man nicht sagen, sagt der Pfarrer und blickt in den Himmel, wo sich die Wolken lichten.

Die Suche nach der richtigen Farbe

Wer genau hinschaut, kann jedoch bereits die ersten Veränderungen erkennen. So wurde das goldene Kreuz auf der Spitze des Kirchturms um einen Jubelkranz ergänzt. Die Fassade werde sich derweil farblich "nicht großartig" verändern, das Dach müsste noch gemacht werden, erklärt der Pfarrer. Diskussionen gebe es derweil, welche Farbe die Kirchturm-Uhr erhalte. Rot und schwarz stünden in der Diskussion. Welche Farbe sie im Urzustand hatte, das ließ sich leider nicht herausfinden. Denn es gibt lediglich Schwarz-Weiß-Bilder von der Kirche. Eine Baubeschreibung, in der auf die Farben eingegangen wird, existiert auch nicht. "Wir haben wirklich alles versucht", sagt Stichling, steht von der Bank auf, geht ein paar Schritte nach vorne und dann in die Hocke.

Der Pfarrer zeigt auf ein kleines Quadrat, vielleicht fünf mal fünf Zentimeter groß, an der Außenfassade der Kirche. Direkt neben den vier Grabsteinen, die daran erinnern, dass der Kirchgarten noch bis 1850 ein Friedhof war. Ein paar Meter weiter findet sich ein zweites. Der Innenraum, sagt Stichling sei damals von diesen kleinen Quadraten übersät gewesen. Über solche Wandproben nur habe man herausfinden können, was die Ursprungsfarben waren. Restaurator Thorsten Moser habe "unglaublich viel Zeit" in diese Arbeit investiert

Rote Decken und lilafarbene Nischen

Mit Erfolg, wie ein Blick in das Innere der Kirche zeigt. Vorbei an der links liegenden Taufkapelle, die sich an den Fundamenten der ursprünglich auf dem kleinen Hügel gebauten Georg-Kapelle orientiert und Stichlings "Lieblingsort in der Kirche" ist, geht es in den Innenraum. Cremefarbene Wände, eine rund 15 Meter hohe Decke in leuchtendem Rot sowie ein Lilaton in den Nischen über der Empore schmücken die Kirche. Lila und Rot sind auch die Farben, die an der Walker-Orgel dominieren. Passend dazu die farblosen Holzfenster mit der roten, kreuzförmigen Sprossenteilung.

"Es war wirklich mutig von Herrn Elsaesser, solch ein Bauwerk in einen Stadtteil mit viel Fachwerk zu bauen", sagt der Pfarrer, für den die Kirche ein Symbol des Aufbruchs ist. Aus der ganzen Welt kämen Menschen, um sich das denkmalgeschützte Gotteshaus anzusehen. Sogar aus Australien. Dass der Regionalverband in dessen Sanierung investiere, ist für ihn ein gutes Zeichen. "Das spricht dafür, dass die Kirche erhalten bleiben und nicht, wie zum Beispiel die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, verkauft werden soll", sagt er, schließt die Eingangstür und steht wieder im Kirchgarten. Der "eine Oase der Gemeinde" und viel mehr als nur ein Garten sei. Denn er ist auch Veranstaltungsfläche und Ruheraum. Neben der Kirche auf dem kleinen Hügel, dem Tempelberg, wie Stichling liebevoll sagt. Der aber nicht von alleine lebt, sondern belebt werden muss. Was er mit Leidenschaft tut, auch dafür sei er Pfarrer geworden. Um die Kirche lebendig zu halten und zu einem Ort für alle Menschen zu machen. Mit einem Gotteshaus, in der Mitte. Das so erstrahlt, wie es einst geplant und erschaffen wurde.

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